Buchdruck

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Buchdruck im 16. Jahrhundert
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Buchdruck im 16. Jahrhundert

Beim klassischen Buchdruck handelt es sich um ein Hochdruckverfahren, das wahrscheinlich schon um 1040 in China bekannt war. Die ersten schriftlichen Zeugnisse über chinesische Buchdrucke stammen von 1324. In aktuellen Darstellungen der UNESCO wird das koreanische Jikji auf den Juli 1377 datiert. Es wäre damit „das älteste Buch der Welt“, welches mit Metall-Lettern gedruckt wurde. Die UNESCO nahm im Jahr 2001 dieses Werk in die Liste der Weltdokumente auf. Schon ab 1410 werden auch in Europa Bücher mit im Holzschnitt hergestellten Drucktafeln gedruckt. Die dem Johannes Gutenberg in der Mitte des 15. Jahrhunderts zugeschriebene Erfindung des Buchdruckes bezieht sich auf die Erfindung des Druckes mit beweglichen metallenen Lettern, die den Buchdruck vereinfachte und damit erschwinglich machte, nicht auf das Drucken von Büchern an sich. Nach neuen Erkenntnissen, ist Gutenberg wohl auch dabei nicht der Erste gewesen, jedoch konnte er im Gegensatz zu den Vorgängern ein funktionierendes Gesamtsystem bieten, welches auch ökonomische Vorteile bot.

Heute werden Bücher meistens im Offsetdruckverfahren gedruckt, selten im Tiefdruckverfahren. Letzteres wird meistens für Zeitschriften und Kataloge verwendet. Das neueste Verfahren (Stand 2007) ist der Digitaldruck. Während beim Offsetdruck noch Druckplatten (Druckvorlagen) produziert werden, verzichtet man bei Digitaldruckverfahren völlig auf die Herstellung von Druckvorlagen. Diese Techniken schaffen die Voraussetzungen für das „Book on Demand“.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte des Buchdrucks

Es gibt die europäische Tradition des Buchdrucks und eine asiatische Tradition und Geschichte, die Entwicklungen sind Analogien. Das bedeutet, diese Art des Druckens hat sich von einander unabhängig entwickelt. Dabei waren die asiatischen Entwicklungen zeitlich früher, die später aufgekommene Erfindung durch Gutenberg jedoch um so erfolgreicher.

Europa und Gutenberg

Siehe Ausbreitung des Buchdrucks für den Verlauf der globalen Ausbreitung von Gutenbergs Erfindung.

Im 15. Jahrhundert breitete sich die Erfindung des Buchdrucks sehr schnell aus. Dies war vor allem auf Grund der gut ausgebauten Handelswege möglich.

Während es 1470 noch 17 Druckorte gab, erhöhte sich ihre Zahl bis zum Jahr 1490 auf 204 Druckorte. Bis 1500 gab es 252 Druckorte, von denen 62 im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation lagen. In der Frühdruckerzeit wurden durchschnittliche Auflagen von 150 bis 250 Exemplaren erreicht. Etwa 77% aller Inkunabeln erschienen in lateinischer Sprache. (Zahlen aus Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels, S.27). Zunächst wurden vor allem Ablassbriefe, Kalender, Donaten und Bücher gedruckt. Im Laufe der Zeit entstanden Großbetriebe wie der von Anton Koberger in Nürnberg. Dieser beschäftigte bis zu 100 Arbeiter an 24 Pressen. Im 16. Jahrhundert bildete der Druck der Schriften Luthers fast ein Drittel der gesamten Auflage. Bis zum 18. Jahrhundert blieb das Verfahren des Setzens von Hand mit beweglichen Lettern und das Drucken fast unverändert.

Das Aufkommen des Buchdrucks führte zu einer Umstrukturierung der Werkstätten. Nun wurden Facharbeiter verschiedener Berufe notwendig. Eine neue Art des intellektuellen Austausches wurde möglich.

Der Drucker führte alle ausgeführten Arbeiten zusammen. Sein Aufgabenbereich war die Beschaffung von Geld und die für den Druck benötigten Komponenten. Er stellte Arbeiter ein, verschaffte sich einen Überblick über den Buchmarkt und gab Rundschreiben und Flugblätter heraus. Zu Beginn musste der Drucker auch für den Absatz seiner Produkte sorgen, was später die Buchführer übernahmen. Schon früh setzte eine Arbeitsteilung zwischen der technischen Abteilung und der Finanzierung ein.

Technik der klassischen Buchdruckerkunst

Die zum Betrieb der Buchdruckerkunst erforderlichen Typen oder Lettern zerfallen in Fraktur-, Antiqua- und Kursivschrift neben den dazu gehörigen Interpunktions- und sonstigen Zeichen (Sternchen, Paragraphen etc.). Die Verschiedenartigkeit und Reichhaltigkeit der Typen ist außerordentlich. Man unterscheidet sie nach ihrer Gattung in Brot- und Zierschriften sowie nach ihrer Zeichnung in gotische, Kanzlei-, Grotesk- etc. Schriften. Ferner werden sie ihrem Kegel nach unterschieden, das heißt nach den Klassen, in welche alle Schriften der Höhe ihres Typenbildes nach eingeteilt sind. Zu den Schriften gehören auch die Ausschließungen, das heißt Metallstückchen ohne Schriftbild. Diese sind etwa ein Fünftel niedriger als die eigentlichen Typen (Spatien, Viertel-, Drittel-, Halbgevierte, Gevierte, Quadrate). Sie dienen zur Trennung der Wörter, zum Ausfüllen leerer Zeilen etc. Ähnlichen Zwecken dient der Durchschuss, Metallplättchen von ein bis vier typographischen Punkten Stärke und meistens 36 und 48 Punkten Breite bei 54 Punkten Höhe, oft aber auch von der ganzen Breite der Zeilen (Regletten). Man durchschießt damit den Zeilensatz, das heißt man legt solche Plättchen zwischen die Zeilen, welche dann auseinander gerückt erscheinen. Doch wird der Durchschuss auch bei der Herstellung schwierigen Satzes von zum Beispiel Tabellen gebraucht.

Form und Ablage von Typen

Jede Type trägt an der Vorderseite, in Finnland und Frankreich an der Rückseite, ihres Körpers eine Einkerbung, die Signatur (Satz), zum sofortigen richtigen Erfassen der Type. Da diese Einkerbungen verschieden sind für die unterschiedlichen, oft aber doch sehr ähnlichen Typengattungen, so erleichtern sie auch deren Unterscheidung. Ein Durcheinander von Typen verschiedener Schriftgattungen oder auch verschiedener Typen ein und derselben Gattung wird als „Zwiebelfische“ bezeichnet.

Die für Werk- und Zeitungssatz bestimmten Typen liegen in hölzernen Setzkasten mit etwa 116 Fächern für Fraktur (Deutsch) und 125 für Antiquaschriften, etwa für Lateinisch, Englisch, Französisch und andere. Die größere Fächerzahl wird bedingt durch Accentbuchstaben. Die orientalischen Sprachen und der Satz von Musiknoten, mathematischen und chemischen Formeln erfordern Kasten mit noch mehr Fächern. Die Größe der Fächer ist dem mehr oder minder häufigen Vorkommen der Buchstaben angepasst, und auch deren Lage im Kasten richtet sich danach. Der Setzkasten ruht etwa in Brusthöhe auf einem pultartigen Gestell, dem Setzregal, das mit Fächern zum Einschieben der Kasten versehen ist.

Verwendung der Typen

Vor dem Regal steht der Schriftsetzer. Er hält in der linken Hand den Winkelhaken aus Metall. Dieser war früher oft aus Holz und mit Metall ausgelegt, der eine Art nach zwei Seiten offenes, flaches Kästchen mit verstellbarer linker Seitenwand bildet, in welches der Setzer mit der rechten Hand die Typen aus den Fächern führt und zu Zeilen zusammenstellt. Das Manuskript wird von dem Manuskripthalter gehalten, bestehend aus einem Holz- oder Metallstab (Tenakel) mit einer Art Gabel (Divisorium). Der Halter mit dem Text ist dabei für den Setzer bequem sichtbar auf den Setzkasten aufgesteckt. Ist eine Zeile gefüllt, so muss sie ausgeschlossen werden, das heißt sie muss die genau dem jeweiligen Format entsprechende Breite erhalten und mäßig fest im Winkelhaken sitzen, was entweder durch Verringerung der Wortzwischenräume erreicht wird, um überschießende Wortteile noch in den Raum der Zeile zu bringen, oder die Zwischenräume werden durch Hinzufügen von Ausschließungen verbreitert. Von der Regelmäßigkeit und Sorgfalt, mit der diese Arbeit ausgeführt wird, hängen das gute Aussehen und die Lesbarkeit des Satzes nach dem Druck wesentlich ab.

Ist die Zeile vollendet, so wird die dünne Platte aus glattem Metall, die Setzlinie, welche ihr bisher als Unterlage diente, darunter hervorgezogen und darübergelegt und mit dem Setzen so lange fortgefahren, bis der Winkelhaken mit Zeilen gefüllt ist. Diese werden dann sämtlich auf einmal auf ein Schiff gehoben, das heißt auf ein auf zwei oder drei Seiten mit einem erhabenen Rand versehenes winkelrechtes Brettchen oder eine Zinkplatte, bis die zur Bildung einer Spalte oder Seite (Kolumne) oder auch eines Pakets nötige Zeilenzahl erreicht ist. Setzt der Setzer in Seiten, so hat er diese auch mit einem Kolumnentitel zu versehen, der ein toter genannt wird, wenn er nur aus der Seitenzahl besteht, oder ein lebender, sobald er ein Stichwort oder eine kurze Angabe des Seiteninhalts enthält. Auf ihren Fuß legt er zur Erzielung sichereren Halts einen Unterschlag, bestehend aus Quadraten oder seitenbreiten Metallklötzchen, und umwindet das Ganze dann mit einem festen Bindfaden, der Kolumnenschnur.

Ist der Satz gut ausgeführt, so muss sich jetzt die Seite hantieren lassen, als ob sie nur aus einem Stück bestände. Die vollendeten Seiten werden entweder bis zur Fertigstellung der für einen Druckbogen erforderlichen Anzahl auf Papierlagen (Porte-pages) aufbewahrt, oder gleich auf Bretter (Setzbretter) oder Schließplatten und Schließsteine in einer bestimmten, der Aufeinanderfolge der Seiten entsprechenden Reihenfolge ausgeschossen, wo dann Holz- oder Metallstege von der Breite der auf dem Papier weiß bleibenden, für das Einbinden nötigen Räume (Bund-, Kreuz- und Mittelsteg) um die Seiten gelegt, die Kolumnenschnüre entfernt (die Seiten „aufgelöst“) und die Formen vermittelst eiserner Rahmen entweder mit Eisenschrauben, Holzkeilen und Schrägstegen oder auch mit eigens konstruierten gezahnten Stegen und Keilen etc. geschlossen, das heißt so befestigt werden, dass die ganze, aus vielen Tausenden von Lettern bestehende Form emporgehoben und in der Presse niedergelegt werden kann, ohne dass ein Buchstabe aus den Seiten fällt.

Das Umbrechen und Schließen und die damit zusammenhängende Unterleitung der Herstellung eines Werkes besorgen indes meistens (bei Zeitungen ist es ausnahmslos der Fall) damit speziell betraute geschickte Setzer, die „Metteurs en pages“. Diese Arbeitsweise, bei welcher der Setzer nur Stücke, die Pakete genannt werden und von denen der Name Paketsetzer stammt, des glatten Satzes unter Weglassung aller Überschriften aus anderer als für den Textsatz verwandter Schrift zu liefern hat, wird „Mise en pages“ genannt. Die leichtere Bestimmung der Reihenfolge der fertigen Bogen erreicht man durch Beifügung einer Ziffer rechts am Fuß der ersten und Wiederholung der gleichen Ziffer nebst Sternchen am Fuß der dritten Seite, der Signatur. Die erste erhält häufig zusätzlich an der linken Seite in kleiner Schrift eine Norm, die in wenigen Worten Titel und Bandzahl eines Werkes anzugeben hat. Die Signaturangabe mit Buchstaben ist in Deutschland außer Brauch, ebenso ist der Kustos, das heißt das früher an den Schluss einer jeden Seite gestellte erste Wort der nächstfolgenden, weggefallen. Die Formate werden nach der Zahl der Blätter, welche ein Bogen nach dem Zusammenfalzen enthält, benannt: Folio, Quart, Oktav, Duodez, Sedez, Oktodez etc.

Der Druckvorgang

Der erste Abdruck, welcher von den geschlossenen Formen oder auch von Seiten und Paketen in Schnuren genommen wird, ist der Korrekturabzug. In diesem zeichnet der Korrektor die vom Setzer veranlassten Fehler. Nach deren Berichtigung werden weitere Korrekturabzüge für Verfasser und Verleger hergestellt. Wenn deren Berichtigungen und Änderungen vom Setzer gemacht sind und die Genehmigung zum Druck erteilt ist, wird die richtige Stellung der Seiten überprüft und korrigiert. Nach Erteilung der Imprimatur kann der Druck erfolgen. Diejenige Form, welche die erste und letzte Seite enthält, das heißt die äußere, Prima oder Schöndruckform. Sie wird in der Regel zuerst gedruckt (eingehoben). Die andere wird als innere, Sekunda oder Widerdruckform bezeichnet. Der Druck erfolgt entweder in der Handpresse, kurzweg Presse genannt, in der Accidenzmaschine oder Tretpresse, oder in der Schnellpresse.

Das Papier, mit Ausnahme von Schreibpapier, wird hierfür teils befeuchtet, das heißt in stärkeren oder dünneren Lagen durch Wasser gezogen oder angespritzt, wodurch es geschmeidiger und zur Aufnahme der Druckfarbe geeigneter wird, teils trocken gedruckt und, ist der Druck ein feiner, auch satiniert. Dies gibt ihm die durch das Feuchten verlorene Glätte wieder. Vor dem Druck muss jede Form „zugerichtet“ werden, das heißt es müssen alle Ungleichheiten durch Hinzufügung oder Hinwegnahme feiner Papiereinlagen ausgeglichen werden, was meistens sehr zeitraubend ist. Bei feinem Illustrationsdruck sind hohe Anforderungen an die Kunstfertigkeit des Druckers oder Maschinenmeisters bei der Zurichtung gestellt, da selbst der feinste Holzschnitt ohne gute Zurichtung nicht voll zur Geltung kommt. Um einen guten Druck zu erreichen, gehören auch gute Walzen zum Verreiben und Auftragen der Farbe. Sie wurden bis 1940 in den Buchdruckereien selbst entweder aus einer Mischung von Leim und Sirup oder aus Glycerin, Zucker und Gelatine gegossen, jedoch war nach der besseren Verfügbarkeit von Kautschuk kein Bedarf mehr an diesen Verfahren. Generell haben die Walzen bald nach der Erfindung der Schnellpresse, die früher zum Auftragen der Farbe gebräuchlichen Ballen aus Rosshaar mit einem Überzug aus Kalb- oder Hundeleder verdrängt.

Der Druck in der Presse, die in der Regel durch zwei Personen bedient wird, erfolgt durch bogenweises Einlegen des Papiers, Zuklappen und Niederlegen von Rähmchen und Deckel, Einfahren des Karrens vermittelst Drehung einer Kurbel, Herüberziehen des Bengels, Wiederausfahren und Auslegen des gedruckten Bogens. Das alles wird von einem der beiden Drucker ausgeführt, während der andere die Farbe verreibt und die Form in der Zeit des Papier-Ein- und Auslegens einschwärzt („aufwalzt“). Die Schnellpresse besorgt alle diese Operationen, mit Ausnahme des Einlegens, selbsttätig. Das Auslegen geschieht bei den meisten Schnellpressen durch einen mechanischen Auslegeapparat. Der Maschinenmeister hat nach erfolgter Zurichtung nur den Gang der Maschine, die Gleichmäßigkeit der Färbung und die Güte des Druckes zu überwachen.

Dieser Abschnitt basiert auf einem gemeinfreien Text („public domain“) aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890. Bitte entferne diesen Hinweis nur, wenn Du den Abschnitt soweit überarbeitet oder neu geschrieben hast, dass der Text den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema widerspiegelt und dies mit Quellen belegt ist, wenn der Artikel heutigen sprachlichen Anforderungen genügt und wenn er keine Wertungen enthält, die den Wikipedia-Grundsatz des neutralen Standpunkts verletzen.

Nach dem Druck

Die gedruckten Bogen werden, wenn es nicht Zeitungen oder andere sofort abzuliefernde Arbeiten sind, zum Trocknen aufgehängt und dann in Glättpressen gebracht, um die beim Druck entstandenen Unebenheiten des Papiers zu beseitigen.

Die Satzformen wird nach dem Druck zur Entfernung der Druckfarbe mit einer in scharfe Lauge getauchten Bürste gewashen und sie mit reinem Wasser abgespült. Wenn sie nicht für weitere Drucke aufzubewahren sind, das heißt zum Stehsatz werden, erhält der Setzer sie zurück zum Auseinandernehmen, Ablegen oder Aufräumen. Er verteilt die Lettern wieder in die ihnen entsprechenden Kastenfächer, oder es werden nur Titel, Überschriften, kurze Zeilen etc. abgelegt, der Satz aber „aufgebunden“, das heißt in handlichen Stücken mit Kolumnenschnüren umwunden und, wenn sie gut abgetrocknet sind, in Papier geschlagen, etikettiert und für späteren Bedarf im Magazin aufbewahrt. Abgenutzte Typen werden als „Zeug“ wieder an die Schriftgießereien zum Umguss verkauft.

Rolle Gutenbergs

Gutenbergs technische Leistung bestand darin, eine Reihe von Verfahren zu entwickeln, die den Buchdruck erst ermöglichten:

Gutenbergs Leistung liegt auch in der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Etablierung des Buchdruckes durch die erste Massenvervielfältigung der Bibel.

Bedeutung des Buchdrucks

Buchdruck im 15. Jahrhundert
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Buchdruck im 15. Jahrhundert

Die Erfindung und Etablierung des Letterndrucks bildet einen bedeutenden kulturhistorischen Einschnitt, der eine grundlegende Informationsverarbeitung einleitete. Es gibt nur wenige als vergleichbar grundlegend angesehene Meilensteine:

Die Medientheorie leitet aus Gutenbergs Leistung grundlegende Konsequenzen ab.

Der Buchdruck ermöglichte die exakte Reproduktion von Wissen in einem zuvor nie gekannten Ausmaß. Während Bücher zuvor manuell in Skriptorien kopiert wurden, wurde der menschliche Faktor ersetzbar. Auch Abschreibfehler wurden vermeidbar.

Die Autorschaft bekam Bedeutung. Es wurde wichtig, wer etwas gesagt bzw. geschrieben hatte, was und wie jemand präzise formuliert hatte und wann dieses zu datieren war. Bücher wurden attraktiver und strukturierter, indem sich die Kennzeichnung durch Seitenzahlen (Paginierung), Inhaltsverzeichnisse, Register sowie Titelblätter durchsetzte.

Das Lesen veränderte sich: Während Bücher zuvor laut (vor-) gelesen wurden, entwickelte es sich zum heutigen Stilllesen. Eine allgemeine Alphabetisierung begann und leitete eine Bildungsrevolution ein. Das Denken veränderte sich in Anpassung an die Schriftform (lineares und kausales Denken). Die Methodik und die Wissenschaft neuer Bücher überbot bisweilen sogar die als verständliche Form von Begreifen, in bildlicher Form, die Metaphern. Man konnte Bücher auch ohne eine gedankliche Bildform verstehen. Wissen wurde allgemein zugänglicher, da gedruckte Bücher preiswerter als die handschriftlich kopierten waren, da es mehr Exemplare eines Buches gab. So wurden Schriften in den Umlauf gebracht.

Schwarze Kunst und Schriftsatz

Verloren hat der Buchdruck aber seine Besonderheiten: Jahrhunderte waren die „Ritter der schwarzen Zunft“ stolz auf ihren Beruf und ihre bemerkenswerten Leistungen. Ein hochdifferenziertes Regelwerk galt es zu befolgen.

Der Schriftsatz in heutiger Zeit kann diesem aufgrund der Zeitvorgaben nicht mehr folgen. Zwar gibt es in heutiger Zeit auch Software, mit denen Ligaturen gesetzt werden können, jedoch geht das Wissen um die Schwarze Kunst mehr und mehr verloren.

Die Zeit von Gutenberg bis etwa 1985 (Computersatz) wird auch gerne als „Bleizeit“ bezeichnet.

Noch gibt es einige Künstler, die den Buchdruck ausüben wie Gutenberg vor 500 Jahren – und bei Treffen, beispielsweise in Mainz bei der Minipressen-Messe, wird noch die Sprache der Schwarzen Kunst gepflegt. Dort geben Fachbegriffe den Ton an, zum Beispiel:

  • Alphabet: eine Folge von 23 Druckbogen
  • Fliegenkopf: eine kopfüber gesetzte Letter, der ein schwarzes Kästchen erzeugt
  • Hochzeit: ein doppelt gesetztes Wort oder eine doppelt gesetzte Zeile
  • Hurenkind: ein Seiten- oder Spaltenumbruch unmittelbar vor der letzten Zeile eines Absatzes
  • Leiche: ein fehlender Buchstabe oder ein fehlendes Wort
  • Schusterjunge: ein Seiten- oder Spaltenumbruch unmittelbar nach der ersten Zeile eines neuen Absatzes
  • Zwiebelfisch: ein im Text erscheinender Buchstabe einer falschen Schriftart

Siehe auch

Vorlage:Wikiquote

Literatur

  • J. H. Bachmann: Neues Handbuch der Buchdruckerkunst. Voigt, Weimar 1876
  • J. Benzing: Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts in deutschen Sprachgebiet. Wiesbaden 1963,; 2. verb. Ausg. ebda. 1982, Neuauflage: Christoph Reske, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-447-05450-8
  • Matthias Buchert u.a.: Schwarze Kunst auf grünen Pfaden. Buchherstellung nach ökologischen Grundsätzen. Steidl, Göttingen 1997, ISBN 3-88243-383-3
  • Gerhard Dünnhaupt: Die Fürstliche Druckerei zu Köthen. Buchhändler-Vereinigung, Frankfurt/M. 1979 (AGB XX.4) ISBN 3-7657-0934-4 (Wolfgang Ratkes erste deutsche Schulbuchpresse)
  • Elizabeth Eisenstein: Die Druckerpresse. Kulturrevolutionen im frühen modernen Europa. Springer, Wien 1997, ISBN 3-211-82848-6 (zur historischen Bestimmung der Buchdruck-Erfindung)
  • Heinrich Fischer: Anleitung zum Accidenzsatz. Naumann, Leipzig 1893
  • Karl A. Franke: Die Buchdruckerkunst. Praktisches Handbuch für Setzer, Drucker, Korrektoren, Stereotypeure und Galvanoplastiker. Voigt, Leipzig 1904
  • Michael Giesecke: Der Buchdruck in der frühen Neuzeit. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1998, ISBN 3-518-28957-8
  • Carl B. Lorck: Die Herstellung von Druckwerken. Praktische Winke für Autoren und Buchhändler. Weber, Leipzig 1893
  • Hans Lülfing: Johannes Gutenberg und das Buchwesen des 14. und 15. Jahrhunderts. Verlag Dokumentation, München 1969 (zum soziologisch-wirtschaftlichen Hintergrund der Erfindung des Buchdrucks)
  • Eike Pies: Die weisse und die schwarze Kunst. Berufe rund ums Buch. Brockhaus, Solingen 2002
  • Sigfrid H. Steinberg: Die schwarze Kunst. 500 Jahre Buchwesen. Prestel, München 1988, ISBN 3-7913-0213-2
  • Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels. 2. Auflage. München: C.H. Beck Verlag, 1999. ISBN 3-406-42104-0
  • Hans-Jürgen Wolf: Schwarze Kunst. Eine illustrierte Geschichte der Druckverfahren. Deutscher Fachverlag, Frankfurt/M. 1981, Vorlage:Falsche ISBN.

Weblinks

Quelle

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