Postgeschichte und Briefmarken von Frankreich

Aus StampsWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Postgeschichte Frankreichs geht bereits auf das frühe Mittelalter zurück. Sie ist stark durch die abwechslungsreiche Geschichte des Landes geprägt. Unter Philatelisten ist vor allem die Pariser Ballonpost, die einen entscheidenden Punkt in der Geschichte der Flugpost bildet, berühmt. Heute wird mit den französischen Briefmarken vor allem die Marianne in Verbindung gebracht, die die Dauermarken Frankreichs seit dem Jahre 1945 ohne Unterbrechung ziert.

Inhaltsverzeichnis

Die Entwicklung bis zur Französischen Revolution

Vorläufer eines französischen Postwesens

Vorläufer von Postwesen auf französischem Boden finden sich bereits zur Zeit des Römischen Reiches. Das von Kaiser Augustus eingerichtete staatliche Beförderungssystem für Nachrichten, Güter und Personen, der cursus publicus, operierte auch in Gallien. Im Allgemeinen wird der Beginn der französischen Postgeschichte mit der Teilung des Frankenreichs und der Entstehung eines eigenen Staates Frankreich im Jahre 843 gesehen. Zu der damaligen Zeit gab es jedoch nur mehr oder weniger regelmäßig operierende Botendienste, die Großteils von Adelhäusern unterhalten wurden und Nachrichten, vor allem im Krieg, überbrachten.

Diese Boten war anfangs noch meist unberitten unterwegs. Erst um das Jahr 1101 gab es Aufzeichnungen über den ersten berittenen Boten im königlichen Dienste Robert II.. Im Jahre 1261 werden bereits 16 berittene Boten im Dienste des Königs Ludwig VIII. genannt. Auch zu Zeit des Hundertjährigen Krieges kam es zur häufigen Einsetzung von Boten zur Nachrichtenüberbringung. Philipp VI. standen im Jahre 1350 bereits 13 unberittene und 6 berittene Boten zur Verfügung. Dies Anzahl wurde im Verlaufe des Krieges stetig vergrößert. Unter Karl V. zählte man zwar nur noch 8 unberittene Boten, dafür gab es bereits 36 Boten zu Pferd.

Die Anfänge des organisierten königlichen Postwesens

König Ludwig XI. richtete das erste organisierte Postwesen in Frankreich ein
vergrößern
König Ludwig XI. richtete das erste organisierte Postwesen in Frankreich ein

Die Errichtung eines organisierten französischen Postwesens fand erst kurz nach der erfolgreichen Beendigung des Hundertjährigen Krieges statt. Die bislang unterhaltenen Botendiensten wurden langsam durch ein landesweit operierendes Posystem abgelöst. Bereits kurz nach der Besteigung des französischen Thrones richtete König Ludwig XI. am 19. Juni 1461 eine Post für den französischen Hofe ein. Die Verwendung war noch ausschließlich dem König und den Angehörigen seines Hofes vorbehalten. Am 9. Juni 1464 erließ der König eine einheitliche Regelung für das Postsystem. Insgesamt besorgten 234 berittene Boten den Postdienst auf vorher festgelegten Routen zwischen den wichtigsten Orten im ganzen Königreich.

Unter dem Nachfolger Ludwig XI., König Karl VIII. wurde das Fürstengeschlecht Thurn und Taxis Im Jahre 1490, wie auch innerhalb des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, mit der Beförderung der kaiserlichen Kurierpost sowie dem Ausbau eins landesweiten operierenden Postsystems beauftragt. Die Verwendung dieses Postsystems blieb weiterhin hohen Adeligen, sowie dem König selbst, vorbehalten und wurden in den folgenden Jahrzehnten stetig erweitert und ausgedehnt. Unter König Karl IX. wurde erstmals eine Steuer für die Beförderung von Nachrichten unter Verwendung des königlichen Postwesens ab dem Jahre 1576 erhoben. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts, ab dem Jahre 1603, erfolgte schließlich allmählich die Freigabe für die Öffentlichkeit zur Verwendung des königlichen Postwesens unter dem neu ernannten Generalpostmeister ’’Fouquet de la Varane’’.

Der Ausbau und die Einführung von Posttarifen

Sein Nachfolger, Generalpostmeister ’’Pierre d'Almeras’’, bemühte sich um den Ausbau und die einheitliche Regelung dieses Postsystems. Am 16. Oktober 1627 führte er die ersten einheitlichen Posttarife ein, die jeder Benutzer, der nicht Angehöriger des Königs war, zu entrichten hatte. Je nach der Entfernung zwischen dem Absender und dem Zielort wurden verschiedene Gebühren für die Beförderung der Briefe erhoben. So kostete beispielsweise die Briefbeförderung von Paris nach Dijon oder Mâcon 2 Sous, von Paris nach Lyon, Bordeaux oder Toulouse 3 Sous. Eine Neuregelung und Anpassung an des erweiterte Postsystem erfolgte im April 1644. Die Portostufe zu 2 Sous wurde gänzlich aufgehoben, dafür wurden jedoch bereits 41 verschiedene Städte mit dem Posttarif zwischen 3 und 5 Sous von Paris gelistet. Bereits ein Monat später, im Mai 1644, wurden die ersten Raten für England mit 10 Sous von Paris bekannt gegeben.

Unter Sonnenkönig Ludwig XIV. kam es zu eine beträchtlichen Ausbau und einer weiteren Reformierung des Postwesen. In Zusammenhang mit dieser Reform richtete König Ludwig XIV. eine Pariser Stadtpost ein, die von Jean-Jacques Renouard gepachtet und unterhalten wurde. Für die Stadtpost galt ein Beförderungsporto von 1 Sou. Die Zustellung der Briefe erfolgte innerhalb eines Tages. Jean-Jacques Renouard ließ hierfür eigens Briefkästen aufstellen und begann mit dem Verkauf streifenbandähnliche Papiere, die man an dem zu versendenden Brief befestigen sollte. Diese ’’Billets de port payé’’ erschienen erstmals am 8. August 1653 und gelten heute als die ersten Vorläufer der Briefmarke.

Obwohl die Pariser Stadtpost bald aus wirtschaftlichen Gründen wieder eingestellt wurde kam es bald zur Einführung neuer Reformen. Im Jahre 1673 beschloss man eine einheitliche Regelung der Posttarife einzuführen. Diese sollten ausschließlich vom Zielort und dem Ort des Absenders abhängig sein. Man richtete vier verschiedene Entfernungszonen ein. Briefe innerhalb 25 Postleugen (lieue de poste) entsprachen 2 Sous, von 25 bis 60 Postleugen 3 Sous, von 60 bis 80 Postleugen 4 Sous sowie darüberhinaus 5 Sous. Eine Posteluge entspricht in etwa 3,898 km. Seit dem Jahre 1676 wurden auch erstmals Briefumschläge mit dem Aufschlag von einem Sou befördert. Dieser Aufschlag war, im Vergleich zu anderen Länder, relativ günstig.

Die Entwicklung bis zur Französischen Revolution

Das unter Ludwig XIV. eingeführte Tarifsystem wurde weiterhin in seiner Grundstruktur erhalten. Es kam in der folgenden Zeit nur zu Änderungen der Tarife selbst. Zeitweise gab es auch festgelegte Portostufen innerhalb eines Departements. Bis zum Jahre 1789 kam es zu einer sehr guten postalischen Erschließung des gesamten Landes sowie dem Aufbau zu Verbindungen mit den Postwesen der Nachbarländer.

Neben der Eröffnung neuer Postämter kam es im 18. Jahrhundert auch immer häufiger zu Verwendung von Poststempeln auf der Briefpost. Die meisten Absenderstempel sind Langstempel und tragen vor dem Ortsnamen ein de (von). Des Weiteren kam es häufig zur Verwendung von Stempel mit der Inschrift Port Payé (bezahltes Porto) und Déboursé (ausgelegtes Geld), falls er Empfänger die Annahme des Briefes verweigerte oder nicht auffindbar war.

Französische Revolution, Republik und Kaiserreich

Veränderungen im Postwesens durch die Revolution

Vor allem zu Beginn der Französischen Revolution kam es regelmäßig zu größeren Verzögerungen und lokalen Stilllegungen des französischen Postwesens. Zu den Aufständen, die die Postbeförderung erschwerten, kam noch hinzu, dass einige Verantwortliche der französischen Post im Zuge der Revolution hingerichtet wurden. Schon bald wurde im Jahre 1792 eine erste größere Erhöhung der Postgebühren auf Grunde dessen auf 5 bis 15 und innerhalb eines Departements auf 4 Sous durchgeführt. Bereits drei Jahre später, 1795, wurden alle Postgebühren um einen weiteren Sous auf 6 bis 18 und innerhalb eines Departements auf 5 Sous erhöht. Weitere Tariferhöhen erfolgten in den nächsten beiden Jahren. Erste gegen Ende der Revolution wurde die Portogebühren wieder weitgehend auf das frühere Preis Niveau abgesenkt.

Diese neuen Postgebühren waren nur kurze Zeit in Gebrauch, da man im Jahre 1800 durch eine umfassende Reform diese komplett neu regelte und an das neu eingeführte Metrische System anpasste. Der Standardversand eines Briefes bis zu 7 Gramm innerhalb 100 Kilometer kostete 2 Decimes. Dieses neue System blieb bis zum Wiener Kongress im Jahre 1815 erhalten. Des Weiteren finden sich in diesem Zeitraum die ersten französischen Poststempel mit Datumsangabe.

Die napoleonischen Kriege und Wiener Kongress

Im Zuge der napoleonischen Kriege kam es zur zahlreicher Gebietserweiterungen Frankreichs. Dieses neu französische Land wurde schnell mit dem eigenen Postsystem verbunden. An alle Regionen wurden im Zuge dieser Gebietsvergrößerung zur leichteren Verwaltung eigene Departement-Nummern vergeben. Die Nummern der neuen Regionen bewegten sich meist zwischen 84 und 129 und waren auch als Bezeichnung im Postverkehr im Gebrauch. Neben diesen französischen Gebieten übernahm Frankreich auch kürzere Zeit das Postwesen in besetzten Gebieten oder in solchen Staaten, die auf Druck und Betreiben Frankreichs errichtet wurden. In der Helvetischen Republik wurde beispielsweise das gesamte schweizerische Postwesen von Frankreich übernommen. Während der napoleonische Kriege wurde außerdem eine gut operierende französische Feldpost eingerichtet. Die heute hiervon erhalten gebliebenen Briefen zeugen durch ihre zahlreichen Vermerke über die gute Weiterleitung.

Mit dem Wiener Kongress wurden die ursprünglichen Grenzen Frankreich wiederhergestellt. Dadurch war die französische Post wieder alleinig auf das alte Staatsgebiet begrenzt. Das französische Postwesen blieb in der Zeit vor der Februarrevolution weitgehend vor neuen Reformen, mit der Ausnahme kleinerer Zonenänderungen im Jahre 1828, verschont. In dieser Zeit standen allerdings bereits die ersten Feldposten im Zuge dem Erwerb der ersten Kolonien in Afrika in Verwendung. Nach der Februarrevolution im Jahre 1848 und der Errichtung der Zweiten Republik sah man sich jedoch umfassenden Änderungen gegenüber.

Die ersten französischen Briefmarken

Un franc vermillon
vergrößern
Un franc vermillon

Bereits kurz nach er Errichtung der Zweiten Republik in Frankreich unter Staatspräsident Louis Napoleon Bonaparte entschloss man sich zur Ausgabe eigener französischer Briefmarken nach britischem Vorbild. Bereits am 1. Januar 1849 erschienen die ersten beiden Freimarken zu 20 Centimes und 1 Franc an den französischen Postämtern. Der Wert zu 20 Centimes, auch vingt centimes noir, war zu Frankierung eines Standardbriefes, der Wert zu 1 Franc, auch Un franc vermillon, für größere Portostufen gedacht. Die beiden Freimarken waren Teil der französischen Freimarkenausgabe Cérès, deren weitere Werte in den Folgejahren erschienen. Die insgesamt sechs verschiedenen Werte zeigen allesamt das einfärbigen Bild der Ceres. Diese ist von der Wertangabe und der Inschrift REPUB. FRANC. umgeben. Die ungezähnten Briefmarken wurden in der Pariser Münze im Buchdruck auf leicht getöntem Briefmarkenpapier hergestellt.

Gemeinsam mit den neuen Freimarken erfolgte auch die Verwendung neuer, einheitlicher Poststempeln der französischen Postämter. Diese haben gaben allerdings keinen Ortsnamen oder ein Datum preis. Die meist gitterähnlichen Abdrücke der Poststempel sollten ein neues Verwenden bereits gebrauchter Briefmarken so gut wie möglich verhindern. In Verbindung mit den Cérès-Marken waren sie allerdings nur kurz in Verwendung, da diese bald dem Marken mit dem Bildnis des Präsidenten wichen. Diese zeigen weiterhin die selbe Rahmen Zeichnung und Inschrift wie die Cérès. Nach der Wiedererrichtung des Kaiserreiches änderte sich diese jedoch in EMPIRE FRANC. .

Kaiserreich und Deutsch-Französischer Krieg

Neue Briefmarken

Bild:Napoleon3 laure Colonies.jpg
Napoleon III., Kolonialmarke

In den Jahre bis zum Deutsch-Französischen Krieg erschien ausnahmslos der neu französische Kaiser auf Frankreichs Freimarken. Diese wechselten allerdings teilweise in Inschrift und Zeichnung ab. Ab dem Jahre 1863 fanden nur noch Freimarken Verwendung die die Landesbezeichnung EMPIRE FRANCAIS in voller Länge und nicht, wie bis dahin üblich, abgekürzt enthielten. Hierbei handelte es sich außerdem um die erste gezähnten Freimarken Frankreichs. Die ebenfalls ab 1859 ausgegeben Portomarken zeigten, im Gegensatz zu den Freimarken, nur eine Ziffernzeichnung. Auch die ab 1. Januar 1868 ausgegeben Telegrafenmarken Frankreichs zeigten nicht den Kaiser selbst, sondern das kaiserliche Wappen, einen Adler, als Hauptmotiv.

Zur Zeit des Kaiserreiches wurden außerdem die ersten Freimarken in Frankreichs Kolonien ausgegeben. Ab dem Jahre 1859 erschien dort eine Freimarkenserie, die wie die Telegrafenmarken, eine Adler zeigten und auch in der Gesamtgestaltung große Unterschiede zu den französischen Freimarken aufweist. Diese Serie wurden allerdings gegen Ende des Kaiserreiches durch Napoleon III. wieder verdrängt. Die neue Freimarkenausgabe unterschied sich nur noch geringfügig von der französischen Variante. Gab die Inschrift der ersten Serie COLONIES DE L'EMPIRE FRANCAIS noch einen Hinweis, dass diese Freimarken für die französischen Kolonie bestimmten waren, entfiel dieser bei Napoloen III. ganz und wurde durch ein schlichtes EMPIRE FRANCAIS ersetzt. Vor der Einführung der Kolonialmarken waren bereist in mehreren Ländern die Marken des Mutterlandes im Gebrauch und wurden im Jahre 1859 durch die einheitlichen Kolonialmarken ersetzt.

Die kaiserliche Feldpost

Adressseite eines Ballonbriefes mit der Inschrift Par ballon monté
vergrößern
Adressseite eines Ballonbriefes mit der Inschrift Par ballon monté

Neben den neuen Freimarken und Briefmarkenarten Frankreichs gab es kam postalische Veränderungen. Das Gebührensystem blieb weitgehend unverändert. Es kam jedoch auf Grund der Beiteilung des Kaiserreichs an mehreren kriegen zu Einrichtung mehrerer Feldposten und zu einem Ausbau dieses Systems. Hierzu gehören beispielsweise die Feldpostbeförderungen des Krimkrieges. Hier wurden die beförderten Feldpostbriefe, auch die der verbündeten britischen Armee, mit dem Feldpoststempel Armee d'Orient versehen. Weitere Einsätze der Feldpost fanden sich im Sardinischen Krieg. Die Soldaten waren mit 20 Centimes-Marken ihres Heimatlandes ausgerüstet und gaben ihre damit frankierten Soldatenbriefe bei der französischen Feldpost, als auch bei gewöhnlichen sardinischen Zivilpostämtern auf.

Die berühmteste Verwendung von einer französischen Nachrichtenübertragung während des Krieges waren jedoch die Ballonposten im Deutsch-Französischen Krieg in den Jahren 1870 und 1871. Die Verbindung zwischen Paris und dem unbesetzten Frankreich konnte nur durch ein geschicktes Zusammenspiel zwischen Ballonpost und Brieftauben aufrechterhalten werden. Man gab den Ballonen aus Paris neben 2.500.000 Briefen und Postkarten insgesamt 363 Brieftauben mit, damit diese später mit Antworten oder anderen Nachrichten zurückkehren konnten. In Metz kam es ebenfalls während des Deutsch-Französischen Krieges zu ähnlichen Versuchen, mit Ballonen Verbündeten Nachrichten zukommen zu lassen. Die Metzer Ballonpost erlangte allerdings nicht das Ausmaß und die Berühmtheit der Pariser Ballonpost.

Dritte Republik und der Zweite Weltkrieg

Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg

Noch vor der Kapitulation Paris am 28. Januar 1871 kam es bereits im Jahre 1870 zur Bildung einer provisorischen Regierung der neu ausgerufenen Dritten Republik Frankreich in Bordeaux. Bereits am 11. Oktober 1870 wurden die ersten Briefmarken der neuen Republik ausgegeben. Man wählte als Motiv wiederum Ceres und gestaltete die neuen französischen Freimarken in nach Vorbild der Cérès-Marken der Zweiten Republik mit Inschrift REPUB. FRANC. . Dieses Mal wurden die Briefmarken allerdings gezähnt ausgegeben. Während des Krieges wurde die Briefmarkenherstellung nach Bordeaux verlegt. Erst nach dem Abzug der preußischen Truppen aus Paris wurden die Freimarken wieder in der Pariser Münze gedruckt. Auch die französischen Kolonialmarken wechselten wieder zum alten Motiv Cérès.

In den Jahren nach dem Krieg nach die französische Post rasch wieder ihren gewohnten Dienst auf. Das bisherige Post- und Tarifsystem des Kaiserreichs blieb erhalten. Bei der Gründung des Weltpostvereins im Jahre 1874 war die französische Post eine der ersten teilnehmenden Staaten (Beitritt 1. Januar 1876). Im Januar 1873 kam es zur Einführung der Postkarte in Frankreich. Das Standardporto hierfür wurde mit 15 Centimes festgelegt. Im März 1892 wurden die ersten Expressbeförderungen zu einem Preis von 50 Centimes durchgeführt. Diese Neuheiten und Tarif wurden ohne Veränderung bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges beibehalten.

Der Erste Weltkrieg und die Zwischenkriegszeit

Gleich zu Beginn des Ersten Weltkrieges kam es zur Besetzung einiger französischer Gebiete im Norden und Nordwesten des Landes durch das Deutsche Reich. Hier kam es zur Ausgabe einiger Deutscher Besatzungsausgaben. Ab 1. Dezember 1916 wurden diese gemeinsam mit belgischen Gebieten als "Etappengebiet West" zusammengefasst und mit einer einheitlichen Besatzungsausgabe versorgt. Bei dieser Ausgabe handelte es sich um die deutsche Germania-Ausgabe mit französischem Wertzeichenaufdruck. Neben deutschen Besatzungsausgaben im eigenen Land wurden auch eigene Ausgaben der französischen Armee im Laufe des Ersten Weltkrieges ausgegeben. Hierzu gehören beispielsweise die Ausgaben von die Mittelmeerinseln Castellorizo und Ruad. Im Gegensatz zu den anderen Großmächte des Weltkrieges wurden auf Grund der fehlenden Erfolge nur wenige Besatzungspostdienste eingerichtet. Im unbesetzten Lande selbst operierte das französische Postwesen weitgehend ungestört.

Frankreich trat aus dem Ersten Weltkrieg als Siegermacht hervor und konnte sein Postwesen wieder im ganzen Land betreiben. Hinzu kam der Gewinn des vormals deutschen Gebietes Elsass-Lothringen. Auf Grund des Vertrages von Versailles ging Frankreich kurze Zeit als Schutzmacht einiger Länder hervor. So wurden beispielsweise im deutschen Memelland bzw. Memelgebiet in den Jahren 1920 bis 1923 Briefmarken der Französischen Mandats-Verwaltung ausgegeben.

Das französische Posttarifsystem wurde bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges auf Grund einer kleinen, aber fortschreitenden Inflation in den 1920er Jahren mehrmals erhöht. Bis zum Ausbruch des Kriegs hatte sich die Gebühr für einen Standardbrief schließlich vervierfacht. In den 1920er Jahren kam es aber auch zur Errichtung der französischen Flugpost. Die ersten Flüge fanden bereits im November 1919 zwischen London und Paris statt. Die französischen Flugpostgebühren betrugen 3 Franc. Vor allem als Verbindung zu den Kolonien wurde diese Neuheit genutzt. Unter dieser Piloten der französischen Luftpost war unter anderem Antoine de Saint-Exupéry.

Deutsche Besatzung und État français

Während des Zweiten Weltkrieges kam es zur deutsche Besetzung Frankreichs beziehungsweise der Errichtung des État français im Süden, der die Dritte Republik ablöste und mit dem Deutschen Reich kollaborierte. Elsass-Lothringen wurde vollständig an das Deutsche Reich angeschlossen. Die Krieg in Frankreich hatte schwere Folgen für das französische Postsystem. Es kam zu zahlreichen Einschränkungen und zeitweisen Einstellungen. Im besetzen Frankreich kam es bald zur Ausgabe mehrerer lokal verwendeter deutscher Besatzungsausgaben. Ab dem Jahre 1940 verwendete das Vichy-Regime die ersten eigenen Freimarken. Diese zeigten meist das neue Staatsoberhaupt Henri Philippe Pétain. In den Jahren 1941 bis 1942 konnte eine Flugpostverbindung vom État français noch zeitweise aufrechterhalten werden.

Nach der Befreiung Frankreichs in den Jahren 1944 und 1945 wurden in zahlreichen Orten die kursierenden Freimarken mit RF (République française) oder ähnlichem, wie dam Lothringer Kreuz, überdruckt. Im Oktober 1944 wurden die ersten französischen Freimarken des befreiten Frankreichs ausgegeben. Diese wurden in Washington (D.C.) hergestellt und von den Alliierten überbracht. Außerdem wurden auch bald die Ausgaben des ’’Nationalen Befreiungskomitees Algier’’ in Frankreich verkauft, die eigentlich nur für die Verwendung in den französischen Kolonien gedacht waren. Als Motive wurden der Triumphbogen in Paris, der gallische Hahn und der Kopf der Marianne gewählt.

Vierte und Fünfte Republik

Die Entwicklung bis heute

Bild:Palais Bourbon Timbres2004.jpg
Die Siegerin der derzeitigen Mariannen-Ausgabe wird am Palais Boubon präsentiert

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges konnte die französische Post schnell wieder die Postverbindungen im ganzen Land herstellen. Die Inflation der Vierten Republik wirkte sich auch bald auf die französischen Posttarife aus. Entsprechend wurde zum 1. Januar 1960 auf den neuen Franc umgestellt. Der Indochinakrieg und Algerienkrieg bedeutete schließlich das Ende der französischen Kolonien und der Vierten Republik. Heute sind die französischen Briefmarkenausgaben vor allem durch die Marianne-Dauermarken geprägt, die seit Ende des Zweiten Weltkrieges in verschiedenen Zeichnungen verausgabt werden. Ab 1. Januar 1999 erfolgte sukzessive die Umstellung auf die Doppelwährung und schließlich zum 1. Januar 2002 komplett auf den Euro.

Literatur

  • Jean-François Brus u.a.: Marianne 1849-1900. Catalogue encyclopédique. Timbopresse, Paris 1999, ISBN 2-908101-08-4.
  • Helmut Heymanns: Die Vorausentwertungen Frankreichs. Eine Zusammenfassung von den Vorläufern bis zur heutigen Zeit. Bund Deutscher Philatelisten, Geilenkirchen 2004.
  • Laurent Lemerle: La France par ses timbres. Flammarion, Paris 1999, ISBN 2-0820-1058-9.
  • Vincent Pothion: Catalogue de marques postales linéaires, France 1792-1832 et des marques manuscrites des distribution 1792-1818. La Post aux lettres, Paris 1987, ISBN 2-85374-034-X

Weblinks

Persönliche Werkzeuge
Externe Links
stampsX-Forum, kompetente Antworten zu philatelistischen Fragen
Stempeldatenbank
Philalinks