Bergedorf - Postgeschichte

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Bergedorf und Umgebung Quelle: Hugo Krötzsch, Handbuch der Postfreimarkenkunde - Altdeutsche Staaten, 1896
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Bergedorf und Umgebung Quelle: Hugo Krötzsch, Handbuch der Postfreimarkenkunde - Altdeutsche Staaten, 1896
Wie jede andere Stadt wurde die Kleinstadt Bergedorf von einem Bürgermeister geleitet. Ihm zur Seite standen zwei Ratmänner und eine Stadtverordnetenversammlung. Aus philatelistischer Sicht gehörten zum Amt Bergedorf aber auch die Landgemeinden der Vierlande und Geesthacht. Postalisch verantwortlich für das Amt Bergedorf war der sogenannte Amtsverwalter, dem auch der Bürgermeister unterstand. Das Amt Bergedorf war wiederum gemeinsames Eigentum der Hansestädte Lübeck und Hamburg. Für Bergedorfer Angelegenheiten waren zwei in beiden Städten gebildete Ausschüsse zuständig, die Lübecker - bzw. Hamburger Visitation für das gemeinsame Amt und Städtchen Bergedorf. Beide Gremien behandelten sämtliche Regierungsangelegenheiten, die Bergedorf betrafen. Die Zuständigkeit wechselte hierbei im Zwei-Jahres-Rhythmus. Der Amtsverwalter war der Visitation unterstellt und musste nach dessen Weisung handeln. In besonderen Fällen durfte er sogar nur nach Anweisung des jeweils zuständigen Senats operieren.

Inhaltsverzeichnis

Die Auslandsposten in Bergedorf

Die Hannoversche Postspedition

Brief der Hannoverschen Postspedition
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Brief der Hannoverschen Postspedition

Ohne Wissen der Visitation und des Amts Bergedorf fuhr der Reihefahrer Hermann Krogmann um das Jahr 1750 wöchentlich zweimal Post über Ratzeburg, das zum Herzogtum Lauenburg und damit zur damaligen Zeit zum Kurfürstentum Hannover gehörte, nach Lübeck. Außerdem beförderte er einmal wöchentlich die Braunschweig.–Lüneburg. Communion-Post. Aufmerksam wurde das Amt auf ihn durch ein vor seinem Haus angebrachtes Postschild. Nach Verhandlungen wurde ihm die Annahme und das Spedieren von Briefen schließlich erlaubt – nicht nur von der Visitation, sondern vom Bürgermeister und Rat der Stadt Hamburg selbst. Das Schild musste allerdings entfernt werden.

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Das oben genannte Datum kann man damit als (offizielles) Eröffnungsdatum der „Königlich Großbritannischen und Churfürstlich-Braunschweigisch–Lüneburgischen“ und ab dem 20.04.1802 „Königlich Großbritannisch-Hannoverschen“ Postspedition in Bergedorf ansehen. Hannover war somit der erste fremde Landesposten, der in Bergedorf ansässig war. Ab 1789 war die Posthalterei im Besitz der Familie Minten, die Besitzer des Gasthofes „Stadt Lübeck“ in Bergedorf waren. In diesem war die hannoversche Spedition auch untergebracht. Als im November 1806 die Franzosen in Bergedorf einrückten, durfte die Hannoversche Postspedition zunächst weitergeführt werden. Das Schicksal einer sofortigen Auflösung - wie das der Thurn- und Taxisschen - blieb ihr erspart. Erst über drei Jahre später, am 1. März 1810 wurde die hannoversche Spedition in eine „Königlich Westphälische Postexpedition“ umgewandelt. Nach weiteren neun Monaten wurde aus ihr schließlich ein „Kaiserlich Französisches Postcomptoir“. Erst nach der endgültigen Befreiung Bergedorfs konnte die hannoversche Postspedition ihren Betrieb wieder aufnehmen. Vorgesetzte Dienststelle wurde nach der Besetzungszeit Lüneburg. Hamburg, das vor der französischen Zeit für die Postspedition Bergedorf zuständig war, wurde erst über ein halbes Jahr nach Bergedorf - Ende Mai 1814 - befreit. Franz Christoph Minten konnte wahrscheinlich schon im Dezember 1813 die postalische Verbindung mit Hannover über Winsen a. d. Luhe und Lüneburg aufnehmen. Minten war auch noch Amtsleiter, als in ganz Norddeutschland 1831 die Cholera ausbrach. Zu den Vorsichtsmaßnahmen gehörten Desinfektionsanstalten, die mit Räucherapparaten ausgestattet wurden. Der Verkehr zwischen Bergedorf und Hamburg sowie mit Hannover wurde aber nur kurze Zeit unterbrochen. Der wichtigste Grenzübergang zwischen Hannover und dem Amt Bergedorf war die Fähre Zollenspieker–Hoopte. Hoopte (heute Stadtteil von Winsen a. d. Luhe) war Desinfektionsanstalt und besaß als hannoverscher Grenzort entsprechende Räuchergerätschaft. Von Bergedorf abgehende Post wurde in Hoopte desinfiziert und erhielt einen „GERÄUCHERT“ – Stempel. Briefe mit diesem Stempel sind ganz große Seltenheiten. Nach 1840 verlor die Hannoversche Spedition in Bergedorf immer mehr an Bedeutung. Aufgehoben wurde sie schließlich am 31. März 1846. Nach der Franzosenzeit erhielt die Hannoversche Spedition einen Bergedorf-Stempel. Es war ein 41,5 mm langer Einzeiler „BERGEDORFF“ (Feuser Vorphila 237-1).

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Hinter dem Stempel wurde handschriftlich das Datum notiert. Hinzugefügt wurde außerdem eine sogenannte Sequenznummer, die die laufende Nummer der aufgelieferten und gestempelten Briefe angab. Auf Grund der Notation dieser Sequenznummer unterscheidet man zwei Perioden: In der ersten des Postmeisters Franz Christoph Minten (1815-1838) wurde die Sequenznummer hinter das Datum gesetzt, in der zweiten Periode des Amtsleiters Franz Ludwig Minten, der nach dem Tod seines Vaters die Stelle des Postmeisters am 9. Januar 1839 annahm, kam sie vor das Datum. Aus der ersten Periode sind etwa 65, aus der zweiten etwa 20 Belege bekannt. Die von Karl Knauer festgestellten Stempeldaten liegen zwischen dem 16. August 1815 und dem 22. Juni 1845. Sehr selten sind Briefe vor 1831.

Die Thurn- und Taxissche Postexpedition

Brief des Postverwalters Efferien der Thurn- und Taxisschen Postexpedition
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Brief des Postverwalters Efferien der Thurn- und Taxisschen Postexpedition

Ebenfalls ein Postschild spielte eine wichtige Rolle, wenn es um den Beginn der Thurn- und Taxisschen Postexpedition geht. Drei Jahre nach dessen Eröffnung in Bergedorf im Jahr 1785 brachte der Verwalter Nicolaus Efferien auf Anordnung des Taxisschen Oberpostamts in Hamburg im Dezember 1788 das kaiserliche Postschild über seiner Haustür an. Erst dadurch wurde man seitens der Visitation überhaupt aufmerksam. In anschließenden Verhandlungen zwischen Visitation und dem Oberpostamt in Hamburg wurde der Thurn und Taxisschen Post schließlich das Recht auf Annahme und Verteilung von Postsachen in Bergedorf zugestanden. Als am 4. Dezember 1806 in Hamburg auf Grund der französischen Besetzung das Taxissche Oberpostamt geschlossen und dort gleichzeitig das „Großherzoglich Bergische Oberpostamt“ eröffnet wurde, werden wohl auch in Bergedorf diese Maßnahmen durchgeführt worden sein, während im Gegensatz dazu die Hannoversche Spedition zum einen als hannoversche Fahrpost und zum anderen als „Herzogliche Braunschweigische Post“ noch weiter bestehen durfte. Auch der Amtsbote und die Reihefuhre führten bis weit in die kaiserlich französische Zeit hinein ihre Tätigkeit aus. Der Amtsbote Pott durfte noch bis 1811 seinen Dienst versehen. Sofort nach der endgültigen Befreiung Hamburgs am 31. Mai 1814 nahmen die Taxis-Expeditionen sowohl in Hamburg als auch in Bergedorf wieder ihre Dienste auf. Dabei führte die Postroute nach Süden weiterhin von Hamburg über Bergedorf und dem Zollenspieker–Hoopte Elbübergang Zollenspieker, Lüneburg, Uelzen nach Braunschweig und weiter ins Reichsgebiet. Überliefert ist, dass zwischen 1815 und 1820 insgesamt viermal wöchentlich die Post auf diesem Weg transportiert wurde. In Zollenspieker wurde wahrscheinlich um 1814 eine neue taxissche Poststelle errichtet. Der alte ursprüngliche Postweg von Lübeck über Nusse und Hamfelde mit Anschluss in Bergedorf an die eben erwähnte Route von Hamburg konnte erst ab 1. Juli 1819 wieder aufgenommen werden. Der nach der französischen Besetzung benutzte Weg von Lübeck über Ratzeburg nach Lüneburg wurde zu diesem Zeitpunkt wieder aufgehoben. Der taxissche Postverkehr zwischen Bergedorf und Hamburg wurde täglich, der nach Lübeck aber nur zweimal wöchentlich durchgeführt. Am 21. September 1819 schlossen Lübeck und Thurn und Taxis einen Postvertrag. Für Bergedorf war er insofern überaus wichtig, weil er u. a. die Portofreiheit für Offizialsachen, also dem Amts- und Visitationspostverkehrs, festlegte. Damit transportierte die Taxissche Post den größten Teil des Schriftverkehrs des Amts Bergedorf mit der Lübecker Visitation portofrei. In § 12 dieses Vertrages heißt es dazu:

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Von dieser taxisschen Portofreiheit in Offizialsachen zwischen Lübeck und Bergedorf wurde offensichtlich rege Gebrauch gemacht. Für den Dienstverkehr zwischen Bergedorf und Hamburg galt das nicht. Hierfür war in erster Linie der Amtsbote zuständig. Bemerkenswert war ein Punkt im Postvertrag, der regelte, dass Taxis in Lübeck Post nach und von Hamburg weder einsammeln noch verteilen durfte. Dies war Recht des Lübecker Stadtpostamts.

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In Bergedorf galt dies Verbot für den Briefverkehr mit Hamburg und Lübeck jedoch nicht. Die Einrichtung eines neuen Elbübergangs durch eine Dampffähre 1838 im damals hannoverschen Harburg (heute Stadtteil von Hamburg) hatte auch für die Thurn und Taxis Routen aus dem Süden des Reichs weitreichende Folgen. Der schnellste Weg aus dem Reichsgebiet nach Hamburg führte nicht mehr über den Übergang Zollenspieker und Bergedorf, sondern über die neue Elbfähre bei Harburg. Bergedorf lag von nun an abseits und nicht mehr auf der Route vom Reichsgebiet nach Hamburg. Eine Rolle spielte das Städtchen nur noch im Verkehr zwischen Hamburg und Lübeck. Die taxissche Reitpost von Lübeck nahm weiterhin den Weg über Hamfelde und Bergedorf nach Hamburg. Dort bestand Anschluss an die oben erwähnte neue Route über Harburg durch eine Schnellreitpost nach Frankfurt am Main. Für Lübeck bedeutete dies, dass die Zustellung von Postsachen von und nach Frankfurt und darüber hinaus über Harburg einen ganzen Tag schneller erfolgen konnte, als über die alte Route über den Elbübergang Zollenspieker. Bergedorf verlor als Taxissche Expedition immer mehr an Bedeutung. Am 1. Mai 1851 trat Thurn und Taxis dem Deutsch-Österreichischen Postverein bei. Im selben Jahr wurde die Postexpedition Bergedorf aufgegeben. Die Postverwaltung blieb bis zur Schließung im Besitz der Familie Efferien. Untergebracht war sie nach der französischen Besetzung in der Holsteinstraße. Erst 1952 wurde der erste Bergedorfer Thurn und Taxisstempel in Hamburg auf einer Auktion angeboten. Es ist ein zweizeiliger Langstempel T.T. BERGEDORF (Feuser Vorphila 237-2).

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Etwa 35 Belege sind bisher registriert, die weitaus meisten davon Hüllen. Der Stempel wurde schon vor 1826 benutzt und anzunehmen ist, dass er bis zum Ende der Taxisschen Zeit in Bergedorf verwendet wurde.

Die Französische Besatzungszeit

In der Zeit der Napoleonischen Kriege rückten französische Truppen am 6. November 1806 in Bergedorf ein. Die Stadt hatte während dieser Zeit erheblich unter den französischen Respressalien zu leiden. Vorher beschaulich, war sie wohl nicht mehr wiederzuerkennen. Da Zollenspieker noch der wichtigste Elbübergang im Hamburger Raum war, außerdem eine der wichtigsten Straßen von Hamburg nach Mecklenburg und Preußen über Bergedorf verlief, vermag man sich die Frequentierung des Durchgangsverkehrs in diesen wirren Kriegszeiten annähernd vorzustellen. Anzunehmen ist, dass am selben Tag wie in Hamburg, am 4. Dezember 1806, auch die taxissche Postexpedition in Bergedorf geschlossen wurde. An ihre Stelle trat die „Großherzoglich Bergische Postexpedition]“. Großherzog Joachim von Berg, ein Schwager Napoleons, wurde fast genau ein Jahr später, am 8. Dezember 1807, das ausschließliche Privilegium der reitenden Stadtposten zugesprochen. Übernommen wurde die Leitung der Bergischen Post vom ebenfalls oben schon erwähnten ehemals taxisschen Posthalter Nicolaus Efferien. Von den umwälzenden Veränderungen war in erster Linie nur die taxissche Post betroffen. Sowohl die lokale Institution des Amtsboten, als auch die hannoversche Fahrpost durften vorerst weiterhin ihre Dienste ausüben. Aber auch Großherzog von Berg übte diese Post nur kurz ihre Dienste aus. Obwohl noch eigenständig geführt, ging die Post am 4. August 1808 in den Besitz Napoleons selber über. Auch änderte sie in Hamburg, Lübeck und Bergedorf ihren Namen und hieß jetzt: „Kaiserlich Königl. Französisches Hauptpostamt“ bzw. „Kaiserlich Königl. Französisches Post-Comptoir“. 1810 tauchten die Namen aller drei Postämter in den Postamtslisten im Staatsarchiv Düsseldorf nicht mehr auf. Offensichtlich wurden sie zu diesem Zeitpunkt bereits bei der Einverleibung der norddeutschen Gebiete in die Kaiserliche Französischen Post eingegliedert. Mit Beginn des Jahres 1811 wurden Hamburg und die gesamte Umgebung dem französischen Kaiserreich zugeschlagen. Bergedorf wurde neunter Kanton im Arrondissement Hamburg des 128. Departements der Elbmündung. Geesthacht wurde vom beiderstädtischen Gebiet ausgegliedert und gehörte zur Mairie Escheburg im Kanton Lübeck. Die Zeit der westphälischen Postexpedition endete Mitte Februar dieses Jahres. Das „Kaiserlich Französische Post-Comptoir“ wurde von der im Abschnitt "Die Hannoversche Postspedition" genannten Familie Minten geleitet. Von der bergischen, westphälischen und der französischen Post existieren keine Bergedorfer Stempel. Lediglich ein Postschein des „Kaiserlich Französischen Post-Comptoirs“, unterschrieben von Minten, ist bekannt. Es ist ein ehemals hannoverscher Postschein mit einem handschriftlichen Zusatz „Fr.“ Aus dem Januar 1813 sind noch zwei weitere Postscheine bekannt, denen aber der handschriftliche Zusatz fehlt. Laut Knauer könnte das Fehlen auf Nachlässigkeit, aber vielleicht auf auf oppositionelle Haltung zurückzuführen sein. Trotz des Fehlens von Poststempeln aus dieser Zeit existieren Amtsbriefe mit Behördenstempeln. In den Vierlanden gab es mehrere Ovalstempel „le Maire d’Altengamm“, „le Maire de Neuengamm“ und „Le Maire d’ Kirchwaerder“ sowie den Rahmenstempel „LE MAIRE DE BERGEDORFF“.

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Quellen: Rauhut, 132. Auktion - Sammlung Hornhues, Karl Knauer, Bergedorfer Postgeschichte, 1961


Es muss bei solchen Briefen überprüft werden, welche Stempel als Portofreiheitsstempel gelten können und welche nur als Absenderstempel zu sehen sind. So gab es von Altengamme beispielsweise gar keine Postverbindung nach Bergedorf, von Kirchwerder aber durchaus. Bürgermeisterbriefe von Alten- und Neuengamme wurden nur durch Boten nach Bergedorf befördert. Gingen die Briefe aber über Bergedorf hinaus, gelten alle Stempel als Portofreiheitsstempel, da sie ab Bergedorf frei von der französischen Post spediert wurden.

Die Königlich-Preußische Postexpedition

Franz-Wilhelm Ludwig Paalzow, Quelle: Karl Knauer, Bergedorfer Postgeschichte, 1961
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Franz-Wilhelm Ludwig Paalzow, Quelle: Karl Knauer, Bergedorfer Postgeschichte, 1961

Preußen eröffnete am 1. Mai 1838 eine Postexpedition in Bergedorf. Sie befand sich in der Sachsenstraße Nr. 2 im Gasthaus „Stadt Berlin“. Preußischer Postmeister wurde Franz-Wilhelm Ludwig Paalzow. Grundlage für die Einrichtung einer Preußischen Post-Expedition war die am 28. Juli 1837 zwischen Preußen und den Hansestädten Hamburg und Lübeck abgeschlossene „Declaration über die Herstellung einer Chaussee auf der durch das freistädtische Gebiet gehenden Berlin-Hamburger Straße“. Die Preußische Post-Expedition war nicht nur Relaisstation für preußische Post, sie hatte auch das Recht, Briefe und andere Postsachen von und nach Preußen anzunehmen und zu verteilen. Einschneidende Veränderungen brachte der Eisenbahn-Staatsvertrag vom 8. November 1841. Durch den Bau der Eisenbahnstrecke Hamburg-Berlin, die durch Bergedorf führte, verlor die Post-Expedition für Preußen an Bedeutung und wurde defizitär. Erwähnt werden muss noch, dass bereits ein Jahr nach Vertragsabschluss die Strecke Hamburg-Bergedorf fertiggestellt war, die gesamte Strecke bis Berlin aber erst 1846 befahren werden konnte. Preußische Versuche, die Bergedorfer Amtsbotenpost zu übernehmen, scheiterten. Paalzow hatte sich dem Amtsverwalter gegenüber vertraulich geäußert, dass die Preußische Post gern bereit sei, die Bergedorfer Postsachen auch weiterhin zu vermitteln und die zwischen Hamburg und Bergedorf gleich mit zu besorgen. Mit dem Hinweis, dass die Städte das Postregal zukünftig selbst ausüben wollten, gab der Bergedorfer Amtsverwalter dem preußischen Postmeister aber eine glatte Absage, die wohl auch mit einen Grund darstellte, dass Preußen dem später errichteten beiderstädtischen Postamt jahrelang Schwierigkeiten bereitete. Schließlich wurde die Preußische Post-Expedition am 31. März 1847 geschlossen. Die preußische Post besaß in Bergedorf einen zweizeiligen Langstempel mit „FF“ mit Ort und Datum (Feuser Vorphila 237-3), der ab 1. April 1847 zum beiderstädtischen Postamt wechselte. Der Beweis der Verwendung dieses Stempels bei der preußischen Postexpedition ist nur über das Datum möglich.

Bergedorfer Posteinrichtungen

Der Bergedorfer Amtsbote

Brief der Bergedorfer Amtsbotenpost
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Brief der Bergedorfer Amtsbotenpost

Das Amt Bergedorf war gemeinsames Eigentum der Hansestädte Lübeck und Hamburg. Für Bergedorfer Angelegenheiten waren zwei in beiden Städten gebildete Ausschüsse zuständig, die Lübecker bzw. Hamburger Visitation für das gemeinsame Amt und Städtchen Bergedorf. Beide Gremien behandelten sämtliche Regierungsangelegenheiten, die Bergedorf betrafen. Im Konfliktfall entschied der zuständige Senat von Hamburg bzw. Lübeck. Die Zuständigkeit wechselte hierbei im Zwei-Jahres-Rhythmus. Neben den oben genannten verschiedenen Landesposten, die im 18. Jahrhundert in Bergedorf bestanden, die sich aber eher ihrem jeweiligen Landesherren verpflichtet sahen, als sich um die Belange der Bergedorfer Bevölkerung zu interessieren, existierte bereits 1678 ein von zwei Bürgern privat betriebener Fuhrverkehr von und nach Hamburg. Da dieser Betrieb, der sowohl Personen als auch Briefe und Pakete transportierte, sich als lohnend und ertragreich erwies, erhoben weitere Bürger Bergedorfs Anspruch auf einen Fahrpostbetrieb. 1690 bewilligte die Visitation einen vom Amt Bergedorf eingebrachten Antrag auf Einführung einer „Reige-Fuhr“ = „Reihefuhre“, die insgesamt 14 Personen das Recht zubilligten, Fahrten zwischen Bergedorf und Hamburg durchzuführen. 1708 entstand die Reige-Fuhr-Ordnung. Niemand außer den eingetragenen Fahrern durften Reisende oder Gepäck befördern. Der Name Reihefuhre zeigt eine festgelegte Reihenfolge der Fahrer an, die einzuhalten war. Der zu zahlende Fuhrlohn wurde nach Entfernung, Personen, Gewicht des Gepäcks und Anzahl der Pferde bestimmt. Außer an Sonn- und Feiertagen mussten diese Fahrten täglich durchgeführt werden. Genutzt wurde diese Reihefuhre nur von Einheimischen, denn die Fahrten waren reichlich unbequem und auch die Geschwindigkeit hielt sich in Grenzen. Durch Nachlässigkeit einzelner Reihefahrer nahm die Zahl der Nutzer im Laufe der vielen Jahre immer mehr ab. Letztendlich eingestellt wurde sie aber erst nach der Zeit der französischen Besetzung Bergedorfs. Letzter Reihefahrer war der bereits 1796 eingestellte Johann Höge. Mit ihm endete diese Einrichtung, die mehr als 130 Jahre lang existierte. Eine wichtige Neuerung trat aber schon im Jahr 1739 ein. In diesem Jahr wurde ein erster vereidigter Amtsbote eingestellt, der die Reihefahrten nicht nur begleitete sondern hierbei besondere Vorrechte genoss. Johann Hinrich Ham(m)ann wurde am 9. Oktober vom Bergedorfer Amtsverwalter mit diesem Amt betraut. Neben einer Kaution von 200 Reichsthalern musste er vor der Visitation einen Eid ablegen.

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Als Zeichen seiner Würde wurde der Amtsbote mit einem roten Rock mit zinnernen Knöpfen ausgestattet. Genauso wie die Reihefahrer hatte auch er ein festes Absteigequartier in Hamburg. Es befand sich im sogenannten „Bergedorfer Haus“ in der Steinstraße. Die Einführung dieses Amtsboten erwies sich wohl als voller Erfolg. Bereits ein Jahr später übertrug ihm die Gemeinde Geesthacht und die holsteinische Gemeinde Reinbeck ihren Amts- und Postverkehr nach Hamburg. Folgender Abschnitt in der Reihe-Fuhr-Ordnung vom 28. 8. 1797 gibt über die Entlohnung des Amtsboten Auskunft.

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Als Friedrich Ludwig Rohlf(f)s 1797 den Dienst des Amtsboten übernahm, kaufte er sich entgegen der Vorschrift, als Transportmittel die Reihefuhre zu benutzen, einen eigenen Wagen. Trotz heftiger Proteste des Fuhrmannes gestand ihm das Amt schließlich dieses Recht zu, allerdings unter der Auflage, keine Personen und weiterhin keine Pakete über 18 Pfund Gewicht mitnehmen zu dürfen. Bisher beschränkte sich der Aufgabenbereich des Amtsboten ausschließlich im Postverkehr zwischen Bergedorf und Hamburg, ansonsten noch in die nähere Umgebung. Rohlfs war der erste, der einen Antrag stellte, auch den Post- und Amtsverkehr zwischen Bergedorf und Lübeck zu betreiben. Kurz nach 1800 wurde ihm dieses Recht zugestanden. In der Zeit der französischen Besetzung und danach hörten die Fahrten nach Lübeck aber wieder auf. Im Laufe der Zeit nahm der Amtsbote an Wichtigkeit immer mehr zu, die Bedeutung der Reihefuhre dagegen immer mehr ab. Vor allem die bereits oben angesprochene Langsamkeit der Reihefuhre im Vergleich mit den Bergedorf passierenden fremden Posten und auch im Vergleich zum Amtsboten, der zumindest zeitweise seinen eigenen Wagen benutzen durfte, war dafür verantwortlich. Während der Zeit der französischen Besetzung ab November 1806 wurden alle Posten durch solche der Bergischen, bzw. Kaiserl. Französischen Post ersetzt. Dennoch durfte der vorletzte Amtsbote, Christoph Friedrich Pott noch bis 1811 seinen Dienst versehen. Wann genau er entlassen wurde, ist bisher unbekannt. Während der kurzen Zeit der russischen Besetzung wurde er wieder eingesetzt, musste aber, als die Franzosen zum zweiten Mal in Bergedorf einrückten, seine Tätigkeit abermals einstellen. Erst nach der endgültigen Befreiung Hamburgs, im Mai 1814, konnte er wieder ungehindert seinen Dienst aufnehmen. Letzter Amtsbote war Johann Christopher Lange. Er leistete am 14. September 1825 den Eid auf die Instruktion. Weil die Reihefuhre bereits nicht mehr existierte, durfte Lange auch schwere Frachten und Personen befördern, allerdings mit der Einschränkung, falls wieder ein regelmäßiger Fuhrdienst eingerichtet werden würde, er sich den vorherigen Beschränkungen zu unterwerfen habe. In den ersten Jahren musste Lange unfreiwillig gegen die Witwe Potts und deren Stieftochter kämpfen. Trotz strengen Verbots und vielfachen polizeilichen Maßnahmen hatten beide Frauen ebenfalls in der Hamburger Steinstraße ein alternatives Postabgabehaus, das „Neue Bergedorfer Haus“ eingerichtet, und betrieben von dort aus ihren eigenen Postverkehr nach Bergedorf. Zwischen beiden Parteien trat erst Frieden ein, als Lange die 29-jährige Juliane Pott heiratete! 1840 erhielt der Bergedorfer Fuhrunternehmer Kock die Erlaubnis, wieder einen regelmäßigen Fuhrverkehr zwischen Bergedorf und Hamburg einzurichten. Für Lange kam es somit zu den oben erwähnten Einschränkungen im Transport. Eine neue Änderung trat 1842 ein, als die Hamburg-Bergedorfer Eisenbahnlinie in Betrieb genommen werden konnte. Vorteile für Amtsboten und Kundschaft bestanden in der Möglichkeit der häufigeren Posttransporte nach und von Hamburg. Insgesamt dreimal täglich konnte Post befördert werden. Die Amtsbotenpost endete mit der Einführung des “Beiderstädtischen Postamts“ am 31. März 1847. In dem langen Zeitraum zwischen 1739 und 1847 versahen insgesamt sieben Amtsboten ihren Dienst.


  • 1739 - 1741 Johann Hinrich Ham(m)ann
  • 1741 - 1754 Hein Lantzen
  • 1754 - 1763 Jacob Juchter
  • 1764 - 1797 Johann Mathias Philipsen
  • 1797 - 1807 Friedrich Ludwig Rohlf(f)s
  • 1808 - 1824 Christoph Friedrich Pott
  • 1825 - 1847 Johann Christopher Lange


Nach dem Tod eines Amtsboten hatte dessen Witwe Anrecht, den Dienst noch ein halbes Jahr weiterzuführen, bei Rohlfs und Pott sogar ein ganzes Jahr. Philatelistisch interessant und sehr selten sind die Posteinlieferungsscheine des „Wirth im Bergedorfer Haus“, der Hamburger Niederlassung. Laut Knauer sind aus dem Bergedorfer Postbüro in der Großen Straße Nr. 262 keine Belegstücke bekannt. Ab April 1840 benutzte die Amtsbotenpost zwei verschiedene Typen des Kleinovalstempels "BAP" – Bergedorfer Amts-Post. Type 1 ohne Punkte – „B A P“, Type 2 mit Punkten – „B.A.P.“ (Feuser Vorphila 237-4)

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Anzumerken ist noch, dass nicht vier verschiedene Typen, wie Knauer noch in seiner "Bergedorfer Postgeschichte" schrieb, sondern nur die beiden genannten existieren. Die von Knauer noch gelisteten Typen 2a und 3 waren bisher auf allen vorgefundenen Belegen falsch.

Die Bergedorfer Landpost Reppenhagens

Brief der Reppenhagenschen Landpost
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Brief der Reppenhagenschen Landpost

Die postalischen Verhältnisse außerhalb Bergedorfs selbst in den Vierlanden waren in der Zeit vor 1846 nur als katastrophal zu bezeichnen. Da dem Amtsboten die Versorgung auf dem Lande nicht rentabel erschien, mussten die Bewohner ihre Post von Bergedorf kommenden Brotträgern und Bierfahrern, sowie nach Hamburg fahrenden Schiffern anvertrauen. Anträge der Landvögte Meyer aus Geesthacht und Lüdert aus Kirchwerder beim Amt, diesen Zustand grundlegend zu verbessern, wurden auf Eis gelegt, da bereits die Einrichtung eines beiderstädtischen Postamts geplant sei, und die Situation der Landbevölkerung mit dieser Neugründung berücksichtigt und verbessert werden solle. Solange wollte der Bergedorfer Stadtschreibergehilfe Johann Heinrich Hermann Reppenhagen aber nicht warten. Kurzer Hand setzte er sich mit den Landvögten der Vierlande und Geesthacht in Verbindung, wohl auch um sich selbst durch die Einrichtung einer Landpost persönliche finanzielle Vorteile zu verschaffen. Der Plan zur Einrichtung einer Landpost wurde bei der Visitation am 2. Juli 1846 eingereicht. Man bat dabei auch um die Amtsbriefbeförderung und hoffte auf diese Weise, das Projekt finanziell abzusichern. Das Amt genehmigte beide Anträge zunächst für ein Jahr – die Konzession wurde bis 1850 auch weiterhin nur für jeweils ein Jahr erteilt - und am 1. Oktober 1846 wurde die „Bergedorfer Landpost“ gegründet. Reppenhagen wurde Geschäftsführer, die Vögte selber übernahmen die Posten der Landpoststellenleiter und stellten kostenlos ihre Geschäftsräume zur Verfügung. Außerdem wurden sie zur Hälfte am Gewinn beteiligt und genossen Portofreiheit innerhalb des Landgebietes. In jedem Postgebiet wurde ein Postbote eingestellt. Durch die Übertragung der Verteilung auch der Amtspost in den Vierlanden bekam die eigentlich als Privatpost zu bezeichnende Institution einen halbamtlichen Charakter. Ansonsten umfasste die Konzession die Postbeförderung innerhalb des Landgebiets - Geesthacht eingeschlossen - und zwischen diesem und Bergedorf. In Bergedorf eintreffende und für das Landgebiet bestimmte Post, wurde an das „Reppenhagensche Bergedorfer Landpostamt“ zur Distribution geleitet. Auch einige lauenburgisch-dänische Nachbarorte wurden versorgt, wovon wenige bekannte Briefe zeugen. Da diese Versorgung nicht mit Dänemark geregelt und somit als teilweise illegal angesehen wurde, war sie immer wieder Quelle von Ärger. Wie oben erwähnt wurde die Konzession nur jeweils für ein Jahr erteilt. Reppenhagen fügte seinen Anträgen zur Verlängerung Aufstellungen über Einnahmen und Ausgaben bei. Ersichtlich daraus wird, dass nur Geesthacht und Kirchwerder einen geringen Überschuss erwirtschafteten, der Privatpostverkehr ansonsten aber nur Defizite erbrachte. Nur durch die Beförderung der Amtspost sei das Ergebnis angeblich lohnend. Reppenhagen schönte die Statistik außerdem, indem er die Einnahmen in den lauenburgischen Orten verschwieg. Am 30. September 1853 endete die Selbstständigkeit des Bergedorfer Landpostamts. Zum nächsten Tag wurde es Teil des bereits seit 1847 bestehenden beiderstädtischen Postamts. In letzterer Zeit diente er zur Kennzeichnung der aus dem Landgebiet kommenden und in das Gebiet laufenden Post zusätzlich zum Textbogenstempel des beiderstädtischen Postamts.

Die „Reppenhagensche Landpost“ führte einen länglichen achteckigen Rahmenstempel „B.L.P.A“, der von zwei Linien eingefasst wurde (Feuser Vorphila 237-5). Er wurde immer vorderseitig angebracht.

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Das Lübeck-Hamburgische (Beiderstädtische) Postamt

Nach der Aufhebung der Hannoverschen Postspedition am 31. März 1846, der nachlassenden Bedeutung und Rentabilität der Thurn und Taxisschen - und der Preußischen Postexpedition wurden die postalischen Verhältnisse in Bergedorf zunehmend schwieriger. Schon Jahre zuvor gab es seitens des Amtes Bergedorf und der Visitation bereits Gedanken für eine Errichtung einer beiderstädtischen Extrapost, die durch eine Briefpost erweitert werden sollte. Zwei weitere Punkte ließen diese Idee wieder stärker in den Vordergrund treten, zum einen die Fertigstellung der Hamburg-Berliner Eisenbahnlinie und zum anderen die Ankündigung des Preußischen General-Post-Amts, seine Postexpedition in Bergedorf Ende März 1847 zu schließen. Dem Amtsboten Johann Christopher Lange hatte man bereits im Dezember 1846 mitgeteilt, dass in nächster Zeit mit der Schließung seines Unternehmens zu rechnen sei. Bewerber um die Stelle des Postmeisters waren zum einen der oben genannte letzte Amtsbote Lange, der Geschäftsführer der Landpost Johann Heinrich Hermann Reppenhagen und ein Amtsdiener mit Namen Schmidt. Für den Amtsverwalter Dr. Johann Bernhard Wilhelm Lindenberg waren vor allem die folgenden Punkte von Bedeutung, wie er in seinem Bericht an die Visitation im Februar 1847 vortrug:

1. Die Postbeförderung solle eben so schnell und mindestens zur gleichen Taxe stattfinden wie bisher,
2. die Postgegenstände, die nicht in Richtung Hamburg transportiert werden, sollen direkt von Bergedorf und nicht erst über Hamburg spediert werden,
3. die Landpost zwischen den einzelnen Gemeinden solle gesichert werden.

Am 1. April 1847, morgens um 7 Uhr, wurde schließlich das Lübeck-Hamburgische Postamt eröffnet. Bis 1850 war es im Bahnhof der „Hamburg-Berliner Eisenbahn“ in Bergedorf untergebracht. Durch seinen vieljährigen Postdienst bei der preußischen Postexpedition in Bergedorf, insbesondere auch durch seine vorherige Beteiligung als preußischer Kommissar an den Verhandlungen des General-Post-Amts in Berlin mit dem Hamburger und Lübecker Senat, wurde Franz-Wilhelm Ludwig Paalzow als Postmeister bestellt. Bei Strafandrohung wurde angeordnet, dass alle Post nur noch mit der beiderstädtischen Post zu befördern sei. Nur die Thurn und Taxissche Postexpedition besaß bis 1851 weiter ihre Befugnisse. Die Reppenhagensche Landpost bestand zunächst weiter. Für sie war nur ab jetzt nicht mehr der Amtsbote, sondern das beiderstädtische Postamt zentraler, vorgesetzter Kooperationspartner. Erst am 01.10.1853 wurde die Reppenhagensche Landpost vom beiderstädtischen Postamt übernommen. Geesthacht erhielt als Landpost-Bureau einen Zweikreisstempel und wurde 1856 Postexpedition. Seit 1. Januar 1856 wurde Bergedorf Mitglied im Deutsch-Österreichischen Postverein – als letztes Mitglied. Mit Vertrag vom 15. September 1857 wurde zwischen Hamburg und dem Amt Bergedorf vereinbart, dass die Hamburger Landschaften Ochsenwerder, Tatenberg, Spadenland und Moorwerder, Allermöhe, Reitbrook, Moorfleth und Billwerder an der Bille postalisch dem Amt Bergedorf zugeordnet werden. Das Wirtshaus „Bergedorfer Haus“ in Hamburg entfiel als „Auslandspostamt“. Am Berliner Bahnhof in Hamburg wurde ein Briefkasten der beiderstädtischen Post für die Post nach Bergedorf angebracht, in den unfrankierte Post nach Bergedorf eingeworfen werden konnte. Nach der Einführung Hamburger Freimarken 1859 konnte Korrespondenz nach Bergedorf mit diesen Marken frankiert und in den Briefkasten geworfen werden. Diese Briefe kamen also mit nicht entwerteten Marken in Bergedorf an. Um Missbrauch zu verhindern, wurden sie in Bergedorf mit dem Textbogenstempel, ab 1861 mit dem Fünfstrichstempel entwertet.

Die Stempel des Lübeck-Hamburgischen Postamts

Den ersten Stempel des beiderstädtischen Postamts übernahm Paalzow aus dem Bestand der preußischen Postexpedition. Es handelt sich um den zweizeiligen Langstempel mit „FF“ mit Ort und Datum (Feuser Vorphila 237-3). Belegt ist diese Übernahme durch ein Inventarverzeichnis, das Paalzow am 1.10.1847 aufstellte und dem Bergedorfer Amt einsandte. Demnach ist als sicher anzunehmen, dass dieser Zweizeiler vom ersten Tag des Lübeck-Hamburgischen Postamts in Gebrauch war. Knauer nennt folgende Verwendungsdaten: schwarz: 1847 bis 20.02.1852, rot: 30.03.1852 bis 27.10.1853.Selten wurde er danach noch weiterverwendet, auch im Innendienst.

Brief mit dem roten L2 vom 26.3.1852
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Brief mit dem roten L2 vom 26.3.1852

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Quelle: http://www.stampsx.com/ratgeber/stempel-datenbank.php?stempelsuche_ort=Bergedorf

Der zweite Stempel des Postamts war ein dreizeiliger Langstempel mit „F“ (Feuser Vorphila 237-6), der von Eschkötter in Hamburg hergestellt wurde. Der Stempel stand wohl noch nicht vom Eröffnungstag an zur Verfügung, sondern konnte erst ein paar Tage später in Gebrauch genommen werden. In der ersten Hälfte der Gebrauchszeit war auf diesem Stempel nicht nur Ortsname und Datum, sondern auch die Uhrzeit und Tageszeit (Morgs., V Mittgs und N Mittgs) zu finden.

Brief des Bergedorfer Amtsverwalters Dr. Lindenbergvom 30.12.1849
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Brief des Bergedorfer Amtsverwalters
Dr. Lindenberg
vom 30.12.1849

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Ab Februar 1849 entfiel die Uhrzeit, in der dritten Zeile blieb also nur die Tageszeitangabe.

Brief Paalzows mit dem roten Textbogenstempel BERGEDORFF vom 20.2.1854
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Brief Paalzows mit dem
roten Textbogenstempel BERGEDORFF vom 20.2.1854

Mit Einführung des Textbogenstempel „BERGEDORFF.“ (Feuser Vorphila 237-7) wurde der Dreizeiler aus dem Verkehr gezogen, während der ehemals preußische Zweizeiler in roter Farbe weiterbenutzt wurde. Die Gebrauchszeit des Halbkreisstempels beginnt Mitte Februar 1852 mit Abschlägen in blauer bzw. grünlich-grauschwarzer Farbe. Die Zustellzeiten wurden durch die Bezeichnungen „I T“ bis „IV T“ (Tour = Bestellgang) angegeben. Die Tour bezeichnete den jeweiligen Bestellgang in der Stadt, die mit den Zugabgangs- und –ankunftszeiten korrespondierten. Ab 1861 tauchen auch Belege mit „V T“ auf, obwohl ein fünfter Bestellgang nicht eingerichtet wurde. Mit „V T“ wurden die mit Nachtzug beförderten Postsachen gestempelt.

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Quelle: http://www.stampsx.com/ratgeber/stempel-datenbank.php?stempelsuche_ort=Bergedorf

Für die rote Epoche des Bogenstempels mit „FF“ nennt Knauer als Frühdatum den 16.07.1853, als Spätdatum den 13.06.1854.

Brief Paalzows mit dem Textbogenstempel BERGEDORF vom 21.8.1865
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Brief Paalzows mit dem Textbogenstempel BERGEDORF vom 21.8.1865

Zwischen dem 14.06. und dem 01.07.1854 wurde die Schreibweise dieses Stempels berichtigt, was bedeutet, dass das zweite „F“ einschließlich Punkt entfiel (Textbogenstempel BERGEDORF Feuser Vorphila 237-8). Nach dieser Korrektur wurde er bis zum 30.06.1855 in schwarzer Farbe verwendet. Ab 26.07.1855 bis 01.10.55 tritt für eine kurze Zeit eine blaue Stempelfarbe in Verwendung, bereits am 22.11.1855 bis zum Ende des beiderstädtischen Postamts wurde wieder schwarz gestempelt.

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Der zweizeilige Ovalstempel "Aus Vierlanden" wurde 1866 eingeführt und kennzeichnete Briefe aus den Vierlanden, im Gegensatz zu jenen aus dem Hamburger Marschgebiet.

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Der Zweikreisstempel "GEESTHACHT" wurde dem Landpost-Bureau Geesthacht übergeben. Die Abschläge sind durchgehend ölig und unsauber und in vielen Farbnuancen von grün über grau, schwarz und braun bis rot.
Als Frühdatum nennt Knauer den 29.10.1853 (grünlich-grau).

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Quelle: http://www.stampsx.com/ratgeber/stempel-datenbank.php?stempelsuche_ort=Geesthacht


Die Abschläge des Einkreisstempels "KIRCHWERDER" zeigen eine intensive leuchtend blaue Farbe.
Der Stempel wurde verwendet vom Eröffnungsdatum der Postexpedition Kirchwerder am 16. September 1866 bis zur Schließung am 31. Dezember 1867.

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Die Freimarken Bergedorfs wurden in der Regel mit dem Fünfstrichstempel entwertet. Obwohl lt. Knauer zwei Stempel angeschafft wurden, kam nur einer zur Verwendung.
Laut vorliegenden Rechnungen des o.g. Stempelschneiders Eschkötter wurden 1861 der eine und 1866 der andere angefertigt.

Literatur

  • Karl-Heinz Hornhues, Bergedorf Katalog, Klaus Hess Verlag, Göttingen, 2006
  • Karl Knauer, Bergedorfer Postgeschichte, 1961
  • Hugo Krötzsch, Handbuch der Postfreimarkenkunde, Altdeutsche Staaten, Erster Teil, Abschnitt IV, Bergedorf, 1896
  • Ewald Müller-Mark, Altdeutschland unter der Lupe, Band 3: Bergedorf, Braunschweig, Bremen
  • Jean-Baptiste Moens, Timbres des Duchés de Schleswig, Holstein & Lauenburg et de la Ville de Bergedorf, Bureau du Journal Le Timbre-Poste, Bruxelles 1884
  • Jean-Baptiste Moens, Le Timbre-Poste, 1894, Nr. 382 u. ff.
  • Heinrich Fraenkel, Deutsche Briefmarken-Zeitung, 1894
  • Otto Rommel, Die Postwerthzeichen des Bergedorfer Postbezirkes, Verlag Larisch, München 1892
  • Georges Brunel, Les Timbres des Villes Libres de l’Allemagne (Hambourg, Lubeck, Brême, Bergedorf), Charles Mendel, Paris 1912
  • Harald Rauhut, 132. Rauhut Auktion - Bergedorf-Sammlung Prof. Dr. Karl-Heinz Hornhues, 2011

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