Briefmarke

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Eine Briefmarke ist meist ein rechteckiges, oftmals gezähntes Postwertzeichen, das auf Papier gedruckt wird und zur Bezahlung der Beförderung von Postsendungen (oder anderen Leistungen der Post) dient. Dazu wird die Briefmarke vom Absender auf den Brief geklebt und von der befördernden Post mittels eines Poststempels entwertet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorläufer

Bevor die erste offizielle Briefmarke der Welt 1840 ausgegeben wurde, gab es zahlreiche Vorläufer. So schuf der Pächter der Pariser Stadtpost, Jean-Jacques Renouard de Villayer, bereits 1653 das Billet de port payé, einen briefmarkenähnlichen Gebührenstreifen aus Papier. Dieser Streifen musste in Ermangelung einer Klebefläche mit Klammer oder Faden am Brief befestigt werden. Erhalten gebliebene Exemplare dieser Billets sind gegenwärtig nicht bekannt.

Auch in Großbritannien gab es vergleichbare Vorläufer. Das ab 1680 von der London Penny Post der Kaufleute William Dockwra und Robert Murray entwickelte System eines Einheitspreises für Lokalpost mit Freimachung durch Marken war so erfolgreich, dass der Duke of York sein Postmonopol in Gefahr sah. Auf seine Beschwerde hin musste die London Penny Post nach nur zwei Jahren ihr Geschäft aufgeben; sie wurde in die General Post Office eingegliedert. Einige der dreieckigen Briefmarken (englisch triangular postmarks) der London Penny Post sind in Archiven erhalten, vier Exemplare sollen sich in privatem Besitz befinden.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in manchen Städten so genannte Stadtkuverts, die als Vorläufer gedruckter Briefmarken auf Umschlägen angesehen werden können. Auf Sardinien gab es beispielsweise 1818 ein mit einem Stempel versehenes Postpapier (Carta postale bollata), britischen Zeitungen beigelegte Rückantwortkarten waren um 1821 ebenfalls bereits frankiert. Als erste Ganzsachen gelten die 1838 im australischen Sydney ausgegebenen letter sheets.

Entstehung der ersten Briefmarken

Die Grundidee der Erfindung der Briefmarke war, das Briefporto nicht mehr vom Empfänger einziehen zu lassen, sondern vom Absender. Damit war das erste „Prepaid-System“ (Vorherzahlung und hinterher nutzen) geschaffen. Außerdem wurde damit eine Vereinfachung und Senkung des Briefportos verbunden, so dass ein Briefwechsel nicht mehr nur reichen Personen vorbehalten war.

Bereits 1836 machte der Slowene Laurenz Koschier aus Laibach der österreichischen Regierung den Vorschlag der Einführung von Briefmarken zur Vereinfachung des Postwesens. Der schottische Buchhändler James Chalmers reichte 1838 einen ähnlichen Vorschlag ein. Diesen Vorschlag hat Sir Rowland Hill, der von der britischen Regierung 1835 mit der Reformierung des Postwesens betraut wurde, wahrscheinlich aufgegriffen und in seine Postreform miteinbezogen. Er gilt damit als Urheber der Briefmarke.

Die erste aufklebbare Briefmarke wurde ab dem 1. Mai 1840 nach den Vorschlägen von Rowland Hill im Vereinigten Königreich herausgegeben und ab dem 6. Mai 1840 frankaturgültig (die erste Verwendung fand ein Exemplar allerdings schon am 2. Mai). Den Wert zu einem Penny bezeichnet man in Sammlerkreisen als One Penny Black. Sie gilt als erste Briefmarke der Welt.

Rowland Hill war auch für das Motiv der ersten beiden Briefmarken verantwortlich. Für die Gestaltung wurden mehrere tausend Entwürfe eingereicht, die ausnahmslos von ihm abgelehnt wurden. Die Zeichnung schaute sich Rowland Hill deshalb von einer Gedenkmünze aus dem Jahr 1837 ab, die ihm besonders gefiel. Der Wert zu einem Penny trägt das Porträt der Königin Victoria auf schwarzem Grund, der Wert zu zwei Pence auf blauem Grund. Der Stecher der ersten Briefmarken war Henry Corbald. Mit dem Druck wurde die Druckerei Perkins, Bacon Petch betraut.

Die Verbreitung der Briefmarke

Schwarzer Einser
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Schwarzer Einser

Bereits kurz nach der Ausgabe der ersten beiden Briefmarken der Welt folgten andere Länder nach. 1841 und 1842 erschienen in den USA einige Lokalmarken. 1843 erschienen weitere Briefmarken in Brasilien (Ochsenaugen) und in den beiden Schweizer Kantonen Zürich (Zürich 4 und Zürich 6) und Genf (Doppelgenf). Die erste deutsche Briefmarke war der Schwarze Einser, der am 1. November 1849 vom Königreich Bayern herausgegeben wurde. 1850 folgten die deutschen Staaten Hannover, Preußen, Sachsen und Schleswig-Holstein und 1851 Baden. Die erste österreichische Briefmarke wurde am 1. Juni 1850 herausgegeben. Sie hatte auch für Liechtenstein Gültigkeit.

Es entstanden bald auch neue Briefmarkenarten wie beispielsweise in Österreich 1851 die ersten Zeitungsmarken der Welt. Als die erste Sondermarke der Welt wird meist eine im April 1871 anlässlich der Eröffnung der ersten Eisenbahnlinie in Peru verausgabte Briefmarke angesehen. Aber nicht alle Historiker unterstützen diese Ansicht (vgl.: [1]). Dennoch kann man sagen, dass immer mehr die Werbewirksamkeit von Briefmarken erkannt wurde.

Siehe auch: Liste der Briefmarkenerstausgaben

Rechtliche Funktion

Früher

Die Briefmarke hieß früher offiziell Postwertzeichen. Dieses Wort entstammt dem „hoheitlichen“ Wortschatz und lässt den geschichtlichen Hintergrund der Briefmarke in rechtlicher Sicht gut erkennen. Da sich alle Postverwaltungen in staatlicher Hand befanden bzw. auf einem staatlich verliehenen Monopol (teilweise mit anderen Namen, z.B. bei Thurn und Taxis) beruhten, war man im öffentlichen Recht tätig. So regelte bei der Deutschen Bundespost bis zur Privatisierung die Postordnung als Rechtsverordnung das Verhältnis zwischen der Post und dem Postbenutzer („Postbenutzungsverhältnis“). Aus diesem Umstand resultiert auch die - noch - bestehende Besonderheit, dass die mittlerweile für die Beförderung verlangten privatrechtlichen Entgelte von der Umsatzsteuer (besser bekannt als Mehrwertsteuer) befreit sind.

Das Entgelt für die Briefbeförderung war deshalb eine öffentlich-rechtliche Gebühr. Der Erwerb der Briefmarke am Schalter war ein Verwaltungsakt. Mit der Benutzung der Briefmarke wies man durch Aufkleben nach, dass die vorgeschriebene Verwaltungsgebühr für die staatliche Beförderung bezahlt worden war. Als hoheitliche Gebührenmarken fielen die Briefmarken nicht unter das privatrechtliche Wertzeichenrecht gem. § 807 BGB.

Strafrechtlich wurde die Briefmarke von 1871 an im Reichs-Straf-Gesetzbuch als Urkunde verstanden und ihre Fälschung als Urkundenfälschung bestraft (§ 275 RStGB). In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Briefmarke durch die Große Strafrechtsreform 1975 anders als geldähnliches „amtliches Wertzeichen“ eingestuft. Ihre Fälschung wurde deshalb neu unter „Geld- und Wertzeichenfälschung“ geregelt (§§ 148, 149 StGB).

Heute

1994 wurde die staatliche Deutsche Bundespost privatisiert, d.h. sie wurde als Staatsinstitution aufgelöst und als „Deutsche Post Aktiengesellschaft“ neu aufgestellt. Als privatwirtschaftliches Unternehmen ist es nicht mehr im öffentlichen Recht tätig. Es erbringt privatrechtliche „Dienstleistungen“ gegen "Leistungsentgelt“. Die früheren Post-„Benutzer“ sind nun gesetzlich Post-„Kunden“. Sie schließen mit der Deutschen Post AG seitdem bürgerlich-rechtliche, z. B. Kauf-, Werk- und andere Verträge ab. Auch der Erwerb einer Briefmarke ist nun ein ganz normaler privatrechtlicher Kaufvertrag.

Der neuen Deutschen Post AG wurde aber das Recht zur Ausgabe eigener Briefmarken nicht mehr gegeben. Stattdessen wurde sie gesetzlich verpflichtet, die von ihr benötigten Briefmarken vom Staat, d.h. vom Bund, zu beziehen. Die heutigen Briefmarken werden vom staatlichen Bundesfinanzministerium der Bundesrepublik hergestellt und an die Deutsche Post AG geliefert.

Der Rechtscharakter der deutschen Briefmarken ist seitdem unklar. Sicher ist, dass der Bundesfinanzminister die von ihm hergestellten Marken noch für hoheitliche Postwertzeichen und Gebührenmarken hält. Sicher ist auch, dass der einzelne Postkunde mit der Deutschen Post AG nur privatrechtliche Beziehungen hat, für die Briefbeförderung keine „Gebühren“ mehr zahlt und die Briefmarke für ihn deshalb keine „hoheitliche Gebührenmarke“ und „Postwertzeichen“ mehr ist.

In der deutschen Rechtswissenschaft wird daher angenommen, dass die vom Bundesfinanzministerium hergestellten Briefmarken mit ihrer Abgabe an die privatrechtliche Deutsche Post AG einen etwaigen geldähnlichen hoheitlichen Rechtscharakter verlieren. Sie sind deshalb heute zivilrechtliche Zeichen und Marken wie z.B. Kino-Eintrittskarten, Biermarken u.a. gem. § 807 BGB. Ihre Fälschung fällt danach nicht mehr unter die „Geld- und Wertzeichenfälschung“ gem. §§ 146 ff. StGB, sondern ist einfache Urkundenfälschung gem. § 267 StGB.

Sie sind damit rechtlich gleichgestellt mit den Privatmarken der anderen Postunternehmen. Weitere Privatmarken werden mit dem Ende des sog. „Briefmonopols“ der deutschen Post AG am 1. Januar 2008 voraussichtlich vermehrt herausgegeben.

Briefmarken werden Sammelobjekte

Deckblatt des ersten Scott-Kataloges von 1868
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Deckblatt des ersten Scott-Kataloges von 1868

Hauptartikel: Philatelie

Durch die rasend schnelle Ausbreitung der Briefmarke breitete sich auch die Philatelie immer mehr aus. Der Begriff Philatelist wurde im Jahre 1864 von dem französischen Sammler Georges Herpin geprägt. Er bedeutet übersetzt aus dem Griechischen „Freund dessen, was steuerfrei von Staatslasten ist“. Obwohl dieses Wort die Sammelleidenschaft der Philatelisten nur denkbar schlecht beschreibt, setzte es sich in fast allen Sprachen durch.

Briefmarken sind heutzutage als Sammelobjekte weit verbreitet. Zunächst sammelte man nur aus Spaß die kleinen Postwertzeichen aus der Tagespost und verwendete sie beispielsweise zum Bekleben von Lampenschirmen, was die Sammelobjekte fast immer zerstörte. Erst langsam begannen sich einige Leute mit den Briefmarken genauer zu befassen. Für den damaligen Sammler war es selbstverständlich und auch möglich, so genannte Generalsammlungen anzulegen. Dies bedeutet, dass der Philatelist alle Briefmarken der Welt in seine Sammlung aufnahm. Dies wäre heutzutage bei der Masse der verschiedenen Briefmarkenausgaben undenkbar.

Mit der Zeit entstanden zahlreiche Hilfsmittel für den Philatelisten. Im Jahre 1860 erschienen die ersten Briefmarkenalben. Bereits ein Jahr später, 1861, entstanden die ersten Vorläufer der heutigen Briefmarkenkataloge. Im Jahr 1862 kam es zur Ausgabe der ersten philatelistischen Fachzeitschriften. Es handelt sich dabei um The Monthly Advertiser, der im Geburtsland der Briefmarke erstmals am 15. Dezember 1862 erschien. Die Briefmarkenzeitschriften förderten vor allem den Tausch von Briefmarken zwischen den Philatelisten. Außerdem berichteten sie über die Neuausgaben der ganzen Welt und informierten die Sammler über alles Wissenswerte der Philatelie.

Neben den neuen Hilfsmitteln für den Philatelisten entstanden auch immer mehr Briefmarkenvereine und Veranstaltungen speziell für den Philatelisten. Bereits aus dem Jahre 1856 sind Treffen von Philatelisten in den USA bekannt. Im Jahre 1866 kam es dort zur Gründung der Excelsior Stamp Association, des ersten Briefmarkenvereins der Welt.

Die steigende Zahl philatelistischer Vereine führte zu zahlreichen Zusammenschlüssen. In Deutschland ist dies heute der Bund Deutscher Philatelisten, in Österreich der Verband Österreichischer Philatelistenvereine.

Die ersten Postfälschungen

Hauptartikel: Postfälschung

Die rasche Ausbreitung der Briefmarke hatte nicht nur positive Begleiterscheinungen. Immer mehr Fälscher erkannten das lukrative Geschäft von Briefmarkenfälschungen, den so genannten Postfälschungen.

Bereits kurz nach der Einführung der ersten Briefmarke am 6. Mai 1840 in Großbritannien tauchten die ersten Ganzfälschungen von Briefmarken auf. Neben diesen Ganzfälschungen gab es jedoch auch zahlreiche Teilfälschungen von postgültigen Briefmarken. Dies bedeutet, dass nur Teile einer echten Briefmarke verändert wurden um deren Postwert zu erhöhen. Zu ihnen gehören beispielsweise die Farbänderung durch chemische Mittel sowie die Manipulation der Wertziffern, um Briefmarken mit höheren Nominalwerten zu imitieren.

Auch bereits gebrauchte Briefmarken wurden oft nochmals verwendet, indem aus zwei (oder mehreren) gebrauchten Stücken in mühevoller Handarbeit eine ungebrauchte Briefmarke zusammengebastelt wurde. Den Federzug oder den Poststempel versuchte man durch chemische Mittel zu entfernen. Außerdem konnte man Briefmarken, von denen nur ein kleiner Teil mit einem Poststempel versehen war, gemeinsam mit einer Originalmarke verwenden, die genau diesen Teil verdeckt.

Freimarke zu 50 Heller mit und ohne Lackstreifen
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Freimarke zu 50 Heller mit und ohne Lackstreifen

Schon früh trafen Postverwaltungen verschiedenste Schutzvorkehrungen, um ihre Briefmarken vor Fälschungen zu schützen. Die älteste Schutzmaßnahme gegen Postfälschungen ist das Wasserzeichen. Es kam bereits auf Anraten Rowland Hills bei den ersten Briefmarken der Welt zur Anwendung.

Manche Länder verwendeten ein Faserpapier für ihre Briefmarken. Bei dieser besonderen Papierart wurden dem Papierbrei (oft verschieden farbige) Seidenfadenflocken hinzugefügt, die später im Papier sichtbar wurden. Bei manchen Briefmarkenausgaben wurde in die noch nasse Papiermasse ein farbiger Seidenfaden eingebettet. Diese Schutzmaßnahmen findet man beispielsweise bei den Briefmarkenausgaben der deutschen Staaten Bayern und Württemberg sowie in der Schweiz. Farbiges Papier sollte ebenfalls das Fälschen erschweren. Ist das Papier nur vorderseitig gefärbt, spricht man von gefärbtem Papier. Diese Schutzmaßnahme findet man zum Beispiel bei den ersten Briefmarken Bayerns.

In Österreich versah man das Briefmarkenpapier mit glänzenden Lackstreifen. Dies sollte das Entfernen von Poststempeln, um die Briefmarken erneut verwenden zu können, stark erschweren. Die Lackstreifen lösten sich teilweise mit dem Markenbild im Wasser (oder anderen Flüssigkeiten) auf.

Auflagenstarke 10 Heller-Marke
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Auflagenstarke 10 Heller-Marke

Höhepunkt der Briefmarke

Zur Zeit der Jahrhundertwende um 1900, kurz vor dem Ersten Weltkrieg, erreichte die Verbreitung der Briefmarke ihren Höhepunkt. Der Brief war dank des stetigen Ausbaus der Eisenbahn zum wichtigsten Kommunikationsmittel geworden. Die Auflagenzahlen schossen in die Höhe. Die wichtigsten österreichischen Briefmarkenwerte zu fünf und zehn Heller aus dem Jahre 1908 hatten beispielsweise eine Auflagezahl von je über drei Milliarden (3.000.000.000) Stück. Diese Briefmarken konnten allerdings nur im österreichischen Teil des Kaiserreichs Österreich-Ungarn verwendet werden, da Ungarn seit dem Ausgleich 1867 eigene Briefmarken verausgabte.

Mit der Zeit entwickelte sich sogar eine eigene Briefmarkensprache. Durch die Stellung der Briefmarke(n) auf dem Brief, beispielsweise verkehrt herum aufgeklebt und nach rechts geneigt, konnte man dem Briefempfänger geheime Botschaften, wie „Auf ewig dein“, überbringen. Mit der Zeit verschwand diese Form der geheimen Kommunikation jedoch wieder.

Briefmarken als Propagandamittel

Hauptartikel: Spionage- und Propagandafälschungen

Während des Ersten Weltkrieges entdeckte man die Briefmarke als Propagandamittel. Man unterscheidet zwei verschiedene Arten der Briefmarkenfälschungen kriegführender Staaten, die zur Schädigung des Feindes hergestellt werden. Bei Spionagefälschungen handelt es sich um möglichst genaue Imitationen der gegnerischen Freimarken, die dazu verwendet werden, Propagandamaterial über Mittelsmänner durch die feindliche Post zustellen zu lassen. Sie werden deswegen auch Kriegspostfälschungen (siehe Postfälschung) genannt. Der Kauf einer großen Menge von Briefmarken durch Privatpersonen wäre, vor allem während eines Krieges, dem Feind sofort aufgefallen. Bei Propagandafälschungen handelt es sich um die Fälschung der gegnerischen Briefmarken, wobei der Bildinhalt zu Propagandazwecken verändert wird (z. B. Inschrift „Deutsches Reich“ → „Futsches Reich“).

Vor allem während des Zweiten Weltkrieges fand diese Art der Briefmarkenfälschung eine große Verbreitung. Während des Kalten Krieges wurden ebenfalls noch Propaganda- und Kriegspostfälschungen hergestellt.

Die Briefmarke als ideales Propagandamittel wurde jedoch nicht nur von den jeweiligen Feinden eines Landes erkannt. Vor allem diktatorische Staaten, wie das faschistische Deutsche Reich nutzten die Motive der Briefmarken als Platz für ihre eigene Propaganda, was durch eine Übertragung des geführten Personenkults um Adolf Hitler an hohen Auflagen entsprechender Marken deutlich wird. Vergleichbare Auslebungen sind auch in Nord-Korea um Kim Il-Sung, in der ehemaligen Sowjetunion um Joseph Stalin oder in Rumänien um Nicolae Ceauşescu vorgekommen. Allgemein ist hier aber zu differenzieren, da die Auflagen immer die jeweiligen Umstände ausleben, was bedeutet, dass im allgemeinen Personen mit Symbolfunktionen in den Auflagen vorkommen, wie z.B. die Königin Elisabeth II. von Großbritannien, der Gründervater George Washington der USA oder der Philosoph Karl Marx, der eine wichtige Rolle u.a. für das politische Selbstverständnis der DDR hatte, was sich jeweils in den aufgelegten Marken widerspiegelt. Die Sowjetunion räumte auch Motiven aus der Raumfahrt breiten Raum ein, da diese Briefmarken die technologische Überlegenheit und den damit verbundenen Führungsanspruch des Landes propagieren konnten. Im sogenannten Postkrieg waren Briefmarken mit als propagandistisch empfundenem Inhalt auch Beanstandungen durch andere Länder ausgesetzt.

Briefmarken heute

Seit zu Beginn des 20. Jahrhunderts Frankiermaschinen aufkamen, wurde den Briefmarken immer wieder ein rasches Ende vorausgesagt. Dennoch bleiben Briefmarken auch heute noch mindestens für Privatpersonen die bequemste Art, Postsendungen freizumachen. Jährlich werden denn auch weltweit mehrere Milliarden Marken verbraucht. Der Verbrauch hängt auch stark von den Zahlungsgewohnheiten der Leute ab: In Ländern wie der USA, in welchen es üblich ist, die monatlichen Rechnungen durch das Versenden von Schecks zu bezahlen, ist der Verbrauch ungleich höher als in Ländern, in denen die Bezahlung der Rechnungen durch Überweisung üblich ist.

Da der Verkauf von Briefmarken an Sammler für die Postverwaltungen ein gutes Geschäft ist, werden viele Sondermarken hauptsächlich für Sammler produziert und man bemüht sich um populäre Themen wie Fußball-WM oder Oldtimer. Einige Kleinststaaten gar produzieren Briefmarken praktisch nicht zur eigentlichen Verwendung, sondern um mit ihrem Verkauf an Sammler einen nicht unwesentlichen Beitrag zum Staatshaushalt zu erwirtschaften (z.B. der Vatikanstaat, Liechtenstein, San Marino oder einige sehr arme Staaten der 3. Welt).

Moderne Vermarktung

2-D-STAMPIT-Code
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2-D-STAMPIT-Code
Hologramm-Briefmarke
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Hologramm-Briefmarke

Seit 2002 ist es in Deutschland möglich, Postwertzeichen mit der Frankiersoftware STAMPIT aus dem Internet auszudrucken. Durch die Postreform mit der einhergehenden Aufweichung des Briefmonopols ist es neuerdings auch für private Unternehmen möglich, Briefmarken herauszugeben. Von dieser Möglichkeit macht beispielsweise die PIN AG in Berlin mit Motiven wie den Abrafaxen aus einem DDR-Comic seit 2004 Gebrauch.

Im Jahre 2003 führten die niederländische und die finnische Post (letztere zunächst nur für Firmenkunden) erstmals Briefmarken ein, die von den Kunden selbst gestaltet werden können. Dabei wird ein Foto, eine Grafik oder ein Logo in einen vorgegebenen Rahmen gedruckt. In Österreich kann man ebenfalls seit 2003 mit einer Mindestauflage von zunächst 200, seit 2005 von nur noch 100 Stück seine eigenen Briefmarken drucken lassen. Mittlerweile ist auch in den USA ein vergleichbares Programm verfügbar, hier beträgt die Mindestauflage sogar nur 20 Stück. Die Schweiz gab am 6. September weltweit erstmalig vier Briefmarken heraus, die Fotos zeigen, die mit Mobiltelefonen aufgenommen wurden. Diese Fotos konnten von der gesamten Bevölkerung eingereicht werden.

Österreich führte 1988 erstmals Briefmarken mit aufgedruckter Hologrammfolie ein. Diese Gestaltungsform ist aufgrund des technischen Herstellungsaufwandes eine Randerscheinung, die allerdings wie bei Blocks, für hohe Nominale und besondere Anlässe verwendet wird. Weltweit sind seit 1988 etwa 120 verschiedene Ausgaben erschienen. Diese stellen ein eigenes Sammelgebiet dar.

Charakteristische Merkmale und Gestaltung

Form

Die ursprüngliche Form der Briefmarke war rechteckig, wobei stehende Rechtecke häufiger als liegende waren. Rechteckige Briefmarken ergeben eine ideale Anordnung auf dem Bogen. Quadratische Briefmarken als Sonderform des Rechtecks sind eher selten zu finden. Von der ungarischen Post wurden häufig auf der Spitze stehende quadratische Briefmarken herausgegeben. Neben den klassischen Vierecken tauchen schon früh Briefmarken in Dreiecksform auf; die bekanntesten Vertreter dieser Gattung stammen vom Kap der Guten Hoffnung, die sogenannten "Kap-Dreiecke".

Von zahlreichen Ländern wurden in den letzten Jahrzehnten Briefmarken in verschiedensten Formen ausgegeben, wobei runde Marken – etwa bei Marken mit Fußballmotiven – vergleichsweise häufig vertreten sind. Sie sind jedoch schwieriger zu zähnen und aus dem Bogen zu trennen als Rechtecke oder Dreiecke und werden daher meist im Rahmen eines Briefmarkenblocks ausgegeben. Sierra Leone ist unter Sammlern bekannt für seine speziellen Briefmarkenformen, die unter anderem die Form von Wappen, Obst, Vögeln, Landkarten, Pergamentrollen oder Kokosnüssen haben. La Poste in Frankreich gab bereits mehrere Marken in Herzform heraus.

Beliebt sind auch Zusammenstellungen von Marken in Blockform.

Berühmte Briefmarken

Briefmarken erzielen bei Auktionen auf Grund ihrer Seltenheit und der hohen Beliebtheit bei den Sammlern oftmals hohe Preise. Die Frage nach der seltensten und wertvollsten Briefmarke ist nicht eindeutig klärbar, da mehrere Unikate von Briefmarken existieren. Zu den begehrtesten und berühmtesten Briefmarken unter Sammlern zählen:

Sachsen-Dreier
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Sachsen-Dreier

Siehe auch

Literatur

  • Martina Gorgas: Merian Kompass - Briefmarken in Europa. München, Travel House Media 2004, ISBN 3-7742-6767-7
  • Joachim Helbig: Vorphilatelie. Schwaneberger, München 2004, ISBN 3-87858-553-5
  • Waldemar Gruschke: Markenländer-Lexikon. Books on Demand, Norderstedt 2004, ISBN 3-8334-1044-2
  • Guido Schmitz: Es muß nicht gleich die "Blaue Mauritius" sein. Das "langweiligste Hobby der Welt" und wie das Briefmarkensammeln richtig spannend werden kann. Martin Schmitz, Kelkheim 2004, ISBN 3-922272-91-6
  • Gerhard Webersinke: Michel Sammler-ABC. Richtig sammeln leicht gemacht! Schwaneberger, München 2001, ISBN 3-87858-539-X
  • Michel-Katalog Deutschland 2005/2006. Schwaneberger, Unterschleißheim 2005, ISBN 3-87858-034-7
  • Hans Reichardt: Was ist was? Band 52 - Briefmarken. Neuer Tessloff-Verlag, Hamburg 2001, ISBN 3-7886-2920-7
  • Heinz Kühne: Wir sammeln Briefmarken. Mosaik, München 1976, ISBN 3-570-02285-4
  • Buschmann, Konrad: Da ging die Post ab - Die Geschichte der Motorisierung der Post. Bd 3. Michael Weyand, Trier 2002, ISBN 3-924631-98-0
  • Chris Gatz: Briefmarken - Perlen aus Papier. Phil* Creativ GmbH, Schwalmtal 1993, ISBN 3-928-277-08-1
  • S. Jakucewicz, F.-J. Könsler, M. Szwemin: Eine Briefmarke entsteht. Darstellung und Erläuterung aller Produktionstechniken, Phil* Creativ GmbH, Schwalmtal 1999, ISBN 3-928277-18-9
  • Gerold Schmidt, Ist die Fälschung von sog. "Postwertzeichen" (§ 148 StGB) seit der Postprivatisierung straffrei (Art. 103 Abs. 2 GG)?, in: Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft, Bd. 111, 1999, S. 388 - 421
  • Gerold Schmidt, Postwertzeichen, in: Handwörterbuch der deutschen Rechtsgeschichte (HRG) 3. Bd. 1982, Sp.1844 - 1846

Weblinks

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