Cinderella (Philatelie)

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Unter dem englischen Philatelie-Begriff Cinderellas lassen sich grob sämtliche nichtamtlichen Ausgaben von Briefmarken verstehen, wozu u. a. auch Ausstellungs(werbe)marken, Eisenbahnmarken, Fälschungsmarken, Fiskalmarken, (Weihnachts-) Spendenmarken, Telegraphenmarken, Wohltätigkeits(charity)marken u. Ä. zu zählen sind. Die Nichtamtlichkeit bezieht sich hierbei auf alle Arten von Briefmarken, die vom internationalen Weltpostverein mit Sitz im schweizerischen Bern nicht als Postwertzeichen zur Frankatur einer Postsendung anerkannt werden.

Nachfolgend wird ein allgemeiner Überblick über philatelistische Cinderella-Briefmarken dargestellt, welche am weltweiten Philateliemarkt präsent sind.

Inhaltsverzeichnis

Kategorien

Halbamtliche Ausgaben

Halbamtliche (engl.: semi-official) Ausgaben sind solche, die einen lokal gültigen amtlichen Charakter genießen und somit für einen streng definierten Postdienst zur Frankatur von Postsendungen zugelassen sind.

Bestes, weil wahrscheinlich bekanntestes Beispiel hierfür sind die Briefmarken der Insel Lundy im Bristol-Kanal im Südwesten Großbritanniens. Eine amtliche Sondergenehmigung erlaubt den Betreibern des Postverkehrs von und zur dünn besiedelten Insel (winters oft weniger als zwanzig Dauerbewohner) unter bestimmten Auflagen die postalische Verwendung von eigenen Lundy-Briefmarken für den Postverkehr zwischen Lundy und dem nächst gelegenen amtlichen Postamt Großbritanniens, nämlich jenem in der Kleinstadt Bideford an der Nordküste Devons gelegen. Lundy-Briefmarken dürfen offiziell jedoch nur in der linken oberen Ecke von (Ansichts-) Karten respektive auf der Rückseite von Briefen angebracht und mittels Poststempel des lokalen (privaten) Postdienstes entwertet werden. Für die anschließende (inter)nationale Postbeförderung ab Bideford sind sodann jedenfalls amtliche Postwertzeichen der britischen Postverwaltung zusätzlich anzubringen.

Weitere Beispiele (Auswahl): Alderney Shipping Company, Commodore Shipping Company - Alderney, Commodore Shipping Company - Sark, Insel Herm, Insel Kaulbach, Souveräner Malteserorden (siehe auch Kapitel Abgrenzung zwischen einzelnen Kategorien) u. a.

Lokal- bzw. Privatpostausgaben

Die Unterscheidung zu den halbamtlichen Ausgaben besteht vorwiegend lediglich darin, dass keine amtliche Genehmigung vorliegt (und es auch keiner solchen bedarf), die den Postverkehr zum nächst gelegenen amtlichen Postamt einer vom internationalen Weltpostverein anerkannten Postverwaltung eigens regelt. Solche Lokal- bzw. Privatpostdienste (engl.: local post, local postal service, locals, private post, private postal service) entstehen zumeist aus dem Idealismus ('Spaß') von Privatpersonen oder Vereinen, die ihre privaten ausgehenden Postsendungen mit eigenen, selbst kreierten Briefmarken versehen oder über einen gewissen Zeitraum, etwa zur Weihnachtszeit, für ein örtlich begrenztes Gebiet einen privaten Postdienst begründen.

Zu dieser Kategorie gibt es zahlreiche Beispiele, wie etwa die Lokalpost Gardenia, die einen solchen lokalen Privatpostdienst von 1988 bis 1998 in Pfarrkirchen bei Bad Hall in Oberösterreich betrieb. Populär sind solcher Art Privatpostdienste vor allem in Großbritannien, in den Vereinigten Staaten von Amerika (weit über 500 solcher Privatpostdienste) oder in Australien sowie Neuseeland.

Weitere Beispiele (Auswahl): Insel Brecqhou, British Columbia Private Courier Service, Insel Calf of Man, Clacton Cycle Mail, Erith-Schulpost, Hartcliffe Pupil Post, Hustadvika-Inseln, Insel Jethou, (Insel) Lord Howe Courier Post, Mesilla Potato Post, Insel Pabay, Pineapple Post, Insel Rattlesnake, Insel Rona, Insel Shuna, Sonnentaupost, Summer-Inseln, Timaru Bicycle Post u.v.m.

Ebenfalls dieser Gruppe zugehörend sind Briefmarken von Fürstentümern, König- wie Kaiserreichen u. Ä., die international nicht anerkannt werden/wurden und sich de facto selbst für unabhängig, zumeist hinsichtlich ihres Privat(grund)besitzes, erklärt haben, zudem einen privaten Postdienst bis zum nächst gelegenen amtlichen Postamt unterhalten/-hielten.

Bekanntestes Beispiel hierzu ist möglicherweise das selbst erklärte Fürstentum Hutt River Province im Westen Australiens, wo sich ein Farmer und Großgrundbesitzer samt Familie vom australischen Staat lossagte, seinen Besitz kurzerhand zum unabhängigen Fürstentum ausrief und u. a. mit der Ausgabe eigener Hutt-River-Province-Briefmarken begann (und hierfür auch einen Privatpostdienst bis zum nächst gelegenen australischen Postamt in Northampton, Western Australia, etablierte).

Weitere Beispiele (Auswahl): Kaiserreich Atlantium, Bumbunga, Königreich Humanity, Republik Koneuwe, Republik Kugelmugel, Fürstentum Posen, Rainbow Creek, Kaiserreich Randania, Fürstentum Rothaland, Fürstentum Sealand, Fürstentum Seborga u. a.

Die zitierte Art von Privatpostdienst ist streng zu unterscheiden von gewerblich ausgeübten Postunternehmen, die im öffentlichen Leben als wirtschaftlicher Unternehmer in Erscheinung treten, als Gewerbebetrieb amtlich eingetragen sind, Arbeitnehmer gemeldet haben, Steuern entrichten und ihr Unternehmen generell nachhaltig mit kommerzieller Gewinnabsicht betreiben.

Es gibt allerdings noch zwei Arten der "Lokalausgaben":

-- das sind die 1945 in Ermangelung von neuen gültigen Postwertzeichen von den örtlichen "Postmeistern", Postverwaltern angefertigten Quittungen für die bezahlte Postgebühr, welche von auf der Schreibmaschine angefertigten Gebührenzetteln bis zu gedruckten Briefmarken reichen. Die herrschende Meinung ist, dass die Postmeister als (unterste) Vertreter des Postministers -in Ermangelung der Mittelinstanz- dazu berechtigt waren. Daneben gibt es auch viele derartige Ausgaben, welche auf philatelistischen oder merkantilen Anregungen beruhten, und deren Erlöse oft auch wohltätigen Zwecken diente.

-- das sind die Briefmarken, welche von Postanstalten verausgabt wurden, die in einem begrenzten Gebiet, innerhalb einer begrenzten Zeit, mit Genehmigung ihrer Oberhoheit tätig waren und zu den ausserhalb existierenden Postdiensten KEINEN Kontakt hatten. Hier sind die "Lagerpost-Anstalten" zu nennen, welche im 2. Weltkrieg in Deutschland in vier Kriegsgefangenen-Lagern von polnischen Offizieren eingerichtet worden waren. Ebenso die Lagerpost in Ruhleben, wo im 1. Weltkrieg britische Zivilpersonen in Deutschland interniert waren. Ebenso zählen dazu die Ausgaben der Polen in Deutschland nach 1945, welche einen eigenen Briefbeförderungs-Dienst errichteten, und die Ausgaben der verschiedenen DP-Lager, deren Grenzen oftmals fliessend waren. Dazu gibt es eine eigene homepage.

Souvenirausgaben

Souvenirausgaben sind im Wesentlichen eine Untergruppe der Lokal- bzw. Privatpostausgaben, deren Erscheinen oftmals hauptsächlich einen touristischen Hintergrund besitzt, um etwa für eine Stadt oder ein Naturschutzgebiet o. Ä. mittels der Begründung eines Lokal- bzw. Privatpostdienstes und somit mit dem Erscheinen spezieller (Werbe-) Briefmarken eigens wie verstärkt damit zu werben.

Ein Beispiel dazu wäre etwa die Lokalpost Frodsham und Halton in den beiden englischen Ortschaften Frodsham und Halton südöstlich von Liverpool gelegen, wo sich seinerzeit Lokalpolitiker der Sache angenommen hatten, um durch eine private Posttätigkeit für ihre Gemeinden gemeinsam touristisch zu werben.

Weitere Beispiele (Auswahl): Republik Conch, Insel Kangaroo, McDonald Territorium, Republik Saugeais, Freistaat Socorro u. a.

Unter der Kategorie der Souvenirausgaben wären aber auch jene Briefmarken miteinzubeziehen, die zumeist von Privatpersonen oder Vereinen ausgegeben werden/wurden, um aus dem Verkauf solcher Briefmarken ein oftmals gemeinnütziges Projekt finanziell zu unterstützen.

Hierzu ließen sich die Briefmarken der Saint-Kilda-Inseln zählen, einer abgelegenen Inselgruppe im Nordwesten Schottlands, die, da Naturschutzgebiet, ein UNESCO-Weltkulturerbe darstellen. Die unbewohnte Inselgruppe wird seit dem Jahre 1957 vom National Trust for Scotland verwaltet, der zur finanziellen Unterstützung seines Naturschutzprojekts u. a. auch Briefmarken von dieser Inselgruppe verausgabte.

Weitere Beispiele (Auswahl): Aramoana, Insel Bardsey, Caerdroia Project Mail, Insel Caldey, Insel Canna, Dahlak-Inseln, Insel Drake, Insel Lihou, Insel Steep Holm u. a.

Mail-Art-Ausgaben

Eine weitere Gruppe der Cinderella-Briefmarken bilden die sogenannten Mail-Art-Ausgaben (engl.: Artistamp), folglich Briefmarken von Korrespondenz-Künstlern, die Kunst per Post und somit die sublimste Form der Korrespondenz darstellen. Den Mail-Art-Künstlern geht es hierbei nicht zwingend um eine Form eines Postdienstes jedweder Art, sondern vielmehr um die Verbreitung ihrer eigenen individuell kreierten Form von Mail-Art-Kunst eben und im Besonderen auch durch subjektiv gestaltete Briefmarken. Die Begründung von (imaginären) Republiken, Fürstentümern, Königreichen o. Ä., wie etwa im Fall des Königreichs Aldabra, beruht hierbei nicht auf politisch gestützten Ideologien, sondern einzig und allein auf den rein persönlichen Ideen und Gedanken ihres künstlerischen Schöpfers.

Weitere Beispiele (Auswahl): Alki Postage, Khanat Bokhara, Königreich Edelweiss (vormals Scheinausgaben), Hochkönigreich Fantippo, Republik Free Vinland, Karenni-Staat, Republik Kemp Land (vormals Scheinausgaben), Republik Liegerland, Loowit, Republik Mevu (vormals Scheinausgaben), Monte-Bello-Inseln (vormals Scheinausgaben), Föderation Musograd, Fürstentum Ohain, Republik Port Maria (vormals Phantomausgaben), Republik Raoul (siehe auch Kapitel Abgrenzung zwischen einzelnen Kategorien), Königreich (All the) Sedang, Terra Candella, Archipel Tui Tui, Sultanat Upper Yafa, Herzogtum Zujuteland u.v.m.

Scheinausgaben

Als Scheinausgaben (engl.: bogus) bezeichnet man Briefmarken von Orten, Städten, Gebieten, Inseln, Ländern u. Ä., die aus geographischer Sicht tatsächlich irgendwo real existent sind, wo jedoch zu keiner Zeit jemals ein Privatpostdienst stattgefunden hat. Hierbei ist es unbedeutend, ob das Gebiet oder die Insel, wofür die Briefmarken erschienen sind, von Menschen bewohnt sind/waren oder nicht.

Als vielleicht bekanntestes Beispiel wäre hierfür die schottische Insel Eynhallow anzuführen, wofür seit den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts Unmengen an Briefmarken auf dem philatelistischen Markt gesichtet wurden, ohne dass auf dieser unbewohnten Insel auch nur zu irgendeiner Zeit so etwas Ähnliches wie ein privater Postdienst stattgefunden hätte.

Weitere Beispiele (Auswahl): Insel Abd-al-Kuri, At-Tawal, Bantayan-Insel(n), Bernera-Inseln, Insel Calve, Insel Carn Iar, Insel Easdale, Insel Eigg, Feripaega, Insel Goat, Gruinard Island, Insel Heston, Insel Hildasay, Insel Isö, James Cook Land, Insel Mactan, Morokulien, Insel Mu(c)k, Quatair, Insel Ramsey, Insel Skomer, Insel Soay, Insel Staffa, Insel Swan, Insel Tiree u.v.m.

Ebenso der Kategorie der Scheinausgaben zuzurechnen sind Briefmarken von selbst ernannten Fürstentümern und König- wie auch Kaiserreichen u. Ä., sofern das hierfür proklamierte 'Hoheitsgebiet' tatsächlich irgendwo auf der Erde real existent ist, jedoch zu keiner Zeit ein operativer Privatpostdienst stattgefunden hat.

Hierzu wäre etwa das philatelistisch imaginäre irische Fürstentum Thomond als Beispiel zu nennen, wofür im Jahre 1961 eine Serie von zwölf Briefmarken ausgegeben wurde, ohne dass jedoch durch einen tatsächlich bewirkten Privatpostdienst ein notwendiger Anlass respektive ein notwendiges Interesse hierfür vorgelegen wäre.

Weitere Beispiele (Auswahl): Freistaat Carnevalis, Cherokee-Nation, Republik Energy-Inseln, Republik Glaceton, Republik Lemnory, Republik Minaue, Sultanat Occussi-Ambeno, Republik Petersport, Republik Port Maud, Republik Rozoj, Königreich Sedang, Republik Waikoa-Insel, Fürstentum Wikingland u. a.

Phantomausgaben

Als Phantomausgaben (engl.: phantom) werden Briefmarken von Gebieten jedweder Art bezeichnet, die geographisch nirgendwo existent sind, somit also reine Fantasieprodukte deren Erfinder darstellen.

Ein Beispiel hierfür wäre das Königreich Buddhistan, ein 'Staat', der sich nach Angaben des Herausgebers jener Briefmarken irgendwo in der Weite des Weltalls befindet ...

Weitere Beispiele (Auswahl): Königreich Adaluncatiff, Republik Ahu'a, Bannatyr, Fürstentum Castellania, Insel Chitawa, Republik Chyan, Königreich Dromidau, Fürstentum Erehwon, Republik Goffrea, Königreich Grand Baetica, Insel Hispanico, Königreich Ilis Day, Insel Ilyria, Königreich Intersol, Invelden, Insel Karang, Sultanat Khayyam, Republik Laurania, Litholand, Fürstentum Lomand, Insel Lucid, Mandoro, Mars Postage, Insel Minland, Insel Monku, Moon Postage, Insel Nei, Scheichtum Nohi Pibni, Republik Normenia, Popalania, Föderation Romanches, Sai-Land, Insel Serran, Solar System Rocket Service, Kaiserreich Sonne, Taiper, Freistadt Toravo, Republik Tyr, Venus Postage, Republik Witti u.v.m.

Ausgaben von Exilregierungen u. Ä.

Unter Ausgaben von Exilregierungen u. Ä. fallen alle jene Briefmarken, die von international anerkannten wie aber auch selbst erklärten, demzufolge international nicht anerkannten Exilregierungen u. Ä. in Auftrag gegeben werden/wurden.

Hierfür einschlägig bekannt sind vor allem die Briefmarken der Kroatischen Exilregierung, welche seinerzeit ihren Sitz zuletzt in der spanischen Hauptstadt Madrid innehatte und von dort aus gegen die damals reguläre Regierung Jugoslawiens (politisch) operierte.

Weitere Beispiele (Auswahl): Exilregierung von Albanien, Exilregierung von Bulgarien, Exilregierung des Iran, Republik Maluku Selatan (auch Scheinausgaben; siehe auch Kapitel Abgrenzung zwischen einzelnen Kategorien), Exilregierung von Nagaland, State of Oman (später Scheinausgaben), Exilregierung von Rumänien, Exil-Befreiungsrat der Slowakei, Exilregierung von Tibet, Exil-Nationalrat der Ukraine u. a.

Widerstands- bzw. Propaganda-Ausgaben

Ausgaben von Widerstandsgruppierungen (engl.: propaganda label) sind durchwegs verbunden mit politisch orientierten Territorialkämpfen gegen international zumeist als regulär anerkannte Regierungseinheiten, wobei ein eingeschränkter Privatpostdienst durch jene Widerstandsgruppierungen im territorial umkämpften Gebiet sehr wohl stattgefunden haben könnte, wie aber diese Briefmarken auch nur bloßen Propagandazwecken ohne eigentlich operierenden Postdienst gedient haben mögen.

Beispiele hierfür waren etwa die Briefmarken der polnischen Arbeiter- und Gewerkschaftspartei Solidarnosc oder auch jene der Volksgruppe der Shan im heutigen Myanmar, die - auch mit militärischen Mitteln - seit vielen Jahren für eine politische Unabhängigkeit vom einstigen Birma kämpft.

Weitere Beispiele (Auswahl): Al-Fateh-Ausgaben, Amerikanisch-Litauischer-Philatelistenverein-Ausgaben, Anti-Bolschewiker-Block-der-Nationen-Ausgaben, Baltische-Gesellschaft-Ausgaben, Dhufar (später Scheinausgaben), Kernow, Komitee-Deutscher-Osten-Ausgaben, La-Rosa-Blanca-Ausgabe, Organisation-Papua-Merdeka-Ausgaben, Permesta-Ausgaben, Polisario-(Westsahara-)Ausgaben (auch Scheinausgaben), Sinn-Fein-Ausgaben, Unita-Ausgaben u. a.

Abgrenzung zwischen einzelnen Kategorien

Eine spezifische Abgrenzung zwischen den einzelnen Kategorien ist oft nicht immer einfach wie eindeutig. Das möge am besten anhand einiger nachfolgender Beispiele verständlich dargestellt werden.

Briefmarken des Souveränen Malteserordens (Sovrano Militare Ordine di Malta, kurz: S.M.O.M.)

Dieser nahezu unbekannte 'Klein(st)staat', der im Herzen Roms einige Besitzungen aufzuweisen hat und von der Republik Italien ähnlich der Vatikanstadt oder der Republik San Marino wie ein unabhängiges Territorialgebiet innerhalb des italienischen Staatsgebiets behandelt wird, gibt seit 15. November 1966 Briefmarken allerhöchster Qualität aus. Das einzig öffentlich für jedermann zugängliche Postamt des Ritterordens befindet sich unweit der bekannten Via-Condotti-Einkaufsmeile nahe der Spanischen Treppe.

Die Postverwaltung des Souveränen Malteserordens hat nunmehr bereits mit über fünfzig (Stand: 2006) anerkannten Postverwaltungen des Weltpostvereins bilaterale Verträge über den Postverkehr zwischen ihrem Hauptsitz in Rom und eben jenen Postverwaltungen abgeschlossen, u. a. auch mit Österreich (seit 1. Dezember 1989). Das bedeutet, dass Briefmarken des Souveränen Malteserordens für Sendungen vom Hauptsitz des Malteserordens in jene Vertragsstaaten vollste Frankaturgültigkeit besitzen und mit jenen Briefmarken freigemachte Postsendungen an die jeweiligen Empfänger ohne Strafporto-Zuschlag am Postweg zugestellt werden.

Eine Postsendung nach Deutschland etwa würde jedoch am Postamt des Ritterordens nicht angenommen werden können, da zwischen der Postverwaltung des Souveränen Malteserordens und der Deutschen Postverwaltung kein bilaterales Postabkommen besteht (Stand: 2006) und somit die Briefmarken des Ritterordens keine Frankaturgültigkeit für deutsches Hoheitsgebiet besitzen.

Aus der Sicht Österreichs sind die Briefmarken des Souveränen Malteserordens jedoch eindeutig als amtliche Postwertzeichen einzustufen. Aus der Sicht Deutschlands kann man diese Briefmarken aber lediglich als halbamtliche Ausgaben (unter dem Wissen der einzelnen abgeschlossenen bilateralen Postverträge), als Lokal- bzw. Privatpostausgaben, als Souvenirausgaben, wenn man einen gewissen touristischen Aspekt in das Erscheinen jener Briefmarken hineininterpretieren möchte, oder vielleicht sogar noch im weitesten Sinne als Propaganda-Ausgaben bewerten.

Die Entscheidung liegt im aufgezeigten Fall somit ausschließlich in der Sicht des Betrachters, wobei - streng genommen - die Briefmarken des Souveränen Malteserordens vor Inkrafttreten des bilateralen Postvertrags mit Österreich im Dezember 1989 auch aus österreichischer Sichtweise jener Deutschlands zuzuordnen waren, wenngleich nunmehr auch jene Ordensbriefmarken postalische Gültigkeit für Österreich besitzen, die von der Postverwaltung des Souveränen Malteserordens bereits vor Inkrafttreten jenes bilateralen Abkommens verausgabt wurden.

Briefmarken der Republik Raoul

Die Briefmarken der Republik Raoul sind grundsätzlich eindeutig den Mail-Art-Ausgaben zuzurechnen. In Unkenntnis des Hintergrunds des Erscheinens jener Briefmarken könnte man jedoch auch vermuten, dass es sich bei diesen Briefmarken um bloße Scheinausgaben handelt, da unter Hinweis auf jedwede Art von künstlerischer Freiheit die nördlich von Neuseeland gelegene Inselgruppe der [Kermadecinseln|Kermadecs] mit ihrer Hauptinsel Raoul als unabhängiges 'Staatsgebiet' jener Republik proklamiert wird.

Briefmarken der Republik Maluku Selatan

Ab dem Jahre 1950 erschienen verschiedenste Briefmarken einer Republik Maluku Selatan, die geographisch der von Indonesien am 25. April 1950 sezessionierten Republik der Südmolukken zuzuordnen waren, vor Ort jedoch niemals postalische Verwendung gefunden hatten. Tatsächlich wurde ein Teil jener Briefmarken im Auftrag einer in den Niederlanden ansässigen Exilregierung gedruckt und ausgegeben, weshalb jene Briefmarken anfangs auch der Kategorie 'Ausgaben von Exilregierungen' zuzuordnen sind.

Erst später, etwa ab dem Jahr 1955, sind sodann Briefmarken einer Republik Maluku Selatan erschienen, die nachweislich von der Firma Henry Stolow, einem Briefmarkenhaus in München und New York, in Auftrag gegeben wurden. Folglich sind jene 'Stolow'-Machwerke lediglich als bloße Scheinausgaben zu bewerten.

Ausgaben von Exilregierungen bzw. Widerstandsgruppierungen

Eine klare Abgrenzung zwischen Ausgaben von Exilregierungen sowie jenen von Widerstandsgruppierungen bzw. Propaganda-Ausgaben ist ebenfalls nicht immer eindeutig zu ziehen. So können Ausgaben von Exilregierungen sehr wohl auch lediglich reinen Propagandazwecken dienen wie auch Widerstandsgruppierungen formell im Ausland eine Art Exilregierung ausrufen können, um so dem (politischen) Ziel ihrer Forderungen noch zusätzlich Nachdruck zu verleihen.

Lösung

Ist eine Cinderella-Briefmarke grundsätzlich mehreren Kategorien zuzuordnen, kann sodann jene gewählt werden, die überwiegend zutrifft oder zuletzt Gültigkeit besaß (im vorgenannten Beispiel wäre heute aus der (amtlichen) Sicht Österreichs eine Zuordnung der Briefmarken des Souveränen Malteserordens in die Kategorie der Lokal- bzw. Privatpostausgaben nicht mehr zeitgemäß wie angebracht). Bereitet aber selbst dann eine spezifische Zuordnung noch Schwierigkeiten, kann im Wesentlichen die Mehrheit der Meinungen aller Befragten als Basis der Zuordnung zu einer Kategorie herangezogen werden.

Fazit

Abschließend bleibt zu bemerken, dass es oftmals aufgrund unzureichender Hintergrundinformationen zu einzelnen Briefmarken nicht bis nur sehr schwer möglich ist, sich qualifizierte Meinungen über Cinderella-Briefmarken der angeführten Kategorien zu bilden, welche zudem oft nicht einmal als geeignete Bildvorlage vorhanden, sondern lediglich vom Hörensagen bekannt sind.

Warnung

Ein nicht zu unterbleibender Hinweis für den philatelistisch orientierten Briefmarkensammler ist, dass nicht alles eine Briefmarke darstellt, was Zacken hat, einen Wertaufdruck zeigt, zudem vielleicht schön aussieht und womöglich sogar auch noch rückseitig gummiert ist. Vieles ist nur Machwerk, das darauf orientiert ist, dem weniger kundigen Sammler sein sauer verdientes Geld aus der Tasche zu ziehen und diesen in den Glauben zu versetzen, für teures Geld ein vielleicht seltenes philatelistisches Objekt erstanden zu haben, nur weil dieses möglicherweise in den gängigen wie bekannten Briefmarkenkatalogen nicht eigens aufgelistet ist.

Ob somit generell betrachtet überhaupt (noch) ein begründeter Sammelwert von Cinderella-Briefmarken der hier angeführten Kategorien für einen Briefmarkensammler für dessen individuell gestaltete Briefmarkenkollektion besteht, ist eine Frage, die letztlich jedem Briefmarkensammler ganz und gar selbst überlassen bleibt, für sich persönlich zu beantworten. Zu guter Letzt wird jedoch die eigene subjektive Meinung in Bezug auf einzelne philatelistische Cinderella-Briefmarken den Ausschlag geben müssen, ob eine solche Briefmarke in eine Sammlung aufzunehmen ist oder nicht.

Allgemein kann jedoch festgehalten werden, dass von Cinderella-Briefmarken, von denen man lediglich über unzureichende Hintergrundinformationen verfügt, besser die Finger gelassen werden sollten, sofern nicht die Möglichkeit besteht, sich ausreichend Kenntnis von Fachexperten einzuholen.

Weblinks

sv:Cinderella

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