Deutsche Post in Marokko

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Deutsche Post in Marokko

Es geht in diesem Beitrag um die Deutsche Post in Marokko mit einer kurze geschichtliche Einführung.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ursprünglich hatten Portugiesen und Spanier das Land unter sich aufgeteilt (1479). Gegen das Osmanische Reich, dessen Machtbereich bis Algerien und Südspanien reichte, konnte man sich erfolgreich zur Wehr setzen.

1830 wurde Algerien französisch und versuchte Teile Marokkos mit zu übernehmen. Den Postdienst nahm das französische Heer war. Eine eigene Postverwaltung wurde 1860 von einem unter dem Generalgouverneur stehenden Inspektor gebildet. Die Beamten des gehobenen Dienstes waren Franzosen.

Am 1. Januar 1876 trat Marokko dem Weltpostverein bei. 1877 erfolgte die Zusammenlegung von Post und Telegraphie

Mehrere europäische Staaten, die USA und der Sultan von Marokko nahmen an 1880 an einer Konferenz in Madrid teil. Die Souveränität des Landes unter dem Sultan von Marokko wurde, mit Einschränkungen, garantiert. Daraufhin verbesserte sich die Anbindung an das allgemeine Postnetz.

1905-1906 kam es zur Erste Marokkokrise. Ein Bündnis zwischen Frankreich und Großbritannien sollte dabei den französischen Einfluss in Marokko absichern.

Kaiser Wilhelm besuchte 1905 das Sultanat Marokko. Auch Deutschland wollte in diesem Lande Einfluss gewinnen.

Die zweite Marokkokrise wurde 1911 durch die auf persönlichen Befehl Wilhelms II. erfolgte Entsendung des deutschen Kanonenboots Panther nach Agadir ausgelöst. Französische Truppen hatten Fès und Rabat besetzt. Die am 1. Juli 1911 eingetroffene Panther wurde nach wenigen Tagen durch zwei andere deutsche Kriegsschiffe, den Kleinen Kreuzer Berlin und das Kanonenboot Eber, ersetzt. Ziel der deutschen Aktion, war die Abtretung von Kolonialgebieten Frankreichs an das Deutsche Reich als Gegenleistung für die Akzeptanz der französischen Herrschaft über Marokko in Folge der ersten Marokkokrise. Drohgebärden wie die Entsendung der Panther sollten dieser Forderung Nachdruck verleihen.

Mit dem Vertrag von Fès vom 30. März 1912 wurde Marokko zur französischen Kolonie Französisch-Marokko. Spanien hatte sich sein Stück "Spanisch-Marokko", in Form von zwei Landstreifen gesichert.

Einrichtung der deutschen Postanstalten

Den deutschen Postverkehr nach Marokko besorgten früher die dort befindlichen französischen Postanstalten. Eine unmittelbare Schiffsverbindung zwischen Deutschland und Marokko bestand seit 1890 durch die Woermann-Linie und die Oldenburg-Portugiesische Dampfschiffsreederei.

Um den in den marokkanischen Hafenorten ansässigen Deutschen die Auflieferung ihrer Briefe an Bord der deutschen Dampfer zu erleichtern, wurden 1893 die Vertreter der Woermann-Linie in diesen Orten mit dem Verkauf deutscher Postwertzeichen betraut. Sie verwendeten die Dauermarken des Deutschen Reiches.

Dies genügte auf die Dauer nicht. Im Herbst 1899 wurde ein deutscher Postbeamter nach Marokko entsandt. Am 20. Dezember 1899 konnte eine Postagentur in Tanger eingerichten werden, das aber bald zum Postamt wurde. Gleichzeitig konnten deutsche Postagenturen in Casablanca, Larasch, Masagan, Mogador, Rabat und Saffi eröffnet werden. Sie verwendeten Germania-Marken im Centimos und Pesetas mit dem Aufdruck "Marocco" die termingerecht zur Eröffnung der Postagentur ankamen.

Die Postagenturen waren dem Postamt in Tanger, dieses dem Reichspostamt unterstellt. In Tanger leitete ein Postdirektor den Betrieb. Verwalter der Postagentur waren zunächst allgemein Konsulatsbeamte oder Kaufleute. Der wachsende Geschäftsumfang führte später zur Besetzung der Postagentur in Casablanca, Fes, Larrasch, Marrakesch, Masagan und Rabat mit Fachbeamten. Dadurch erhöhte sich ihre Zahl bis zum Ausbruch des Krieges von 3 auf 19 Beamte. Im untern Dienst wurden Eingeborene mit gutem Erfolg beschäftigt. Ihre Zahl betrug bei Kriegsbeginn 23, außerdem versahen zahlreiche Boten den Postbeförderungsdienst über Land. Weitere deutsche Postagenturen wurden am 11. Juli 1900 in Marrakesch, am 27. Mai 1901 in Alkassar, Fes und Meknes, 1906 in Tetuan, 1908 in Asimmur und 1911 in Arsila eingerichtet.

Die deutschen Postanstalten nahmen am Brief-, Nachnahme-, Zeitungs- und Postanweisungsdienst mit Deutschland und andern Ländern teil. Im Verkehr mit Deutschland waren auch telegraphische Postanweisungen zulässig. Einige Postagenturen hatten nur einen eingeschränkten Verkehr für Pakete und Postfrachtstücke sowie den Wertdienst, meist mit Rücksicht auf ihre Botenpostverbindungen.

Seit 15. November 1907 waren für die deutschen Postanstalten in Marokko im Verkehr mit Deutschland, den deutschen Schutzgebieten und den deutschen Postanstalten in China die Gebührensätze des inneren deutschen Briefverkehrs eingeführt worden; außerdem konnten deutsche Zeitungen zu denselben Preisen wie in Deutschland bezogen werden.

Botenposten

Laufzettel der Botenpost bei der Deutschen Post in Marokko
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Laufzettel der Botenpost bei der Deutschen Post in Marokko

Die deutschen Botenposten verkehrten in jeder Richtung viermal in der Woche; ebenso viele Botenposten wurden auf derselben Strecke u. a. von der französischen Postverwaltung unterhalten. Die deutschen und die französischen Botenposten wurden von den beiderseitigen Postanstalt in der Weise gemeinschaftlich genutzt. Die Abmachungen wurden Ende 1906 von französischer Seite gelöst. Von Anfang 1907 an waren auf allen nun von Deutschland allein unterhaltenen Botenpostlinien, mit Ausnahme der von Fes nach Meknes, tägliche Verbindungen hergestellt. Um Kosten zu sparen besorgte man ab Mitte 1909 die spanische Post mit. Es kam zu weiteren Zusammenarbeiten. Kurz vor Kriegsausbruch hatte die deutsche Firma Mannesmann & Co. eine Kraftwagenverbindung zwischen Saffi und Marrakesch eingerichtet, die ebenso wie die zu der gleichen Zeit hergestellte französische Kraftwagenverbindung zwischen Casablanca und Marrakesch postseitig benutzt wurde.

Zudem waren die deutschen Postanstalten an der marokkanischen Küste durch verschiedene Schiffslinien, hauptsächlich durch die Schiffe der Woermann-Linie, der Oldenburg-Portugiesischen Dampfschiffsreederei und der französischen Schiffslinie N. Paquet & Co. sowie auch durch spanische, englische und ungarische Dampfer miteinander verbunden. Da die Küstendampfer wegen der ungünstigen Landungs- und Witterungsverhältnisse nicht regelmäßig verkehren und einzelne Küstenplätze gar nicht anlaufen konnten, wurde zu Lande auf der 678 km langen Küstenstrecke eine deutsche Botenpost zwischen Tanger und Mogador zur Beförderung von Briefen und Postkarten eingerichtet. Pakete, Drucksachen und Warenproben mußten ihres Gewichts wegen den Küstendampfern zugeführt werden.

Verbindung nach Deutschland

 1804 Ganzsache der Deutschen Post in Marokko verwendet in Marseille mit deutscher Seepost
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1804 Ganzsache der Deutschen Post in Marokko verwendet in Marseille mit deutscher Seepost

Der Briefverkehr aus Deutschland nach Marokko ging über Algeciras nach Cadiz, von dort bis Tanger mit Schiffen der spanischen Gesellschaft Compania transatlantica. Der Briefverkehr aus Marokko nach Deutschland wurde ebenfalls in der Hauptsache über Spanien geleitet; die deutschen Postagenturen in Casablanca und den südlicher gelegenen Orten sandten jedoch auch Briefposten zu Schiff unmittelbar an das Postamt 1 in Hamburg ab. Die Pakete wurden zwischen Deutschland und den deutschen Postanstalten in Marokko über Hamburg mit Schiffen der Woermann-Linie und der Oldenburg-Portugiesischen Dampfschiffsreederei und in den letzten Jahren durch die Deutsche Ostafrika-Linie befördert.

Briefkartenschlüsse tauschten die deutschen Postanstalt in Marokko außer mit Deutschland auch mit Spanien, Frankreich (Bahnpost Bordeaux—Irun), Algerien und Gibraltar aus; die deutsche Postagentur in Mogador stand außerdem mit Las Palmas und Teneriffa auf den Kanarischen Inseln in Verbindung.

Das Ende

 Kriegsdruck

Bei Ausbruch des Krieges bestanden außerdem Zweigstellen in Meknes-_Mellah, Fes-Mellah, Marrakesch-Mellah, Marrakesch-Medinah und Rabat-Saleh.

Das Postamt in Tanger und die übrigen, in dem französischen Einflußgebiet gelegenen Postagenturen, wurden Anfang August 1914 von den Franzosen geschlossen.

Die im spanischen Einflußgebiet gelegenen Postanstalten in Alkassar, Arsila, Larrasch und Tetuan überdauerten, da Spanien seine Parteilosigkeit wahrte, den Krieg, auch sie wurden nach Kriegsende, am 12. Juni 1919, aufgehoben..

Literatur

  • Handwörterbuch des Postwesens. Hrsg: Bundesministerium für des Post- und Fernmeldewesen, Frankfurt a.M. 1953
  • MICHEL: Deutschland Spezial, Schwanenberger Verlag GMBH, München, 1991

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