Postgeschichte Grönland

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Grönlands Briefkasten

Die Postgeschichte Grönlands ist auf Grund der Geschichte eng mit dem ehemaligen Mutterland Dänemark verbunden. Dies nicht nur wegen der beträchtlichen Entfernung, sondern auch wegen des Polarklimas. Dadurch war Verkehr mit Grønland nur während der Sommermonate möglich. Im Laufe der Zeit konnte sich jedoch ein nahezu unabhängiges Postwesen entwickeln.

Inhaltsverzeichnis

Grönland unter dänischer Herrschaft

Die Anfänge des grönländischen Postwesens

Nachdem im Jahre 1721 mit Hans Egede die ersten Europäer Grönland siedelten, kam es zu einem sehr langsamen und schleppenden Aufbau eines grönländischen Postwesens. Auf der größten Insel der Welt kam die Einrichtung von Postämtern und Postverbindungen vor allem durch die erschwerten klimatischen Bedingungen und die niedrigen Einwohnerzahlen kaum voran.

Im Wesentlichen war die Post der Missionsgesellschaften (z.B. die der Herrenhuter) zu befördern. “Die Inuit haben vom Schreiben keinen Begriff. Anfangs haben sie sich gar gescheut, einen Brief an jemand mit zu nehmen, oder ein Buch anzufassen, weil sie es für Hexerey gehalten, daß jemand durch ein wenig schwarz auf weiß des andern Gedanken errathen könnten”

Es bildte sich eine regelmäßig Briefbeförderungen längs der Küste mit Kajaks heraus. Wenn es eben ging wurde jährlich einmal im Februar, bei brauchbarem Wetter und wenn es wieder hell genug war, die unbewohnte Strecke zwischen Upernivik und Omeuak mit Schlitten befahren. Auf dieser Reise wurden nicht selten 1 oder 2 Bären geschossen. In der Regel erhielten sie für die Reise im Sommer 24 Skillinge per Meile und im Winter das Doppelte. Es war dies die einzige Postverbindung im Jahr.

Im Jahre 1774 erhielt schließlich die staatlich kontrollierte Den Kongelige Grønlanske Handel (KGH) das Monopol für den Postverkehr. Sie war somit für Transport und Verteilung jeglicher Post zuständig. Bis 1850 wurde nur 1 Fahrt pro Jahr durchgeführt. Danach stieg die Zahl der Fahrten langsam an, ab 1888 wurden auch Dampfschiffe eingesetzt, Segelschiffe blieben aber bis 1928 im Einsatz. Im Jahre 1875 wurde die Post 2 mal jährlich in die Kolonien geliefert, 1900 2-5mal, 1930 2-11mal, 1939 9-17mal. Einzig Ivigtut hatte wegen seiner Kryolith-Minen häufigere Verbindung durch die Minengesellschaft.

Die Post der Kryolithminen

Lokale Briefmarke der Minengesellschaft.
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Lokale Briefmarke der Minengesellschaft.

Eine Sonderstellung in der frühen Entwicklung des grönländischen Postwesens nimmt der kleine Ort Ivittut im Südwesten der Insel ein. In ihm wurde seit dem Jahre 1865 Kryolith (Eisstein) abgebaut. Das seltene und wertvolle Mineral wurde weltweit bislang nur an dieser Stelle gefunden. Durch die Minengesellschaft gab es viel häufigere Schiffsverbindungen nach Dänemark als im restlich Grönland. Diese erklärten sich dazu bereit bei ihren Fahrten auch Post mit zu befördern und sorgten somit für eine ausgezeichnete postalische Versorgung des kleinen Ortes im Vergleich zum restlichen Land.

Die Pakke-Porto-Ausgaben

Pakke-Porto-Marken
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Pakke-Porto-Marken

Im Jahre 1905 entschloss sich sich KGH die Beförderung von Paketen in Grönland und die internationale Paketbeförderung einheitlich zu regeln. Durch Einführung einer Portogebühr wollte man wenigstens einen Teil seiner Kosten erstetattet haben. KGH hatte nicht das Recht eigene Briefmarken herauszugeben, erhielt aber die Möglichkeit, Paketmarken zu 1, 5 und 10 Øre für die Strecke Kopenhagen-Grønland sowie den Transport innerhalb Grønlands auszugeben.

Diese Regelung trat ab 1. Mai 1905 in Kraft, die entsprechenden Paketmarken waren ab 14. Juli 1905 erhältlich. Bis 1930 waren die Portotaxen sehr niedrig. So war für den Transport von 5 kg 10 Øre Porto nötig, 1930 stieg dies auf einen Schlag auf 190 Øre. 1938 wurden die Paketmarken abgeschafft und durch Dänische bzw. Grønländische Briefmarken ersetzt. Jahr 1937 waren bis zu 17 verschiedene Schiffe mit Posttransporten in den Sommermonaten unterwegs.

Correspondenz aus dem Ausland war nur bis Dänemark zu frankiert.

fiskal Stempel Entwertung aus Klaushavn
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fiskal Stempel Entwertung aus Klaushavn

Zur Entwertung wurden unterschiedliche Stempel verwendet. Neben den Stempeln der KGH kamen fiskalischen Stempel. Diese diensten einem 1926 begonnenes Avane-Sparsystem. Die Pakke-Porto-Marken wurden in ein Büchlein geklebt. Damit entstand eine Art Sparbuch die später mit einem fikalischen Stempel entwertet wurden.

Die Post in Thule (Avanersuaq)

 Sonderpostwertzeichen zur Erinnerung an die frühere  Avanersuaq -Post („Thule“)
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Sonderpostwertzeichen zur Erinnerung an die frühere Avanersuaq -Post („Thule“)

Avanersuaq ist das nördlichste Gebiet von Grönland. In ihm finden sich die nördlichst gelegenen Siedlungen der Welt. Für die grönländische Post war es durchaus schwer dieses Gebiet postalisch zu versorgen. Deshalb gab es Anfrage aus Qaanaaq , dem größten Ort Avanersuaqs ob man eine eigene Postverbindung per Schiff nach Kopenhagen einrichten durfte. es wurden drei private Schiffspostverbindung nach Kopenhagen unternommen, jedoch am 31. Juli 1937 eingestellt.

Mit Genehmigung der dänischen Post erschienen am 16. Juli 1935 entsprechende Briefmarken. Die Marken wurden im Kopenhagen auf privaten Initiative hergestellt. Es handelt sich somit um die ersten Freimarken, die in Grönland verwendet wurden.

Eine vierteilige Briefmarkenserie wurde im Jubiläumsjahr 1935 unter dem Motto „25 Jahre Gründung der Siedlung Qaanaaq“ herausgebracht. Die Briefmarken trugen allerdings die Inschrift Thule / 1910–1935. Thule ist der dänische Name für die Siedlung.

Die Übernahme durch die königliche dänische Post

Eine Auswahl grönländischen Postwertzeichen

Nachdem Grönland im Juli 1937 in den Weltpostverein aufgenommen worden war, begann die Entwicklung eines selbständigen Postwesens auf Grönland. Es wurden Poststationen eingerichtet und der Brief- und Paketverkehr einheitlich geregelt.

Paketkarte
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Paketkarte

Im Inland wurde, wie bisher, die Briefpost, unabhängig von der Größe des Briefes, gratis durchgeführt. Dieses besondere Privileg blieb den Grönländern bis zum 30. Juni 1958 erhalten. Für mögliche Auslandsbriefe wurden jedoch keine Briefmarken von der grönländischen Post ausgegeben. Dies wurden mit Hilfe der Paketportomarken als Pakete befördert.

Am 1. Dezember 1938 kam es zur Übernahme des gesamten Postverkehrs Grönlands durch die Königliche Dänische Post. Nachdem die dänischen Post auf den Färöer und in Island bereits tätig war. Die Freimarkenserie zu 1, 5, 7, 10, 15 und 30 Öre sowie einer Krone zeigten das Bildnis des dänischen Königs Christian X. beziehungsweise die beiden Höchstwerte einen Eisbären.

Zweiter Weltkrieg

1960 Luftpostbrief
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1960 Luftpostbrief

Durch die Besetzung Dänemarks durch das Deutsche Reich blieb diese Ausgabe lange Zeit die einzige. Schließlich ging jegliche Verbindung mit dem Mutterland verloren und Grönland wandte sich an die USA und Kanada. Die US-amerikanische Armee kam selbst auf die Insel und richtete aus militärtaktischen Gründen mehrere Flughäfen ein, die ab den Jahre 1941 auch für die ersten Luftpostverbindungen in Verwendung waren. Im Jahre 1945 wandte sich schließlich das Land an die USA und baten diese um Hilfe bei der Herstellung von Briefmarken.

Schon bald nach der Anfrage Grönlands, kam es zur Ausgabe von 70.000 Sätzen neuer grönländischer Briefmarken, die von der American Bank Note Co. in New York hergestellt wurden. Diese Serie, oft als American Issue bezeichnet, bestand aus neun Werten, die neben den dänischen König Christian X. auch Seehunde, Inuit im Kajak, Hundeschlitten und Eisbären zeigte.

Nach der Befreiung Dänemarks wurde die American Issue noch mit dem Aufdrucken Danmark / Befriet / 5. Maj 1945 versehen.

Aerogramm
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Aerogramm

Nach dem Abzug der US-Amerikaner im Jahre 1946 kam es zur Einstellung der grönländischen Luftpost.

Die dänische Post übernahm jedoch wieder schnell das grönländische Postwesen und führte bald wieder eigene Briefmarkenausgaben ein. Auch ein Luftpostnetz mit der Verbindung nach Dänemark wurde im Jahre 1949 eingerichtet. Schließlich kam es zur Ausgabe der ersten Sondermarken und Wohltätigkeitsmarken Ende der 1950er Jahre.

Das autonome Grönland

Grönland ist seit 1979 ein EU-Ausnahmegebiet von Dänemark. Ausnahmegebiete gehören zum Hoheitsgebiet eines EU-Landes, nicht aber zum Zollgebiet der Europäischen Union bzw. sind Gebiete, die als Drittlandsgebiete im Sinne des Umsatzsteuerrechts gelten. Der Autonomie-Statuts Grönlands (hjemmestyreloven) hatte auch Auswirkungen auf das Postwesen der Insel.

Heute gibt es in jeder Stadt Postämter. Die Post nach Europa benötigt ca. fünf Tage. Im Postverkehr mit Deutschland ist keine Nachnahme möglich

Siehe auch

Literatur

  • “Handwörterbuch des Postwesen”, Verlag von Julius Springer, Berlin 1927 bzw. Hrsg. Bundespost, Frankfurt, 1953
  • “Die Postgebühren Skandinaviens”, FG Nordische Staaten, 1999, Eigenverlag
  • “Michel” Gansachen-Katalog Europa
  • *Werner Steven, “Zusammenstellung der Portosätze für die Correspondenz mit dem Ausland, Taler - Währung, 1846 - 1875, 2. Auflage, www.Philabooks.com 2010 Frankfurt am Main

Weblinks

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