Poststellenstempel

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Bei Sammlern beliebter Zweiziffer-Numerator des Einschreibzettel der Poststelle  Hortstmar 2 = Gemeinde Leer
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Bei Sammlern beliebter Zweiziffer-Numerator des Einschreibzettel der Poststelle Hortstmar 2 = Gemeinde Leer

Inhaltsverzeichnis

Poststellenstempel

Seit 1871 gab es im Reichspostgebiet Postagenturen, kleine Postanstalten mit geringem Verkehr, die von Privatpersonen im Nebenamt verwaltet wurden.

In Bayern und Württemberg gab schon zu Thurn und Taxisschen Zeiten “Postablagen”. Sie wurden in Bayern 1898, in Württemberg 1876, in Postagenturen umbenannt. 1875 waren 2.260 Postagenturen im Betrieb.

1880 wurde der Versuch gemacht, Landbriefträger mit Fuhrwerken auszurüsten. Gleichzeitig wurden in schneller Folge Postagenturen und, ab 1881, Posthilfsstellen geschaffen. Von denen es Ende 1880 bereits 3.339 gab.

Posthilfsstellen besorgen die Abgabe von Postwertzeichen und Formblättern, sowie die Annahme von gewöhnlichen Briefen und Paketen. Die Verwalter übergaben die eingelieferten Sendungen dem Landbriefträger oder den den Ort berührenden Postkutschen und nahmen die Sendungen für ihre Kundschaft in Empfang. Die Sendungen konnten dann sofort in der Posthilfsstelle abgeholt werden.

Schon bald begann man die Post ein- oder zweimal die Woche auszutragen, es ist sogar von einer Sonntagszustellung die Rede. Das dabei kassierte Bestellgeld durfte der Posthalter behalten. Die Entgegennahme von Anweisungen, Einschreib- und Wertsendungen war Vertrauenssache des Absenders zum Inhaber der Posthilfsstelle. Erst mit der Ankunft beim Postamt wurde daraus rechtlich eine Postsendung. Daran hat sich bis 1995 nichts geändert.

1887 gab es 5.571 Postagenturen und 7.560 Posthilfsstellen. Die Zahl der Zustellreviere der Landbriefträger war bis 21.000 vermehrt worden. Die Post war in 133.800 Ortschaften vertreten und konnte 16.5 Millionen Kunden bedienen. Der Postverkehr hatte um fast 40% zugenommen.

1913 gab es 10.7000 Postagenturen und 25.683 Posthilfsstellen.

 einige der formenreichen Stempel der Posthilfsstellen
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einige der formenreichen Stempel der Posthilfsstellen
Die Posthilfsstellen führten einen amtlichen Gummistempel. Damit wurde nicht das Postwertzeichen entwertet sondern neben die Marke abgeschlagen. Die Entwertung erfolgte im Leitpostamt.
Das Postwertzeichen wurde erst beim Leitpostamt abgeschlagen.
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Das Postwertzeichen wurde erst beim Leitpostamt abgeschlagen.

Häufig wurden sie in Ausflugsorten eingerichtet, meist in Gaststätten. Stempelabschläge von kleinen Orten auf dem flachen Lande und aus kleinen Vororten von Großstädten sind recht selten. Manche Posthilfsstellenstempel kommen aber bis weit in die 1950er Jahre vor. Es gab 1950 noch 2.605 Posthilfsstellen.

1923 erhielten Posthilfsstellen die neue Bezeichnung Postagenturen mit einfachem Betrieb und wurden zum 1. April 1927 zu Poststellen II Land. Poststellen waren eine neue Gattung von Nebenpostanstalten.


Landkraftpost

Am 31. Dezember 1927 gab das Reichsposministerium Richtlinien für die Neugestaltung des Landpostwesens bekannt. Danach sollten die Landposten nach und nach mit Kraftfahrzeugen ausgerüstet werden. Im Frühjahr und Sommer wurden bei 72 Postämtern 131 Kraftwagenbezirke und 1944 in ihnen liegenden Poststellen eingerichtet. Ende März 1929 waren bei 351 Leitpostämtern rund 540 Landkraftposten vorhanden, die rund 3,3 Millionen Landbewohner versorgten über 1150 Postagenturen und 7321 Poststellen versorgten.

Die Landkraftposten gingen von den Leitpostämter (LPA), diese möglichst mit Bahnanschluß, aus. Dort fertigte man die Sendungen von und aus den Landpostbezirken ab, regelten den Barverkehr, die Abrechnung und den Schriftwechsel mit den ihn unterstellten Poststellen. Sendungen von den Poststellen wurden erst beim LPA postfertig gemacht, gebucht, bezettelt und gestempelt.

Stempel mit dem Zusatz "LAND" und "über"
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Stempel mit dem Zusatz "LAND" und "über"

Zu diesem Zwecke erhielten die Leitpostämter Tagesstempel mit dem Namen des Leitpostamts mit dem Zusatz Land. Zunächst waren es Kreisstegstempel in verschiedenen Formen, die die seit 1927 bei der Reichspost eingeführten Stundenzählung in 24 Stunden-Einteilung hatten. Nachdem 1931 die genormten Zweikreisstempel eingeführt waren, gab es sie auch für die Landpoststellen der Leitpostämer mit dem Zusatz "LAND". Daneben sind häufig andere Stempelformen, wie Werbestempel und Stempelmaschinen, im Einsatz gewesen.

Auch die Zettel für Pakete, Einschreib- und Wertsendungen sollten den Zusatz “Land” tragen Es gibt sie auch mit dem Vermerk “Lkp” oder “L”. Andere Zettel sind ohne Hinweis und nur über den Stempel der Poststellen zuzuordnen. Bei einer Stempel-Neubestellung wurde die Zusatzbezeichnung "Land" (Münster 2 / Land) seit dem 26. Mai 1933 durch den vor dem Namen des Leitpostamt stehenden Zusatz "über" (Eggerode / über Burgsteinfurt) abgelöst. Soweit die Stempel der Landpoststellen. Die Poststellen waren mit Gummistempeln “in rechteckiger Form” ausgerüstet worden. Sie sollten nicht zur Entwertung abgeschlagen werden, sondern dienten nur als Herkunftsangabe. Blieb die Sendung im Zustellbereich der Poststelle, musste die Marke mit dem Gummistempel entwertet werden (Ortsporto). Werbestempel für den Ort waren erlaubt. Die Stempel der Poststellen waren nicht genormt und daher außerordentlich vielgestaltig. Innerhalb eines Leitpostamts-Bereich waren die Stempel selten einheitlich. Wenn Ersatz notwendig wurde, wandelte sich das Stempelbild.

Während des Krieges, am 25 Juli 1941, erfolgte die Einteilung des Reichsgebiets, einschließlich der während des Krieges unter deutscher Zivilverwaltung gekommenen außerdeutschen Gebiete, in 24 "Päckchen-Leitgebiete" (Braunschweig 20). Die "Anweisung für den Briefverteildienst" übernahm und erweiterte am 19. Oktober 1943 die Einteilung der Päckchen-Leitgebiete für den Briefbeförderungsdienst (Braunschweig 20b). Nun musste in die Stempel die Postgebietsleitzahl eingefügt werden.

Mit der Einführung der Postleitzahlen, am 3. November 1961 erhielten die Poststellen II, ab 1962, nach und nach Tagesstempel. Die letzte Ziffer der 4-stelligen Postleitzahl, von 1 bis 9, weist die Pst. II aus. Die Umstellung auf die Metallstempel war so schnell nicht zu erreichen. Abhilfe brachte ein vom Posttechnischen Zentralamt genormter Gummistempel, der bis 1964 durch den Metalltagesstempel abgelöst werden konnte.


Siehe auch

Zur Vertiefung:

H. J. Anderson “50 Jahre Landkraftpost (1928-1978)” in Post- und Fernmeldegeschichte zwischen Nord- und Ostsee. Hrsg. Bezirksgruppe Kiel der Gesellschaft für deutsche Postgeschichte, Heft 1/1978Kategorie Reichspost Kategorie Bundespost

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