Bergedorf - Freimarken

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Inhaltsverzeichnis

Essays und Probedrucke

Essay 1859

Am 25. Juni 1859 stellte der Bergedorfer Postmeister Paalzow ein Gesuch an den Amtsverwalter Dr. Kauffmann - "Die Einführung von Postmarken (Freimarken) für den diesseiten Bezirk betreffend". Diesem Gesuch sollen lt. Moens Probedrucke in der folgenden Zeichnung beigelegen haben.

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Folgende Variationen von diesem ersten Probedruck werden von Krötzsch angeführt.

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Krötzsch nennt es gänzlich unwahrscheinlich – und begründet auch, dass diese ersten Probedrucke bereits dem Schreiben vom 25. Juni 1859 beigelegen hätten. Erst nach der erfolgten Antwort des Bergedorfer Amts dürften diese Proben angefertigt worden sein. Dieser erste Probedruck wurde verworfen, andere Proben als die in Zeichnung der später zur Ausführung gekommenen Marken sind nicht bekannt und bestanden wohl nur in Skizzen.

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Probedrucke - Urdrucke 1861

Probedrucke - Urdrucke
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Probedrucke - Urdrucke

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Erst 1½ Jahre später traten die Bergedörfer wieder mit ihrem Gesuch an das Amt heran. Paalzow wurde aufgefordert, über den Stand der Vorbereitung zu berichten. In seinem Bericht vom 19. Juni 1861 gab er die Höhe der anzuschaffenden Marken und die zu erwartenden Kosten an. Die Rückseite seines Schreibens zeigt Proben der inzwischen abgeänderten Zeichnungen in genau den Merkmalen der später angefertigten Originale. Sie entstanden also nach der Korrektur auf dem Umdruckstein.

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Quelle: Karl Knauer, Bergedorfer Postgeschichte

Paalzow selber fügte seinem Schreiben Bogenteile bei. Von diesem dürfte die Dienststelle des Lübecker (Direktorial-) Senats, jeweils ein Stück abgeschnitten und dem Paalzow-Schreiben rückseitig aufgeklebt haben – die unter den Probedrucken zu sehende Handschrift ist nicht die von Paalzow. Der Wert zu ½ Schilling war auf lila Papier, der zu 3 Schilling auf lilarotem (weinrotem) Papier gedruckt.

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Probedrucke - Urdrucke

Die Papierfarben wurden nicht genehmigt und in blau bzw. rosa abgeändert. Über die Anzahl Probedrucke gibt es widersprüchliche Angaben. Knauer führt als Beispiel einen „Auktionskatalog einer weltbekannten Firma“ an, nach deren Angabe von der 4 Schillingmarke nur noch 12 Stück vorhanden seien. Eine andere Firma nennt ein paar Jahre später 54 Stück. Diese Angabe bezeichnet er als realistischer. Boker schreibt, dass „wenigstens ein ganzer Bogen der ½ und 3 Schillinge“, der Urdrucke, „noch in der Sammlung eines europäischen Sammlers“ gewesen seien. Knauer schreibt dazu: „Wenn es sich hierbei tatsächlich nicht um einen Irrtum handelt, so wird Paalzow mit höchster Wahrscheinlichkeit je 2 ganze Druckbogen aller Werte erhalten haben. Von diesen hätte er dann mindestens je einen Bogen des ½ und 3 Schillingwertes, wenn nicht sogar einen ganzen Bogensatz, unzertrennt abgegeben.“

Im Michel sind diese Werte unter I bis V katalogisiert.

  • ½ Sch. schwarz a. lila (s. Abb.)
  • 1 “ schwarz a. weiß, dickes Papier
  • 1 ½ “ schwarz a. dunkelgelb, dickes Papier
  • 3 “ schwarz a. lilarot (s. Abb.)
  • 4 “ schwarz a. blaßbraun

Die Zeichnungen der Nrn. 2, 3 und 5 unterscheiden sich von den Originalmarken durch dickeres Papier.

Bogenteile des anderen Bogensatzes hatte er wie oben schon erwähnt seinem Gesuch vom 19. Juni 1861 als Anlage beigefügt. Ob er wirklich den Rest in den ersten Tagen der Herausgabe der Marken am Schalter verkaufen ließ, ist wiederum umstritten. Gebraucht wurde noch keine dieser Marken gefunden. Moens erhielt 14 Tage nach Ausgabe der eigentlichen Marken von der Herausgabe Kenntnis, konnte aber keine der Probedrucke mehr erhalten.


Zu der Anzahl dieser Probedrucke führt Knauer abschließend folgende ungefähre Schätzung an: Abgesehen von den bei Boker erwähnten beiden ½ Sch. und 3 Sch.-Bogen gibt es noch ca.

  • 110 Stück zu ½ Schilling
  • -80 Stück zu 1 Schilling
  • 100 Stück zu 1 ½ Schilling
  • 115 Stück zu 3 Schilling
  • -35 Stück zu 4 Schilling.


Vom im Michel erwähnten Proben-Kehrdruckpaar II K sind ganze zwei Stücke bekannt.

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Vom 1 ½ Schilling Proben-Kehrdruckpaar (im Michel III K) sind fünf Stücke bekannt.

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Quelle: Rauhut, 132. Auktion, Hornhues-Sammlung

Krötzsch schreibt zu diesen Probedrucken übrigens so gut wie nichts. In der 110. Grobe Auktion gab es ein waagerechtes Paar des 1½-Wertes mit der Bezeichnung SCHILLINGE, eines der allerersten Probeabzüge vom Umdruckstein, bei dem die Änderung der Wertbezeichnung noch nicht vorgenommen worden war.

Zumindest kurz muss noch das folgende Paar erwähnt werden.

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Krötzsch weist bei der Beschreibung der Änderung der Münzbezeichnung SCHILLINGE in SCHILLING darauf hin. Schaut man sich die Zeichnungen der beiden Marken genau an, stellt man fest, dass beide aber nicht die Kennzeichen der Originale aufweisen. Alle bisher bekannten Marken tragen die Merkmale der von Moens 1872 herausgegebenen Neudrucke, ein kleines Dreieck am unteren Rand der rechten Hälfte des Wappens und die Verklecksungen auf dem Posthorn.

Weder Krötzsch noch Knauer haben nach eigenem Bekunden jemals ein Original gesehen.

Farbprobedrucke 1861

Farbprobedrucke - Quelle: 132. Rauhut-Auktion - Sammlung Hornhues
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Farbprobedrucke - Quelle: 132. Rauhut-Auktion - Sammlung Hornhues
Farbprobedruck Umdruckblock Nr. 1 rot
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Farbprobedruck
Umdruckblock Nr. 1 rot

Der Michel erwähnt anschließend 1P–5P in (5) verschiedenen anderen Farben auf weißem Papier ohne Gummi. Auch diese Marken sind nach Korrektur auf dem Umdruckstein entstanden und zeigen daher exakt die Merkmale der Originale. Die Zeichnungen sind auf reinweißem Papier in verschiedenen Farben hergestellt. Alle fünf Marken gibt es in allen fünf Farben.

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Quelle: Hugo Krötzsch, Handbuch der Postfreimarkenkunde - Altdeutsche Staaten, 1896

Das Papier wird von Krötzsch als dünn beschrieben. Die Markenbilder und die Farbe seien deutlich auf der ungummierten Seite zu erkennen. Diese farbigen Probedrucke sind in den Akten schriftlich nicht erwähnt. Paalzow hat sie wohl sehr schnell verworfen.

Die Freimarken Bergedorfs von 1861

Vorbereitung der Einführung

Wie bereits erwähnt trat Postmeister Paalzow am 25. Juni 1859 mit einem Gesuch an den Amtsverwalter Dr. Kauffmann - "Die Einführung von Postmarken (Freimarken) für den diesseiten Bezirk betreffend".

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Die Herstellung der Marken

Freimarken Bergedorf
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Freimarken Bergedorf
Abdruck vom Originalstein - Die Merkmale sind nicht die der Originale!
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Abdruck vom Originalstein -
Die Merkmale sind nicht die der Originale!
Abdruck von den Umdrucksteinen mit erfolgten Korrekturen
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Abdruck von den Umdrucksteinen mit erfolgten Korrekturen

Die 1861 herausgegebenen Marken Bergedorfs mit dem halben Lübecker und dem halben Hamburger Wappen wurden im Steindruckverfahren mit Hilfe von drei kleinen Steinen auf unterschiedlichem, farbigem Papier vom Hamburger Lithograf Charles Fuchs hergestellt. Von den drei Drucksteinen hat Fuchs aber nur den Originalstein an Paalzow ausgeliefert, der ihn dem Bergedorfer Amtsverwalter Dr. Kauffmann zur Verwahrung übergab. Der Steindruck ist ein Flachdruckverfahren, bei dem die druckenden wie auch die nicht zu druckenden Bildteile in einer Ebene stehen. Die zu druckende Zeichnung wird mit einer fetthaltigen Substanz auf einen geschliffenen Kalkstein aufgebracht. Nach Stabilisierung, Ätzung, Überzug mit Gummi arabicum, der an den unbezeichneten Stellen zurückbleibt, und der Trocknung, wird die ursprünglich aufgetragene Farbe heruntergewaschen. Auf dem Stein bleibt die Zeichnung nur noch als Fettgrund zurück. Auf diesen wird die ebenfalls fetthaltige Druckerfarbe aufgetragen. Die Farbe wird von der Zeichnung gebunden, während der restliche Stein das Wasser durch die in ihm abgelagerten Gummireste hält und daher keine Farbe annimmt.

Die drei Drucksteine

Zur Herstellung der Markenbögen waren drei Steine erforderlich. Auf dem Originalstein waren alle fünf Werte einzeln abgebildet. Jahre später kam noch ein veränderter 4-Schilling-Wert hinzu.

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Bildfläche des Originalsteins - Quelle: Kroetzsch, Handbuch der Postfreimarkenkunde Altdeutsche Staaten, 1896

Schaut man sich die Zeichnungen auf dem Originalstein an, stellt man fest, dass sie nicht die Merkmale der Originale zeigen. Erst auf dem Umdruckstein wurden die Zeichnungen der Marken korrigiert, so dass sie dort schließlich das Aussehen bekamen, das wir heute von den Originalmarken kennen. Die Merkmale des Originalsteins zeigen allerdings viele der Neudrucke. Der Hersteller der Neudrucke, Jean-Baptiste Moens, erwarb nach der Gültigkeit der Bergedorfer Marken den Originalstein, der Umdruckstein war längst abgeschliffen. Der zweite Stein war der Umdruckstein. Mit Hilfe von Umdruckfarbe wurden die Werte vom Originalstein abgezogen und zu Achter-, Zehner- und Zwölferblöcken zusammengenadelt. Auf einem zweiten Umdruckstein erfuhren die Marken die oben genannten Korrekturen in den Zeichnungen.

Der dritte Stein - besser - die dritten Steine waren dann die eigentlichen Drucksteine, von denen die Originalbogen gedruckt wurden.

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Die Bogen der Marken

Nr. 1a und 1b

Bogen der Nr. 1b, Quelle: Auktion Heinrich-Köhler
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Bogen der Nr. 1b,
Quelle: Auktion Heinrich-Köhler
Die ersten Umdruckblocks der 1a und 1b
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Die ersten Umdruckblocks der 1a und 1b

Die 1861 erschienenen Marken - entgegen der Notierung im Michel sind beide Marken in diesem Jahr hergestellt - wurden in zwei Halbbogen zu je 100 Marken gedruckt. Der gesamte Bogen besteht aus 16 Umdruckblocks (in der Zeichnung kursiv eingetragen) zu je 12 Marken und 8 Einzelmarken. Den erste Umdruckblock ist blau hinterlegt, die 12 Einzelmarken sind darin in Normalschrift angegeben. Die Umdruckfelder der untersten Reihe unterscheiden sich bei den beiden Bogen. Die linke Abbildung zeigt den Aufbau der 1a, der rechte den der 1b.

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Die Aufnadelung der einzelnen Umdruckblocks erfolgte bei der 1a sehr ungenau. Senkrechte gerade Linien lassen sich nicht ziehen, ohne einzelne Marken zu schneiden. Auch waagerechte gerade Linien lassen sich nur unterhalb der 4. bis unterhalb der 9. waagerechten Reihe ziehen. Zwischen den einzelnen Umdruckblocks existieren teilweise große weite Abstände. Bei der 1b wurden die einzelnen Marken wesentlich genauer aufgenadelt. Die Blockabstände sind relativ gleichmäßig. Die Marken stehen in geraden Reihen unter- und nebeneinander.

Nr. 2

Bogen der Nr. 2, Quelle: Auktion Heinrich-Köhler
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Bogen der Nr. 2,
Quelle: Auktion Heinrich-Köhler

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Nr. 3

Bogen der Nr. 3, Quelle: 132. Rauhut-Auktion, Hornhues-Sammlung
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Bogen der Nr. 3,
Quelle: 132. Rauhut-Auktion, Hornhues-Sammlung

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Nr. 4

Quelle: 132. Rauhut-Auktion, Hornhues-Sammlung
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Quelle: 132. Rauhut-Auktion, Hornhues-Sammlung

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Nr. 5

Bogen der Nr. 5, Quelle: Auktion Heinrich-Köhler
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Bogen der Nr. 5,
Quelle: Auktion Heinrich-Köhler

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Echtheitsmerkmale

Nr. 1a und b

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  • Saubere, deutliche Querbalken in den Buchstaben „A“ und „H“
  • Kein Punkt im oberen Teil des rechten „N“-Striches in „EIN“
  • Klare, deutliche Schlingen der ringartigen Wappenumrahmung
  • Im Kettenring unter dem zweiten "E" in "BERGEDORF" ist mitten im Kreis ein waagrechter Strich
  • Der obere Teil des Schildes hat drei lange und eine kurze Linie.


Nr. 2

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  • Normale, schlanke Ziffern meist ohne oder nur mit kurzen Fußstrichen
  • Kein verdickter Strich rechts vom rechten Turm
  • Deutliche Querbalken im "H" und "A"
  • Drei winzige Pünktchen (fast wie ein Strich aussehend) zwischen Spitze des Adlerflügels und Adlerschnabel
  • Waagrechte Striche in den Kettengliedern unter dem "I" von "EIN", unter dem zweiten "E" von "BERGEDORF" und über dem ersten "L" von "SCHILLING"
  • Ein oder zwei kleine Punkte im ersten "L" von "SCHILLING"
  • Keine Schattierung in der oberen Hälfte des Wappens
  • "P" und "O" von "POSTMARKE" stehen so nahe beieinander, dass das "O" links oben eingedellt ist


Nr. 3

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  • Münzbezeichnung „SCHILLING“ ohne "E" (Es gibt auch Fälschungen mit derselben Münzbezeichnung!)
  • Linke untere Bruchziffer „1“ mit doppeltem Anstrich
  • Keine dreieckige nach unten weisende Verschmierung unter rechtem Teil der burgartigen Wappenhälfte


Nr. 4

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  • Farbe: blau auf rosa Papier
  • Rechter Abstrich des „M“ in „POSTMARKE“ durch Strichelchen getrennt
  • Strich im Kettenglied über dem ersten „L“ von "SCHILLING"
  • Mehr oder weniger ausgeprägter Punkt über dem "R" von "DREI" das Markenbild berührend
  • Oberhalb des zweiten "E" von "BERGEDORF" ein mehr oder weniger deutlicher Punkt.
  • Saubere Wellenlinien

Nr. 5

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  • Im Kettenring unter "IE" von "VIER" ein winziger Punkt, der an die Inschriftenleiste stößt
  • Kein Strich im linken Innenraum der Ringkette in Höhe des „IE“ von „VIER“
  • Kein hornartiger Fortsatz auf Kopf des Adlers
  • „BERGEDORF“ in sauberen Buchstaben
  • Gleichmäßig dunkler Adlerkopf
  • Mehr oder weniger ausgeprägter Punkt in der Mitte des "E" von "POSTMARKE"
  • Sehr saubere Ringe

Neudrucke und Nachdrucke

Der Abzug vom Urstein

Neudrucke des Probedrucks 1867

Von den beiden oben gezeigten Probedrucken wurden vom Bergedorfer Postamt 1867 amtliche Neudrucke hergestellt und an Moens geliefert. Erkennungsmerkmale sind bei der ½ Schilling schwarz auf rotviolett der Punkt im N von EIN oben rechts und bei der 3 Schillinge zwei schwarze Pünktchen im S von POSTMARKE in der Mitte.

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Neudrucke der Probedrucke 1867

Essay-Nachdrucke von 1868

Essay-Nachdrucke - waager. Zwischenstegpaare, sechs von sieben Farben
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Essay-Nachdrucke -
waager. Zwischenstegpaare,
sechs von sieben Farben

Auf dem Abzug vom Urstein befindet sich neben den fünf Marken und der begonnenen, abgebrochenen Zeichnung unten eine 4 Schilling-Marke in einer neuen Zeichnung. Die Bergedorfer Postverwaltung brachte in Erfahrung, dass von ihr verausgabte Marken in Hamburg gefälscht würden. Die Verwaltung beschloss deshalb, neue Markenbilder auszugeben. Der Entwurf einen neuen Zeichnung mit der Münzbezeichnung „SCHILLING“ statt bisher „SCHILLINGE“ stammt vom Lithographen Charles Fuchs. Er wurde 1866 – also fünf Jahre nach den Zeichnungen der verausgabten Marken - direkt auf den Urstein gezeichnet. Betrachtet man den Entwurf genauer, so scheint er in großer Eile entstanden zu sein. Diese neue Zeichnung wurde auch angenommen. Zur Ausgabe der neuen Marke kam es jedoch nicht mehr. Von diesem 1866er Entwurf wurden lediglich von Moens in Brüssel nach dem Erwerb des Originalsteins im Jahr 1868 in kleiner Auflage die sogenannten Essay-Neudrucke hergestellt, die Moens in „Le Timbre Poste“ 1895 in folgender Ausführung aufzählt:

  • a) auf weißem chinesischen Papier 4 Schilling schwarz
  • b) auf glattem, weißen Papier 4 Schilling blau, rot, grün, zinnoberrot, violettbraun.

Krötzsch selber schreibt dazu, dass er selber diese Essay-Neudrucke in folgenden Farben besitze: gelbgrün, blaugrün, kobaldblau, stumpfrosa, ziegelrotbraun, violettbraun. Er zählt also sechs Farben auf. Außerdem schreibt er, dass alle außer der gelbgrüne Druck recht defekten Untergrund aufweisen. Hornhues selber nennt sie in seinem Bergedorf-Katalog Essay-Nachdrucke. Er beschreibt sieben Farben: ziegelrot, braunlila, karmin, gelbgrün, grün, olivgrau, und blau. Laut Hornhues dürften es zwischen 75 und 80 waagerechte Zwischenstegpaare geben.

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Nachdrucke Moens'

Nach Ende der Gültigkeit der Marken am 31.12.1867 kaufte der belgische Sammler und Händler Jean-Baptiste Moens die gesamten Restbestände der Bergedorfer Marken sowie den Originalstein auf. Von diesem fertigte er im Zeitraum zwischen 1872 und 1888 privat in vier verschiedenen Jahren Nachdrucke an. Formal kann man den Charakter dieser Nachdrucke nur als Fälschungen sehen. Nur Einheiten oder sogar Bogenteile der ersten Nachdrucke von 1872 sind seltener. Die Nachdrucke der späteren Jahre haben dagegen nur einen geringen Wert.

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Nachdrucke 1872

Moens druckte 1872 einen kompletten Satz nach. Dieser ist den Originalen noch am Ähnlichsten.

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  • Punkt im oberen Teil des rechten „N“-Striches in „EIN“
  • Undeutliche, teilweise verstümmelte Querbalken in den Buchstaben „A“ und „H“


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  • Dickere Ziffern und weit nach links herausragende Fußstriche
  • Kräftiger, verdickter Strich rechts vom rechten Turm
  • Nur Andeutung des Querbalkens vom „H“


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  • Münzbezeichnung „SCHILLINGE“
  • Verschmiertes Posthorn und dreieckige nach unten weisende Verschmierung unter rechtem Teil der burgartigen Wappenhälfte
  • Doppelter Anstrich der unteren Bruchziffer „1“ unklar, teilweise verkleckst
  • Feine Parallellinie am "I" von "EINHALB" linksseitig mit einer Verbindungsstelle fast am Fuß, bei vielen Marken ist nur diese Verbindungsstelle ohne die Linie sichtbar
  • Schwarzer Verbindungsstrich rechts am Kopf der Bruchziffer „1“ im obereren linken Wertzifferfeld
  • Wellenlinien meist noch recht deutlich


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  • Farbe: blau auf violettem Papier
  • Rechter Abstrich des „M“ in „POSTMARKE“ nicht abgetrennt
  • Adlerkopf teilweise hell
  • Zerrissene Wellenlinien
  • Blauer Strich im oberen Bereich der Inschrift "SCHILLINGE" im Bereich "SCHIL"


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  • Deutlicher schräger Strich im linken Innenraum der Ringkette in Höhe des „IE“ von „VIER“
  • „RG“ von „BERGEDORF“ zusammenhängend; „BE“ dicht beisammen
  • Winziger Punkt im zweiten „I“ von „SCHILLINGE“

Nachdrucke 1874

Nur die Nr. 5 wurde 1874 nachgedruckt.

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  • Hornartiger Fortsatz auf Kopf des Adlers (Adler trägt eine Pickelhaube)
  • Rechts oberhalb des schwarzen „P“ von „LHPA“ gebrochener Ring und schwarzer Klecks
  • Dunkler Hals und Kopf
  • Ziemlich saubere, normale Buchstaben

Nachdrucke 1887

Im Jahr 1887 wurde ebenfalls der gesamte Satz nachgedruckt.

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  • Punkt im oberen Teil des rechten „N“-Striches in „EIN“ *)
  • Heller Adlerkopf
  • Weniger klare Glieder der Ringkette
  • Zerrissene Wellenlinien
  • Sehr unsaubere Buchstaben


Jede 8. Marke der 10er Umdruckblocks zeigt auf dem rechten Strich des "N" keinen Punkt, sondern eine schwarze Schmierung, die das gesamte "N" verunstalt.

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  • Auffallend breite und verschmierte Ziffern
  • Kräftiger, verdickter Strich rechts vom rechten Turm
  • Nur Andeutungen des Mittelbalkens im „H“
  • Adlerhals zum Teil hell
  • Unsaubere, verstümmelte Buchstaben


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  • Münzbezeichnung „SCHILLINGE“
  • Bruchziffer „1“ etwas kleiner und mit einem Anstrich
  • Verschmiertes Posthorn und dreieckige nach unten weisende Verschmierung unter rechtem Teil der burgartigen Wappenhälfte
  • Wellenlinien noch unklarer, teilweise mit deutlichen Ausfällen
  • Oberhalb des Adlerschnabels meist ein mehr oder weniger großer schwarzer Fleck
  • Unsaubere Buchstaben


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  • Unverwechselbare Farbe: blau auf rotviolettem Papier
  • Rechter Abstrich des „M“ in „POSTMARKE“ nicht abgetrennt
  • Wellenlinien noch unklarer
  • Adlerkopf teilweise hell


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  • Deutlicher schräger Strich im linken Innenraum der Ringkette in Höhe des „IE“ von „VIER“
  • Verschmierte Buchstaben
  • Hals und Kopf mit weißen Stellen
  • Zerrissene Wellenlinien
  • Winziger Punkt im zweiten „I“ von „SCHILLINGE“

Nachdrucke 1888

In diesem Jahr wurden die Nrn. 2 und 4 nachgedruckt.

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  • Nahezu fehlender Wappenhintergrund
  • Häufig verstümmelte Ziffern fast ohne Fußstriche,
  • Querbalken im "A" häufig wieder etwas deutlicher
  • Kräftiger, verdickter Strich rechts vom rechten Turm


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  • Farbe: blau auf blassviolettem Papier
  • „C“ mit Fortsatz in Richtung auf die linke untere Wertziffer
  • Wellenlinien kaum noch sichtbar
  • Rechter Abstrich des „M“ in „POSTMARKE“ nicht abgetrennt
  • Adlerkopf teilweise hell

Bergedorfer Stempel auf Marken fremder Postverwaltungen

Literatur

  • Karl-Heinz Hornhues, Bergedorf Katalog, Klaus Hess Verlag, Göttingen, 2006
  • Karl Knauer, Bergedorfer Postgeschichte, 1961
  • Hugo Krötzsch, Handbuch der Postfreimarkenkunde, Altdeutsche Staaten, Erster Teil, Abschnitt IV, Bergedorf, 1896
  • Ewald Müller-Mark, Altdeutschland unter der Lupe, Band 3: Bergedorf, Braunschweig, Bremen
  • Jean-Baptiste Moens, Timbres des Duchés de Schleswig, Holstein & Lauenburg et de la Ville de Bergedorf, Bureau du Journal Le Timbre-Poste, Bruxelles 1884
  • Jean-Baptiste Moens, Le Timbre-Poste, 1894, Nr. 382 u. ff.
  • Heinrich Fraenkel, Deutsche Briefmarken-Zeitung, 1894
  • Otto Rommel, Die Postwerthzeichen des Bergedorfer Postbezirkes, Verlag Larisch, München 1892
  • Georges Brunel, Les Timbres des Villes Libres de l’Allemagne (Hambourg, Lubeck, Brême, Bergedorf), Charles Mendel, Paris 1912
  • Harald Rauhut, 132. Rauhut Auktion - Bergedorf-Sammlung Prof. Dr. Karl-Heinz Hornhues, 2011

Weblinks

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