Plattenfehler

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Plattenfehler

Abweichender Druck durch abweichende Merkmale auf der Druckplatte. Im Gegensatz dazu stehen Druckzufälligkeiten. Dazu gehören zum Beispiel die Butzenauflage oder nicht korrekt arbeitende oder bediente Druckmaschinen.

Der Begriff wird in der Philatelie auch für Druckverfahren angewandt, die nicht von Platten drucken. Die Marken des altdeutschen Sammelgebietes Lübeck sind im Steindruck hergestellt. Trotzdem spricht der Michelkatalog von Plattenfehlern.

Werden zur Herstellung des Druckmaterials Kopien von Urmaterial verwendet, kann man eine Hierarchie der Plattenfehler aufbauen. Es können dann primäre, sekundäre, tertiäre usw. Plattenfehler bezeichnet werden.

Ein Beispiel für die Einteilung beim Steindruck: Es wird zunächst ein Urstein hergestellt. Von diesem werden, auf Umdruckpapier, sechs Drucke so nebeneinander angefertigt, in der Anordnung, in der später gedruckt werden soll. Mit Hilfe des Umdrucks wird dann ein neuer Druckstein hergestellt, auf dem die Drucke von dem Umdruckpapier 10 mal angeordnet werden. Das ergäbe einen Druckbogen mit 60 Marken. Hätte einer der sechs Abdrucke vom Urstein eine Abweichung in der Zeichnung, beispielsweise einen Kratzer vom Herstellungsprozess, wäre dieser Kratzter auf dem Druckbogen zu 60 Marken, 10 mal vorhanden. Das wäre ein primärer Plattenfehler. Würde beim Ätzen des Drucksteines ein Markenbild der 60 Marken beschädigt, wäre das ein sekundärer Plattenfehler. Wesentlich für eine Hierarchie von Plattenfehlern ist, ob bei der Herstellung des Druckmaterials Kopien gemacht wurden.

Im Handbuch von Tröndle (L. Tröndle, Briefmarkenkunde, 1978, Seite 206 ff) wird zwischen primären Plattenfehler, die bereits zu Druckbeginn vorhanden waren und sekundären Plattenfehlern, die erst bei der Zurichtung der Druckform auftreten, unterschieden.

Viele Plattenfehler die auf eine Beschädigung des Druckmaterials zurückzuführen sind, verändern sich im Laufe der Benutzung des Druckmaterials. So kann aus einem winzigen Spalt eine große Kerbe entstehen.

Ein Beispiel für die Herstellung gegossener Bleiklischees für den Buchdruck: aus beliebigem Material wird ein Urstempel hergestellt. Das kann graviertes Metall sein oder auch geschnitztes Holz. Abhängig von der Zahl der Zwischenkopien, muss dieser seitenrichtig oder auch spiegelverkehrt sein. Es können einzelne Klischees hergestellt werden, die zum Druck zusammengesetzt werden, oder auch Gruppen von Klischees, die dann zu Druckbogen zusammengesetzt werden. Mit dem Urstempel könnten Kupferplatten geprägt werden oder Gipsformen hergestellt, die dann mit Blei ausgegossen werden. Wird der Urstempel im Laufe des Gebrauchs beschädigt, ändert sich die Zeichnung einzelner Klischees oder Gruppen. Das führt häufig zu "Typen" einer Briefmarke. Werden die vom Urstempel gefertigten Klischees oder damit hergestellte Klischees beschädigt, entstehen meist Plattenfehler.


Beispiel: "gebrochenes R im Aufdruck BERLIN"

plattenfehler-r.jpg

Der Aufdruck ist im Typensatz hergestellt. Die Bleiletter des "R" am Fuß der Senkrechten ist ausgebrochen. Plattenfehler des Aufdrucks kommen meist nur in einer Teilauflage vor, da die Bleilettern beim Satz intakt waren. Das ist auch im engeren Sinn, ein echter Plattenfehler.


Beispiel: "4 und 0 oben gebrochen" auf Deutsche Post in China 40 C. auf 80 Germania ohne Wasserzeichen

mf_20034636c.jpg


Unterschiedliche und willkürliche Definitionen

Eine Definition für Plattenfehler ist die Beschränkung auf Drucke von Druckmaterial, dass zunächst im gewollten Zustand gedruckt hat und durch einen Materialfehler oder eine Beschädigung im Laufe der Verwendung, fehlerhaft wurde. Die fehlerhafte Platte erzeugt den Plattenfehler. Zu diesen Plattenfehlern im eigentlichen Wortsinn zählt auch ein Druck von einem Klischee, dass bei der Montage beschädigt wurde. Im Gegensatz dazu steht eine Veränderung die durch eine zufällige Bearbeitung, bis zur Fertigstellung des endgültigen Druckmaterials, entsteht. Besonders auffällige Veränderungen dieser Art, sind mit dem Begriff Abart oder Variante, besser zu bezeichnen.

Bei vielen Markenausgaben lassen sich mit Hilfe der Markenzeichnung die Felder im Bogen bestimmen. Diese sogenannten Feldmerkmale können mehr oder weniger stark, mit bloßem Auge sichtbar sein. Eine mögliche Definition von Plattenfehler, wäre also ein Feldmerkmal mit einem auffälligen Kennzeichen.

Auch große Philatelisten haben den Begriff sehr unterschiedlich definiert. So schreibt Kohl in seinem Handbuch auf Seite 877 (11. Auflage) zu den Brustschildausgaben des Deutschen Reiches, wirkliche Plattenfehler würden nicht vorkommen. Im Michel-Handbuch-Katalog "Plattenfehler auf den Brustschildmarken ..." aus dem Jahr 2000, werden an die 300 Feldmerkmale, als Plattenfehler katalogisiert. Dabei sind auch sehr viele Plattenfehler, auf die auch die enge Definition zutrifft.

--J.Kraft 14:29, 27. Jul 2007 (CEST)

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